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Die Schönheit bleibt nicht unversehrt

Von In „Auguste Rodin“ erzählt Jacques Doillon von den bewegtesten Lebensjahren des französischen Bildhauers sowie von dessen Kollegin und Geliebten Camille Claudel.
Der Bildhauer Auguste Rodin (Vincent Lindon) war fasziniert von der Schönheit des menschlichen Körpers. Foto: (WildBunch) Der Bildhauer Auguste Rodin (Vincent Lindon) war fasziniert von der Schönheit des menschlichen Körpers.

Zum 100. Todestag von Auguste Rodin (am 17. November) finden schon verschiedentlich Ausstellungen statt. Und immer ist es dabei frappierend zu sehen, wie klassisch und modern zugleich seine Skulpturen ausschauen. Das altgriechische Schönheitsideal vom formvollendeten Körper spricht aus den Gestalten, die der französische Bildhauer mit kräftigen Schlägen in Marmor meißelte oder mit großen, weichen Händen aus Ton modellierte. Aber er konnte seinen Figuren auch alles übermäßig Glatte, Formvollendete austreiben und sie in neuer Rohheit auferstehen lassen, indem er ihnen den Kopf und die Arme abschlug, einen dicken Bauch unter den Brustkorb setzte oder die Füße langzog. Die Schönheit bleibt zwar das Erstrebenswerte, sollte das heißen, aber die Wirklichkeit will es oft anders und fügt dem Ideal ihre Versehrungen zu.

„Der Denker“ ist die vielleicht bekannteste Skulptur von Auguste Rodin, und der Film des Franzosen Jacques Doillon zeigt, wie der Künstler, gespielt von Vincent Lindon, sie um 1880 gestaltete. Der vornübergebeugt sitzende Mann aus Bronze zieht die Knie leicht hoch, stützt den rechten Ellenbogen auf den linken Oberschenkel und das Kinn auf die rechte Hand: ein Mensch unter höchster Anspannung. Mehr als das Gehirn scheinen die Glieder zu arbeiten, auch wenn die Stirn sich wölbt und das Auge scharf nach unten blickt.

Was ging in Auguste Rodin vor, während er derlei Meisterwerke schuf? Davon zeigt der Film wenig. Regisseur Doillon, zugleich Verfasser des Drehbuchs, betrachtet den Bildhauer von außen, nicht von innen. Er schildert einen wortkargen Mann, der die Welt klar wahrnimmt, eine starke Sinnlichkeit und „etwas Animalisches“ ausstrahlt, so wie Rodin es dem Schriftsteller Balzac zuschrieb, als er dessen Standbild schuf.

Rodins Schaffensdrang war unstillbar, er verließ kaum sein nahe Paris gelegenes Atelier in Meudon, das im Film auch zu einem Hauptschauplatz der Liebe zu Camille Claudel (Izïa Higelin) wird. Die knapp 25 Jahre jüngere Kollegin, selbst sehr begabt, fühlt sich unterschätzt und erhofft sich von Rodin Förderung. Doch der manische Bildhauer bleibt auf sich fixiert. Auch lehnt er eine Eheschließung ab und billigt der Camille lediglich eine Ménage à trois mitsamt seiner bäuerlichen Haushälterin zu.

Ein Film für Kenner ist hier entstanden, für Connaisseure, am besten aus Frankreich, die den Bildhauer nicht erst entdecken wollen, sondern ihm lediglich wiederbegegnen möchten. Annehmbar

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