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Filmgeschichte: Die berühmtesten Kino-Paare: Liebende auf der Leinwand, Liebende im Leben

Von Vor 75 Jahren kam das Melodram "Casablanca" in die kinos und machte Humphrey Bogart und Ingrid Bergman zum Filmliebespaar. Die beiden Hauptdarsteller wurden nur auf der Leinwand zu Liebenden. Liz Taylor und Richard Burton oder Nicole Kidman und Tom Cruise darüber hinaus auch im Leben.
Eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte: Ingrid Bergman und Humphrey Bogart in dem Film „Casablanca“ von 1942.	Fotos: epd Foto: akg-images (epd) Eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte: Ingrid Bergman und Humphrey Bogart in dem Film „Casablanca“ von 1942. Fotos: epd

Im August 1942 stand die Welt in Flammen. „Casablanca“ war einer von sieben Filmen, die in den Warner-Studios abgedreht wurden, um dem kriegsgebeutelten Publikum Mut zu machen. Im Mittelpunkt der Handlung steht der zynische Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart), der in der marokkanischen Hauptstadt einen Nachtclub betreibt und sich nicht um die Wirren des Zweiten Weltkriegs schert. Bis eines Tages seine verflossene Liebe Ilsa (Ingrid Bergman) bei ihm auftaucht – gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Widerstandskämpfer Victor (Paul Henreid). Anstatt den Nebenbuhler den Nazis zu überlassen, gibt Rick seine Neutralität auf und hilft Victor und Ilsa, aus der Stadt zu fliehen, damit sie den Kampf gegen Hitler fortsetzen können. Ricks Entscheidung sollte den Zuschauern ein Beispiel sein: Erst kommt das Land, dann die Liebe.

Geplant als Propaganda

Die typische Botschaft eines Propagandafilms, als der „Casablanca“ konzipiert war. Aber die Crew um Regisseur Michael Curtiz schuf mehr als einen simplen Anti-Nazi-Streifen. 75 Jahre nach der Premiere am 26. November 1942, zählt „Casablanca“ heute zu den beliebtesten Werken der Kinogeschichte. „Erzählt wird nicht bloß eine einzige Geschichte, sondern viele – eine ganze Anthologie“, urteilte der italienische Schriftsteller Umberto Eco („Der Name der Rose“). „Angefüllt mit hundert Klischees und psychologisch unglaubwürdigen Figuren, die uns trotzdem bewegen.“

1. Humphrey Bogart und Ingrid Bergman

<span></span> Bild-Zoom Foto: Glasshouse Images (JT Vintage)

Ein Erfolgsgarant war das Traumpaar Humphrey Bogart und Ingrid Bergman. Nicht umsonst zeichnete das American Film Institute den Klassiker als größten Liebesfilm aller Zeiten aus. „Bergman bemalt Bogarts Gesicht mit ihren Augen“, schwärmte US-Kritiker Roger Ebert. Bei schmachtenden Blicken zwischen den Liebenden musste es bleiben. Rick und Ilsa versagten sich das persönliche Glück zugunsten des Vaterlands. Aber ihnen blieb die Erinnerung an gemeinsame Tage in Paris. „We’ll always have Paris“ lautet eines der „Casablanca“ Zitate, neben „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen“ und „Ich schau dir in die Augen, Kleines“. Der Ausspruch entsprang der Pfiffigkeit des deutschen Dialog-Übersetzers Wolfgang Schick. Im Original sagt Rick: „Here’s looking at you, Kid“. Das hat nichts Romantisches an sich, sondern ist ein Trinkspruch nach dem Motto „Auf dich, Kindchen.“

Bogart kippt im Film allerlei Hochprozentiges. Weil er sich seine Partnerin schöntrinken musste? Jenseits der Kamera wechselten „Bogey“ und Bergman kaum ein Wort miteinander, wie Filmhistoriker Noah Isenberg in seinem neuen Buch „We’ll always have Casablanca“ enthüllt. Ingrid Bergmans Versuche, ihren Co-Star zum Essen einzuladen, um mit ihm warm zu werden, habe Bogart schlichtweg ignoriert. „Es ist nicht so, dass sich die beiden gehasst hätten“, relativiert Bogarts Sohn Stephen. „Zwischen ihnen herrschte eine rein professionelle Atmosphäre.“ Harte Arbeit statt herzerwärmender Romantik?

Gespielte Vetrautheit

Was für manche Kinogänger ernüchternd klingen mag, ist im Filmgeschäft Realität. „Schauspieler werden darauf trainiert, sich gegenüber wildfremden Menschen zu öffnen und Intimität vorzutäuschen“, sagt Pamela Stephenson Connolly. Die Sexual-Therapeutin hat selbst als Darstellerin gearbeitet und weiß, dass Sympathie am Set hilfreich sein kann, um die perfekte Illusion zu erschaffen. „Eine Bindung zu spielen, gelingt leichter, wenn es eine natürliche Anziehungskraft zum Gegenüber gibt. Darum achten Regisseure und Produzenten beim Casting auf körperliche Reaktionen der Beteiligten. Zum Beispiel, ob sich die Pupillen beim Anblick des Partners erweitern oder Gestik und Mimik entspannt erscheinen.“

Sind erste Anzeichen für ein gesteigertes Interesse vorhanden, kann daraus eine glaubhafte Leindwandbeziehung entstehen, die sogar im wahren Leben Funken sprühen lässt. So verliebte sich Humphrey Bogart bei den Dreharbeiten zu „Haben und Nichthaben“ (1944) in Lauren Bacall. „Ich habe deine Probeaufnahmen gesehen. Wir werden viel Spaß miteinander haben“, sagte er. Kurz darauf heiratete der damals 45-Jährige seine fünfundzwanzig Jahre jüngere Filmpartnerin. Bogart und Bacall führten eine beispielhaft glückliche Ehe und drehten drei weitere Filme miteinander: „Die Natter“, „Gangster in Key Largo“ und „Tote schlafen fest“.

Die Umsetzung des Chandler-Krimis wurde nicht zuletzt deshalb zu einem Meisterwerk, weil Produzent Jack Warner nachträglich Dialoge einbaute, die vom erotischen Knistern der Akteure profitierten.

2. Spencer Tracy und Katherine Hepburn

<span></span> Bild-Zoom Foto: (World History Archive)

Auch die insgesamt neun Beziehungskomödien, in denen Spencer Tracy und Katherine Hepburn auftraten, schlugen aus dem Verhältnis der Hauptdarsteller Kapital. Ihre liebevollen Zankereien in „Ehekrieg“ oder „Pat und Mike“ wirkten umso echter, da die beiden eine weitgehend geheime Leidenschaft verband.

Obschon sich der strenge Katholik Tracy nie von seiner Frau Louise Treadwell scheiden ließ, gehörte sein Herz Katherine Hepburn, die sogar die eigene Karriere zurückstellte, um ihn zu betreuen, als er schwer erkrankte. Das letzte Gemeinschaftswerk, „Rat mal, wer zum Essen kommt?“ (1967), hat sie sich aus Kummer nie angesehen.

3. Richard Burton und Liz Taylor

<span></span> Bild-Zoom Foto: Wdr_dpa_Picture-Alliance_Bert_Re (WDR_dpa_Picture-Alliance_Bert_Re)

Doch nicht immer ist es von Vorteil, dass ein echtes Paar zusammen agiert. Die Spannungen des Alltags stören mitunter die Geschichte des Films, befeuert durch die Boulevard-Presse. In den Augen mancher Kritiker verkam Edward Albees vielschichtiges Drama „Wer hat Angst vor Virginia Wolf?“ (1966) zur Pseudo-Dokumentation einer Skandal-Ehe, da Richard Burton und Liz Taylor die Hauptrollen übernahmen.

Über Jahre sorgten sie für Schlagzeilen, traten zweimal vor den Traualtar, nur am anschließend wieder vor dem Scheidungsrichter zu enden. Ihre gemeinsamen Filme ließen die Kassen klingeln, doch interessierte sich kaum jemand für deren künstlerischen Nährwert. Vielmehr wollte das neugierige Publikum quasi durch die Schlüsselloch-Perspektive miterleben, wie Liz und Richard sich im Schlafzimmer küssten und schlugen.

4. Tom Cruise und Nicole Kidman

<span></span> Bild-Zoom Foto: Arte/ZDF/Warner_Bros. (Arte/ZDF/Warner_Bros.)

Ähnlich verhielt es sich bei den Hollywood-Heißblütern Angelina Jolie und Brad Pitt sowie Tom Cruise und Nicole Kidman. Kurz vor der jeweiligen Scheidung traten sie in Liebesdramen auf („By the Sea“, „Eyes Wide Shut“), deren Sinngehalt vom klatschumwitterten Seelenstriptease der Stars überlagert wurde.

Besonders tragisch im Fall von „Eyes Wide Shut“, dem letzten Werk des Regie-Genies Stanley Kubrick. Niemand sprach über seine Kunstfertigkeit, aber jeder kümmerte sich um Cruises und Kidmans Affären.

„Einige Schauspieler lassen das private Ich zu stark in ihre Rollen einfließen“, meint die Therapeutin Pamela Stephenson Connolly. „Besser ist, wenn sie eine weiße Wand bleiben, auf die wir unsere romantischen Sehnsüchte und Wünsche projizieren können.“

5. Doris Day und Rock Hudson

<span></span> Bild-Zoom Foto: Courtesy Everett Collection (Courtesy Everett Collection)

Garantiert störungsfrei funktionierte die Übertragung bei jenen vermeintlichen Turteltäubchen, die in Wirklichkeit ziemlich beste Freunde waren.

Doris Day und Rock Hudson betrieben vergnügliches „Bettgeflüster“, teilten den „Pyjama für Zwei“ und blieben bis zum Aids-Tod des homosexuellen Frauenschwarms innige Kameraden. „Die Menschen fühlten, wie sehr wir einander mochten. Das ist der Grund für den Erfolg unserer romantischen Komödien“, erklärt die mittlerweile 95-jährige Doris Day. Der Deutschen liebster Kaiser, Karlheinz Böhm, hat zwar eine „Sissi“ geküsst.

Es handelte sich allerdings um Sissi Placzek, seine Jugendliebe aus Graz. Mit der Film-Sissi Romy Schneider pflegte er nach Drehschluss eine platonische Freundschaft – passend zum sauberen Image der Heimatfilme.

6. Leonardo DiCaprio und Kate Winslet

<span></span> Bild-Zoom Foto: United Archives/Impress (United Archives/Impress)

Wie Brüderchen und Schwesterchen lieben sich auch Leonardo DiCaprio und Kate Winslet, seit sie in „Titanic“ die Taschentuch-Industrie ankurbelten. Ein besonders Maß an Schauspielkunst ist immer dann geboten, wenn sich die angeblich Liebestollen von Herzen zuwider sind.

7. Vivien Leighs und Clark Gable

Vivien Leighs Respekt vor dem großen Clark Gable war „Vom Winde verweht“, nachdem er sich als übergriffiger Lüstling entpuppte. „Er gehörte zu den Hollywood-Typen, die kein Nein von einer Frau akzeptieren“, gestand Leigh.

Beim Dreh des Science-Fiction Thrillers „Blade Runner“ tuschelte man, Harrison Ford und Sean Young würden nicht Liebes-, sondern Hass-Szenen drehen.

8. Kim Basinger und Mickey Rourke

Kim Basinger beschimpfte ihren müffelnden Partner Mickey Rourke („9 ½ Wochen“) als „menschlichen Aschenbecher“.

9. Marylin Monroe und Tony Curtis

Und Tony Curtis ließ sich nach dem Schmusen mit Marylin Monroe in „Manche mögen’s heiß“ zu dem berühmten Vergleich hinreißen: „Es hat sich angefühlt, als ob man Hitler küsst.“

Welche Seligkeit herrschte dagegen bei jenem vorbildlichen Duo, das selbstlos seine Spaghetti teilte, fern von Zank und Eifersucht: „Susi und Strolch“. Die Hundedame und der Straßenköter bleiben das harmonischste aller Kino-Paare. Kein Wunder. Ihr Hormonhaushalt lag schließlich in Händen der Disney-Zeichner.

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