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Premiere Verdis "Falstaff" in der Frankfurter Oper: Die Welt, ein Narrenhaus

Von Regie-Routinier Keith Warner hat das altersweise Spätwerk mit feiner Ironie in Szene gesetzt. In der Titelpartie brillierte Zeljko Lucic.
Zwei Sänger mit prachtvollen Stimmen und komödiantischem Talent: Meredith Arwady als Mrs. Quickly und Zeljko Lucic als Falstaff in der Frankfurter Neuinszenierung. 	Foto: Monika Rittershaus Zwei Sänger mit prachtvollen Stimmen und komödiantischem Talent: Meredith Arwady als Mrs. Quickly und Zeljko Lucic als Falstaff in der Frankfurter Neuinszenierung. Foto: Monika Rittershaus

Man ahnte ja schon, dass dem prachtvollen Bariton Zeljko Lucic die Partie des genusssüchtigen Ritters Falstaff trefflich passen würde – schließlich ist Falstaff eine der besten Bühnenfiguren aus dem Arsenal Shakespeares, dessen Komödie „Die lustigen Weiber von Windsor“ ja die Vorlage für Verdis letzte Oper gab. Nun ist Lucic zwar von stattlicher Statur, für die Rolle des Dickwanst Falstaff musste er freilich noch kräftig ausgestopft werden. Aber dies alles geschah mit Augenmaß, wie überhaupt die ganze Inszenierung des Briten Keith Warner, der in Frankfurt schon so manches Meisterstück vollbracht hat, mit viel Sinn für Komik und feiner Ironie ausgearbeitet wurde.

Warners Regie fußt ganz auf dem, was die Musik an ironischen Momenten vorgibt, ist bis ins kleinste Detail durchdacht und natürlich very british. Sie führt die Personen immer wieder zu ausdrucksstarken Bildern zusammen, ohne dass die turbulente Handlung in derben Klamauk abrutscht – eine Gratwanderung, die Keith Warner brillant gelingt. Sein erfahrener Bühnenbildner Boris Kudlicka hat für das bunte Treiben eine zunächst etwas düster wirkende Kulisse geschaffen: einen großen Raum, umschlossen von drei hohen Wänden, braun vertäfelt, in die wie in ein Museum in großen Vitrinen die Requisiten hereingefahren werden, die anzeigen, ob man sich gerade in einem Pub oder im Park befindet.

 

Kein Schenkelklopf-Humor

 

Farbe bringen die Kostüme von Kaspar Glarner ins Spiel, wobei sie gleichsam durch die Epochen wandern, von der Neuzeit, über die Jahrhundertwende (also der Entstehungszeit der Verdi-Oper), zurück bis ins elisabethanische Zeitalter, wenn beim Schluss-Tableau in der Maskerade alle Bühnenfiguren von Shakespeare die Szene bevölkern.

Figuren, wie Shakespeare sie erschaffen und Verdi sie Jahrhunderte später vertont hat, gibt es allüberall und zu jeder Zeit – so lautet die Botschaft. Und so ist für den Regisseur eines klar: Die Welt ist und bleibt ein Narrenhaus!

Nun ist Warners Inszenierung vom Schenkelklopf-Humor einer Büttenrede weit entfernt. Am besten vermittelt dies Zeljko Lucic in der Titelrolle, der zum Rendezvous im Schottenrock erscheint und dessen Haare zu zwei Teufelshörnchen nach oben frisiert sind. Lucic zieht zwar alle Register seines komödiantischen Talents – auch mit wunderbarem Mimenspiel. Aber er wird dabei nie grob, wie auch seine wunderbare Stimme immer nobel bleibt. Sein Falstaff ist zwar ein Trunkenbold und Frauenheld, aber doch kein böser Mensch. Mal schlitzohrig, mal naiv schlägt dieser sich durchs Leben, mal gewinnt er Oberwasser, mal landet er zum Gespött seiner Mitbürger in der Themse und bekommt im wahrsten Sinne des Wortes die Hörner aufgesetzt. Falstaff ist ein Mensch mit Schwächen – wie alle anderen Figuren in diesem Possenspiel auch. Und das macht ihn so komisch und so sympathisch.

Ein starkes Sänger-Team stand Lucic bei der Premiere zur Seite: Artur Rucinski als aalglatter Rivale Ford mit kernigem Bariton, Peter Marsh und Alfred Reiter als windige Saufkumpanen und Handlanger Bardolfo und Pistola, Hans-Jürgen Lazar als etwas trotteliger Dr. Cajus sowie Martin Mitterrutzner und Grazia Doronzio als auch stimmlich liebreizendes Paar Fenton/Nannetta. Eine gehörige Portion Spielcharme verströmten die drei Damen, allen voran Meredith Arwady als quirlig-pralle Mrs. Quickly, trefflich sekundiert von Leah Crocetto und Claudia Mahnke als Alice Ford und Meg Page.

Die Ironie, die Keith Warner seiner Inszenierung beigab, fand ihr musikalisches Pendant in Bertrand de Billys Klangregie. Der französische Dirigent ließ das Frankfurter Opernorchester dynamisch sehr flexibel aufspielen, in den Ausdrucksmomenten zugespitzt. Am Ende einstimmiger Jubel.

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