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Rockkonzert: Die "Scorpions" brachten die Hessentagsarena in Rüsselsheim zum Beben

Von Die Hannoveraner Rockband „Scorpions“ machte während ihrer Welttournee auch Halt beim Hessentag in Rüsselsheim. Knapp 10 000 Gäste erlebten geballte 50 Jahre Bühnenerfahrung mit extremer Spielfreude, bekamen ein Riesenpaket an zeitlosen Hits und Hymnen zu hören.
Und ihr macht mit! Rudolf Schenker hat das Publikum in der Hessentagsarena voll im Griff. Foto: Hans Nietner Und ihr macht mit! Rudolf Schenker hat das Publikum in der Hessentagsarena voll im Griff.

Die „Scorpions“, eine der ältesten deutschen Rockbands – auch beim Hessentag schon ein Dauerbrenner. Vor wenigen Jahren noch auf Abschiedstour, setzen die Senioren gerade zur ihrer verrückten Welt-Tournee („Crazy World Tour) an. Denn solide Rockmusik hat nichts mit dem Alter zu tun – das bewiesen einen Tag zuvor schon die Veteranen von „Deep Purple“ in Frankfurt, von denen einige die 70-Jahre-Grenze längst überschritten haben.

Die „Scorps“ haben nach 50 Berufsjahren einen ähnlichen Ruf von Welt erreicht und arbeiten auch in Rüsselsheim nimmermüde an ihrem Legendenstatus. Rudolf Schenker, Klaus Meine, Matthias Jabs und Co. verausgaben sich knapp zwei Stunden mit unübersehbarer Spiellaune, äußerst routiniert, aber leidenschaftlich und lustvoll, nur leicht variiert im Vergleich zum November-Auftritt in der Frankfurter Festhalle.

Es ist heiß an diesem Abend in der Autostadt, obwohl anfangs etwas Regen herabtröpfelt. Sänger Klaus Meine geht im Soundgewitter zunächst unter – der Opener „Going Out With A Bang“ und das folgende „Make It Real“ klingen nicht ganz so harmonisch. Aber die Band spielt locker weiter, und der Techniker kriegt den Sound nach und nach besser in den Griff.

„Hallo Rüsselsheim.“ Sie sehen aus wie die „Bad Boys“, die sie besingen – in Lederkluft und mit Sonnenbrillen. Rudolf Schenker startet mit seiner Flying-V-Gitarre immer wieder im Vollsprint zu Ausflügen über die Bühne, während sich Frontmann Meine den Mikroständer schnappt, als wolle er damit seine Bandkollegen aufspießen. Bereits nach zehn Minuten läuft ihm der Schweiß unter der Ledermütze hervor und übers ganze Gesicht– wie auf den hochformatigen Screens links und rechts der 28 Meter hohen und 45 Meter breiten Bühne gut zu erkennen ist.

Die bietet auch Platz für einen riesigen zweigeteilten Bildschirm: Oben räkelt sich mal ein Bikinimädchen, oder es tänzeln die Kolben eines Motors auf und nieder, während auf dem unteren Teil immer wieder mal eine massive Verstärker-Boxen-Reihe eines bestimmten Herstellers simuliert wird – immer dann, wenn die „Scorps“ besonders rockige Töne anschlagen: „The Zoo“ oder „Coast to Coast“. Beim Medley alter Hits wie „Top Of The Bill“, „Steamrock Fever“, „Speedy’s Coming“ und „Catch Your Train“ wabern bunte Flower-Power-Kreise über die Bildschirme – die „Scorpions“ sind auf Zeitreise, zurück in den siebziger und achtziger Jahren. Es geht nahtlos in einem Rutsch durch diese Titel.

Zwei Drittel der riesigen Fläche in der Hessentagsarena bleiben an diesem Abend leer, aber ganz vorne am Bühnenausleger wird es recht kuschelig, als die Band ihre Akustigitarren auspackt und sich Schlagzeuger Mikkey Dee mit einigen Toms dazugesellt. Dann wird es still, als die Ballade „Always Somewhere“ erklingt, ein Stück vom 1978er Album „Lovedrive“, gefolgt von „Eye Of The Storm“ und „Send Me An Angel“. Klaus Meine trifft noch immer auch die ganz hohen Töne. Und wünscht sich einen neuen „Wind Of Change“ angesichts der Unruhen in dieser Welt – diese Ballade scheint schon als Mitsing-Hymne bei Liveauftritten unvermeidlich.

Jetzt hat die Band das Publikum ganz im Griff – um sofort wieder rockigere Töne anzustimmen. Darunter auch „I’m In A Rock ’n’ Roll-Band“ vom jüngsten Album „Return To Forever“, das die Deutschrocker auf ihrer Tour bewerben. Apropos Deutschrock – der Begriff beschreibt weder die Musik noch die Band, Bassist Pawel Maciwoda stammt aus Polen, und der neue Mann an den Drums ist ein Schwede. Mikkey Dee trommelte zuletzt für die britische Heavy-Metal-Band „Motörhead“, deren Gründer Lemmy Kilmister 2015 starb. Ihm widmen die „Scorps“ das Stück „Overkill“ vom gleichnamigen „Motörhead“-Album, mit dem die Band einst den internationalen Durchbruch schaffte.

Und während der Schwede wie irre auf seine Trommelfelle haut, fährt die Schlagzeug-Plattform samt Drummer zu dessen ausgiebigem Solo die Bühne hoch. Der Zuschauer starrt gebannt auf ein einziges wirbelndes Etwas, das nur aus langen blonden Haaren und wild gestikulierenden Armen besteht, während Bilder des verstorbenen „Motörhead“-Gründers Kilmister auf dem Bildschirm wechseln.

Plötzlich stürmen die Gitarristen wieder die Bühne. Schenkers Klampfe zieht bei dessen Sprint eine Rauchfahne hinter sich her – es ist Trockeneis aus einer Art Auspuff, die der Gitarrist an seinem Instrument befestigt hat. So viel Schwung geht ein in die zwei nächsten harten Nummern – „Blackout“ und „Big City Nights“ – an deren Ende die Band zunächst von der Bühne verschwindet, um eindrucksvoll mit dem getragenen Intro von „Coming Home“ aus dem Dunkel zurückzukommen. Einmal noch „Still Loving You“ und „Rock You Like A Hurricane“, dann verabschiedet sich die Band für diesen Abend. Nicht ohne ein „Hessen, wir lieben Euch.“

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