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Familienkomödie: Die Wechseljahre der Jugend

Von Unter der Regie von Leander Haußmann spielt Jan Josef Liefers einen liebenden Vater, dessen 14-jährige Tochter selbstständig werden will.
Vater Hannes (Jan Josef Liefers) ist der Tütenträger seiner Tochter Carla (Harriet Herbig-Matten), die „nur das Nötigste“ gekauft hat. Foto: - (Constantin Film Verleih) Vater Hannes (Jan Josef Liefers) ist der Tütenträger seiner Tochter Carla (Harriet Herbig-Matten), die „nur das Nötigste“ gekauft hat.

Schon die schöne Wortschöpfung „das Pubertier“ besagt, dass Pubertierende ganz besondere Wesen sind. Jugendliche zwischen 12 und 18 haben die Kindheit verlassen, bewegen sich aufs Erwachsensein zu und wollen ihrer Umgebung beweisen, dass sie bereits einen eigenen Willen haben. Das endet oft in jener Sorte Tobsuchtsanfälle, die eigentlich in die überwunden geglaubte Trotzphase gehören. „Pubertät ist die Zeit, in der die Eltern anfangen, schwierig zu werden“, heißt ein weiteres schönes Wort, das den gewissen Ausnahmezustand umschreibt. Man sieht, es kommt darauf an, wer die Deutungshoheit übernimmt.

Wirbel mit Laubbläser

Leander Haußmanns Film, entstanden nach Jan Weilers Geschichtensammlung „Das Pubertier“, nimmt die Sichtweise von Vater Hannes (Jan Josef Liefers) ein. Der sieht Tochter Carla (Harriet Herbig-Matten) kurz vor ihrem 14. Geburtstag in die Selbstständigkeit davondriften und kriegt Panik. Soll die „Liebe seines Lebens“ jetzt mit fremden Jungs Partys feiern, statt mit ihrem Papa Sinfoniekonzerte zu besuchen? Oder den ganzen Tag am Smartphone hängen, statt sich seine Gutenachtgeschichten anzuhören? Und überhaupt: Sieht ihr Zimmer nicht aus wie eine Müllkippe? Schmuggeln die pickelgesichtigen Kerle, die bei Carla ein- und ausgehen, vielleicht Drogen ein?

Ebenfalls Pubertäts-Probleme hat Hannes’ alter Kumpel Holger (Detlev Buck). Dessen Sohn trägt die Kapuze seines Sweat-Shirts so übers Gesicht gezogen, dass er die Erwachsenen gar nicht erst sehen muss. Außerdem sprüht er nicht nur sein Elternhaus mit Graffiti voll, sondern auch die Säulen der Münchner Feldherrenhalle. Die professionelle Beseitigung der „dekonstruktivistischen Kunst“ würde 20 000 Euro pro Säule kosten. Deshalb versucht Vater Holger, die Sache mit der Wurzelbürste wegzuscheuern, während sein Sohn sich nicht an derlei Vernichtung eigener „Meisterwerke“ beteiligt.

Wie meistens in seinen Komödien gibt Regisseur Leander Haußmann („Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“) auch hier wieder so viel Gas, dass der ganze Film aufheult wie ein überdrehter Motor. Insofern wird es zumindest nie langweilig, wenn Vater Hannes, Mutter Sara (Heike Makatsch) und ihr Kind in alle möglichen Schwierigkeiten hineingeraten, aus denen die Polizei ihnen helfen muss, wieder herauszugeraten. Zwischendurch schaut auch noch ein skurriler Nachbar (Justus von Dohnányi) am Gartentor vorbei und macht mit seinem Laubbläser Wirbel.

Zudem gibt es sehr treffende menschliche Beobachtungen unter Haußmanns Regie sowie witzige Wortwechsel. Dennoch: Hätte Haußmann etwas mehr Ernst in der Komik untergebracht, wäre ihm ein treffenderes Abbild der völlig infantilisierten heutigen Gesellschaft gelungen, in der die Erwachsenen mit ihren Beziehungsproblemen ebenso in der Pubertät festzustecken scheinen wie ihre Kinder. So aber rutscht der „Pubertier“-Film immer halb ins Klamottige, zumal Jan Josef Liefers viel über Möbel, Spielsachen oder Gartengeräte stolpert.

Es ist, als wäre der „Professor Boerne“ aus dem Fernseh-„Tatort“ Münster notdürftig zum schusseligen Erziehungsberechtigten umgeschult worden. Detlev Buck als Vater Holger wirkt da viel natürlicher, lebensechter. Der linke Kriegsreporter ist an seiner antiautoritären Pädagogik gescheitert, die sich gegen ihn selbst gewendet hat: Der Sohn hat weder Respekt noch Manieren. Er macht, was er will. Das passt aller dings gut zu der unbekümmerten Moral, die „Das Pubertier“ verbreitet: Man soll Kinder zwar erziehen, aber nicht zu sehr an ihnen ziehen. Denn sie wachsen von allein. Und in den meisten Fällen wird sogar etwas aus ihnen. Annehmbar

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