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Autoren aus den Niederlanden und Flandern: Die besten Autoren und Romane aus dem Gastland

Aus dem gemeinsamen Sprachraum Niederlande und Flandern kommen zur Frankfurter Buchmesse mehr als 450 Neuerscheinungen. Einige Empfehlungen.
<span></span> Bilder > Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Wir – das ist eine total verkorkste Familie, ebenso reich wie hohl. Und ich – das ist Sarah, die Tochter, die fast erstickt in der Enge und Langeweile. Saskia de Coster skizziert in „Wir & ich“ (Klett-Cotta, 22,95 Euro) sehr ironisch ein großartiges Familienporträt. Das ist so beklemmend, dass einem oft das Lachen im Halse stecken bleibt.

 

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Der flämisch-marokkanische Autor Fikry El Azzouzi (Jahrgang 1978) schuf in „Wir da draußen“ (DuMont, 20 Euro) das mitreißende Porträt einer Jugendclique irgendwo in Belgien. Sie hängen herum, wollen Spaß, Mädels und eine Zukunft. Doch keiner will sie. Ziemlich drastisch und sehr authentisch schildert El Azzouzi einen Weg der Radikalisierung.

 

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In Anna Enquists „Die Eisträger“ (Wagenbach, 9,90 Euro) führt die Lehrerin Loes mit dem ehrgeizigen Psychiater Nico eine unterkühlte Ehe – die Autorin, Meisterin des psychologischen Romans, seziert genauso kühl den Zerfall der Beziehung. Die Katastrophe erscheint unausweichlich. Die sehr lesenswerte Novelle wurde zur Buchmesse neu aufgelegt.

 

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In seinem Insel-Tagebuch „533 Tage“ von seiner Wahlheimat auf den Balearen (Suhrkamp, 22 Euro) philosophiert der 83-jährige Cees Nooteboom über seinen Garten, die trostlose Situation in Europa und seine Begeisterung fürs All und die Sternbilder. Ein melancholisches Spätwerk, anregend und beglückend.

 

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Sylvia Plath und Ted Hughes sind das berühmteste Liebespaar der modernen Literaturgeschichte. In „Du sagst es“ (Diogenes, 22 Euro) lässt Connie Palmen Ted Hughes 50 Jahre nach dem Freitod seiner Frau über ihre leidenschaftliche zerstörerische Liebe sprechen. Palmen, Meisterin der (eigenen) Beziehungsdramen, kriecht in Haut und Hirn von Hughes und schafft ein sehr intimes Porträt.

 

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Das Leben im Amsterdamer Büro auf 5000 Seiten: „Das Büro 5: Und auch Wehmütigkeit“ (Verbrecher-Verlag, 32 Euro) ist das Wahnsinns-Projekt von J.J. Voskuil. Der erste von sieben Bänden des Bestsellers in den Niederlanden liegt jetzt auf Deutsch vor. Es geht um die Jahre 1979 bis 1982. Wegen endloser Dialoge jedoch anstrengende Lesekost.

 

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Fünf illegale Migranten irren durch die Steppe. Tommy Wieringa verknüpft in „Dies sind die Namen“ Hanser, 22 Euro) ihre mörderisch-quälende Suche nach dem gelobten Land mit der Geschichte des Polizeikommandanten Pontus, der seine Wurzeln sucht. Ein aktuelles Thema, meisterhaft erzählt mit leichtem Humor.

 

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Eine Konzeptkünstlerin entführt in Amsterdam ein Gemälde von Mark Rothko – der Museumsdirektor zerstört es schließlich. Joost Zwagerman hat mit „Duell“ (Weidle-Verlag, 17 Euro) eine köstliche Satire auf den zeitgenössischen Kunstbetrieb geschrieben. Witzig, sprachlich versiert und spannend.

 

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Hugo Claus (1929–2008) ist der große Roman-Autor und Dichter Flanderns der Nachkriegszeit. Sein Meisterwerk „Der Kummer Belgiens“ (Klett-Cotta, 34,95 Euro) erzählt die Geschichte des Lümmels Louis im Zweiten Weltkrieg. Ein großer europäischer Roman und ein Muss für alle, die Flandern wirklich verstehen wollen.

 

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Der 1946 geborene Journalist und Autor Adriaan van Dis schreibt scheinbar leicht über schwere Themen wie Krieg oder Rassismus. Er wird inspiriert von seinen Reisen und seiner Biografie – seine Eltern stammen aus Indonesien, einer früheren niederländischen Kolonie. Sehr persönlich schreibt er in seinem jüngsten Roman über „Das verborgene Leben“ (Droemer, 19,99 Euro) seiner Mutter.

 

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Arnon Grünberg, geboren 1971, ist der Erfolgsautor der Niederlande und lebt in New York. Er ist ein Vielschreiber mit einer täglichen Kolumne auf der Titelseite der Tageszeitung „Volkskrant“. Sein deutsch-jüdisches Elternhaus und das Trauma des Holocausts prägten ihn stark. „Muttermale“ (Kiepenheuer &Witsch, 24 Euro) heißt sein neuer Roman.

 

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Hella S. Haasse (1918–2011) ist die große Dame der niederländischen Literatur nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie hinterließ ein großes Oeuvre von Romanen, Theaterstücken und Kabaretttexten. Immer wieder versuchte Haasse, die Geschichte zu erklären. Dabei schöpfte sie auch aus den Erfahrungen ihrer Kindheit in Indonesien, einer früheren niederländischen Kolonie.

 

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A.F.Th. van der Heijden, geboren 1951, wurde mit spannenden und raffinierten Romanen zum Chronisten der Nachkriegszeit. Sehr persönlich und ergreifend ist „Tonio“, ein Roman über seinen jung gestorbenen Sohn. Neu ist sein Frauenporträt „Das Biest“ (Suhrkamp, 24 Euro) über Tante Tiny, die ihr Putztuch stets mit sich führt – und notfalls über Leichen geht.

 

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Ein literarischer Alleskönner und in seiner flämischen Heimat auch als Dramatiker und Kolumnist geschätzt ist Tom Lanoye. Seine „Monstertrilogie“ gilt als Meister- und Standardwerk der flämischen Literatur. Darin beschreibt Lanoye den Untergang einer Familie vor der Kulisse eines ebenfalls zerfallenden Belgiens.

 

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Margriet de Moor, ausgebildete Konzertpianistin und Autorin, dringt in ihren Romanen und Erzählungen tief ein in die Psyche ihrer Personen. Sehr einfühlsam und behutsam zieht de Moor den Leser in eine packende Geschichte hinein. Ihr letzter Roman „Mélodie d’Amour“ wurde 2014 veröffentlicht, ihr Buch „Schlaflose Nacht“ (Hanser, 16 Euro) aus dem Jahr 2016 ist die Neubearbeitung einer Novelle von 1989.

 

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Die 1942 geobrene Künstlerin Charlotte Mutsaers malt und schreibt am liebsten gegen alle Konventionen. Gut oder böse, Täter oder Opfer, Liebe oder Hass? In Mutsaers aberwitzigen Geschichten wie dem Roman „Kutschers Herbst“ von 2011 (Hanser, 24,90 Euro) ist nichts so, wie es scheint. Für ihr Lebenswerk erhielt sie die wichtigste niederländische Auszeichnung, den P.C.Hooft-Preis.

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