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Frankfurt Mousonturm: Die Saat der Ideen geht auf

Von Frankfurts Mousonturm und das Hessische Staatsballett haben das internationale „Tanzfestival Rhein-Main“ gegründet. Jetzt findet es erstmals statt.
Paula Rosolen zeigt ihre Choreografie „Puppets“. Paula Rosolen zeigt ihre Choreografie „Puppets“.
Frankfurt. 

Ist es ein wahrgewordener Traum? Nicht lang ist es her, da wollte Frankfurts Mousonturm unter seinem damaligen Intendanten Dieter Buroch notfalls mit dem Kopf durch die Wand, um der Stadt ein Tanzfestival von überregionaler Strahlkraft zu verschaffen. Sein Enthusiasmus fixte Stadt und Kritiker an, doch ach: Der Traum blieb einer, und Buroch ging. Seither geriet das Ziel zeitweise aus den Augen. Nun plötzlich ist es da: das allererste „Tanzfestival Rhein Main“ (30. Oktober bis 13. November). Und das bei realen Barkosten von kaum 150 000 Euro.

Links, rechts, links

Möglich wurde das, weil sich der mittlerweile von Mathias Pees geführte Mousonturm mit „Tanzlabor 21“ und der vom „Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main“ geförderten „Tanzplattform“, diesem nie gewesenen Kooperationsprojekt zwischen freiem Produktionshaus und Staatstheater, eine Rahmenstruktur bewahrte, die, wie sich zeigt, für ein Tanzfestival nicht minder gut ist als für Tanzpädagogik und Breitentanz. Aber auch, weil mit dem vereinten Hessischen Staatsballett der Städte Wiesbaden und Darmstadt unter Tim Plegge ein ganz neuer Faktor ins Spiel kam, dessen Erfolg der alten Idee in etwas anderer Form aufhilft.

Zunächst zum Programm. Das Festival findet bis auf weiteres jährlich statt, und zwar stets in Frankfurt und dazu, wechselweise, in Darmstadt oder Wiesbaden. Diesmal geht es mit sechs unterschiedlichen Tanzabenden im Staatstheater Darmstadt los (bis 7. November) und setzt sich mit vier anderen Stücken in Mousonturm und im Frankfurt-LAB fort (ab 8. November).

Darmstadt eröffnet das Festival mit der Staatsballett-Produktion „Spiegelungen“, bestehend aus Wayne McGregors hochemotionalem, visuell kraftvollem Werk „Infra“ (deutsche Erstaufführung), einer Uraufführung Tim Plegges und der Wiederaufnahme „Left Right Left Right“, welche das Gehen thematisiert (Alexander Ekman). Weiter geht es mit einem Stück jener Sorte, die nie oft genug gezeigt werden kann, um dem Publikumsansturm zu genügen: „Farbenspiele“, ein Tanz- und Zirkusstück für eine Tänzerin und mitkrabbelnde und torkelnde Kinder von null bis drei Jahren (Birute Baneviciute, Litauen).

Es folgen „OCD Love“ der großartigen Sharon Eyal und ihrer Compagnie „L-E-V“ (Israel), worin Technogewummer auf psychische Zwangsstörungen stößt, und ein Doppelabend der führenden Profitruppe aus Tänzern mit und ohne Körperbehinderung „Candoco Dance Company“ (mit Trisha Browns „Set and Reset/Reset“ zur Musik Laurie Andersons). Außerdem auf dem Programm: Dorothée Munynezas Stück „Samedi Détente“, das von Europa her auf den Völkermord von Ruanda zurückblickt, und eine aktuelle Frankfurter Produktion: Paula Rosolens „Puppets“. Thema der Absolventin der hiesigen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ist das Bewegungsmaterial von Puppenspielern.

Ein Workshop und ein „Tanztee“ im Foyer, zumal für ältere Tanzfans, runden Darmstadts Festivalbeitrag ab. Einen weiteren Workshop hält Rosolen in Frankfurt.

Laien und Profis

Hier knüpft man mit Jérôme Bels „Gala“ an Darmstadt an, einem Stück mit vielen Laien der Region und einigen wenigen Tanzprofis. Der weltberühmte Choreograf und Ex-Forsythe-Tänzer Fabrice Mazliah zeigt nochmals in Neuproduktion das Abschiedsstück der Forsythe Company von 2015, „In Act and Thought“. Nacera Belaza, Französin algerischer Herkunft mit einer Neigung für die Mystik des Sufismus und viel Sinn für ritualhaften Sog, gastiert mit „La Traversée“ und „Sur le fil“.

Wie Rosolens „Puppets“ entstand „Sur le fil“ während der „Tanzplattform“-Aufenthalte. Bliebe nur noch, Karsten Wiegands Vision für das „Tanzfestival Rhein Main“ zu erwähnen: „Wir säen einen kleinen Infekt und gucken, ob daraus eine Epidemie wird.“ Man sollte sich also nicht wundern, wenn daraus ein richtiges Tanzfieber wird.

 

Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, Frankfurt, Staatstheater Darmstadt und andere Spielstätten. 30. Oktober bis 13. November. Karten für 3 bis 46 Euro unter Telefon (069) 13 40 400.
Internet www.mousonturm.de

 

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