Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Irrenkomödie in der Toskana: "Die Überglücklichen": Die barfüßige Gräfin

Von Valeria Bruni Tedeschi spielt in "Die Überglücklichen" eine Frau, die in einer vornehmen italienischen Psychiatrie im besten Sinne überschnappt und schließlich ausbricht.
Ist ja irre: Die Gräfin Morandini (Valeria Bruni Tedeschi) ist zwar in der vornehmen psychiatrischen Anstalt bestens untergebracht, schließlich handelt es sich um eine Villa in der Toskana. Doch als die Freiheit hinter den schmiedeeisernen Toren lockt, fühlt sich die überdrehte Adlige gleich viel besser. Foto: Paolo Ciriello Ist ja irre: Die Gräfin Morandini (Valeria Bruni Tedeschi) ist zwar in der vornehmen psychiatrischen Anstalt bestens untergebracht, schließlich handelt es sich um eine Villa in der Toskana. Doch als die Freiheit hinter den schmiedeeisernen Toren lockt, fühlt sich die überdrehte Adlige gleich viel besser.

Seit Jack Nicholson in „Einer flog übers Kuckucksnest“ so richtig schön den Verstand verloren hat, und seit Angelina Jolie in „Durchgeknallt“ einen Wahnsinns-Auftritt hatte, ist niemand mehr so mitreißend durch eine Psychiatrische Anstalt gewandelt wie jetzt Valeria Bruni Tedeschi. Die italienisch-französische Schauspielerin steht derzeit wohl auf dem Gipfel ihrer Karriere, ist gefragt wie nie und gibt ihren Rollen jeweils eine ganz besondere Ausdrucksstärke – demnächst auch in „Die feine Gesellschaft“. Der italienische Filmemacher Paolo Virzì („La bella Vita“) hat dieser fantastischen Schauspielerin nun aber auch wirklich eine außergewöhnlich schöne Rolle in einer außergewöhnlich gelungenen Geschichte verpasst, als reichlich spinnerte barfüßige Gräfin Beatrice Morandini. Diese Tochter aus begüterter Familie, geschiedene Ehefrau eines vermögenden, aber vertrottelten Anwalts, ist aus vielerlei Gründen einem Verbrecher verfallen und nun wegen ihrer Neigung zu Gewaltausbrüchen in oben genanntem Irrenhaus untergebracht. Es ist die vornehme Villa Biondi, gelegen im schönsten Teil der Toskana und gestiftet von Beatrices Eltern. So fühlt sich die hinter den schmiedeeisernen Toren eingesperrte Frau als Herrin eines Landsitzes, spaziert mit ihrem Sonnenschirm aufreizend durch die Gärten, hält Ärzte und Pfleger in Atem und ist so herrlich überspannt, dass man diesen Zustand am liebsten für normal und allgemeinverbindlich erklären möchte.

Als die neue Patientin Donatella (Micaela Ramazzotti) eingeliefert wird, eine bösartige Frau mit Tätowierungen und Tablettensucht, erkennt Beatrice in ihr eine zutiefst verletzte Frau, freundet sich mit ihr an und bricht mit ihr aus der Anstalt aus. Nun beginnt ein Road Movie, dessen Handlung nach gängiger Dramaturgie verläuft, dessen Dialoge aber deutlich über dem Durchschnitt liegen und auf ureigenste Weise der alten Formel folgen, dass die Gesellschaft außerhalb von Anstaltsmauern nicht viel weniger verrückt ist als innerhalb. Begleitet wird der Ausflug in die Freiheit von einer italienischen Heiterkeit, die das süße Leben feiert, aber auch den bitteren Schmerz ergründet. Denn niemand dreht rein zufällig durch. Verrückte haben durchaus ihre Gründe fürs Verrücktwerden, und dass sich in einem Irrenhaus viel Intelligenz versammelt, wissen alle Fantasten des italienischen Kinos, bis mindestens zurück zum seligen Federico Fellini. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinema (D+OmU), Mal seh’n (OmU), Orfeos Erben (OmU)

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse