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Aus dem Youtube-Giftschrank: Die grottigsten Musikvideos aller Zeiten (1): Die 80er Jahre

Willkommen beim Festival des Fremdschämens: Wir zeigen Euch in unserer neuen Serie die übelsten Musikvideos – diesmal haben wir uns die Achtziger vorgeknöpft und zeigen auch zehn der schlimmsten Sünden, die je auf MTV und Co. zu sehen waren.
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Es gibt menschliche Erfindungen, die einen sofort vom Glauben an Geist und Größe des homo sapiens abfallen lassen: Napalm-Bomben, Landminen, elektrische Stühle – und Musikvideos der 80er Jahre. Was dieses Jahrzehnt unter dem Deckmantel der Jugend-Bespaßung und Musik-Absatzförderung an Scheußlichkeiten hervorgebracht hat, ist im Rückblick nur mit guten Nerven und/oder starken Lachmuskeln zu ertragen. Schnallt Euch an: Wir laden Euch ein zu einer Geisterbahnfahrt des schlechten Geschmacks – und zeigen Euch zehn der schlechtesten Musikvideos der 80er Jahre. Streng subjektiv ausgewählt, versteht sich.

G.L.S.-United – "Rapper's Deutsch" (1980)

Die US-Rap-Formation Sugarhill Gang lieferte 1979 mit ihrem 15-minütigen Song „Rapper's Delight“ die erste international erfolgreiche Rap-Single ab und machten HipHop salonfähig.

Auf der Erfolgswelle des neuen Sprechgesangs schwamm auch die deutsche Formation G.L.S.-United bestehend aus Thomas Gottschalk, Frank Laufenberg und Manfred Sexauer mit. Die drei Spaßvögel setzten sich an einen Tisch und dachten sich, dass eine deutsche Coverversion des Hits doch ganz dufte wäre. Völlig falsch gedacht, aber hört selbst.

Nicole – Ein bisschen Frieden (1982)

Sicher: Man kann dieses Lied als kulturellen Meilenstein und Geniestreich des Grand-Prix-Junkies Ralph Siegel sehen. Doch wie die 17jährige Nicole da katholisch-blockflötenhaft festgedübelt auf dem Barhocker sitzt, fast hinter ihrer weißen Lagerfeuergitarre verschwindet und mit dünnem, aber penetranten Stimmchen ihr naiv unpolitisches Liedchen säuselt – das ist so kantenfrei und clever auf Erfolg gebügelt, dass es schmerzt.  

Dass sie bei der Sieger-Reprise den Song angeblich "spontan" strophenweise in Holländisch, Englisch und Französisch sang, setzt Kalkül und Kommerzdenken die Krone auf: Ließen sich doch so die bereits produzierten fremdsprachigen Fassungen ihrer Single noch besser unters europäische Volk bringen. Ergebnis: "Ein bisschen Frieden" segelte auf Platz 1 der britischen Hitparade – für Deutsche bis dato undenkbar.

Starship – We Built This City (1985)

Es gibt Songs, da weiß man bereits bei den ersten Tönen, das man besser schnell das Weite suchen sollte. „We Built This City“ von Starship ist solch ein Beispiel. Beim Hören und Betrachten des Musikvideos stellt sich unweigerlich die Frage: Meinen die das wirklich ernst? Die tragische Erkenntnis ist wohl, ja. Nicht umsonst setzte die Zeitschrift "Blender" das Lied im April 2004 auf Platz eins der Liste der „schlechtesten Songs aller Zeiten“.

Allein der Einstieg mit der dörflichen Idylle und den vorbeiziehenden Vögeln, untermalt vom sanft reinschleichenden A cappella der Hookline verheißen nichts Gutes. Furchterregend wird es dann so richtig, als der Sänger und die Band erscheinen und mit einem fulminanten Opener brutal in den Song einsteigen. Die gewollt, aber nicht gekonnte Choreografie sowie die Spitze des schlechten Modegeschmacks samt dazugehöriger 80ies-Frisuren, getragen von der Pseudo-Rock’n’Roll getränkten Attitüde, runden die Unerträglichkeit des Oeuvres konsequent ab.

Opus – Live Is Life (1984)

Reduzierte Song-Rhetorik, die selbst jedes Baby drauf hat, gepaart mit epochaler Stadion-Rock-Atmosphäre: Das ist die quälende Quintessenz von „Live Is Life“ der österreichischen Band Opus. Ein Lied, dass immer wieder verlässlich für Ekel-Garantie mit Gänsehaut-Effekt sorgt. Selbst Schöntrinken funktioniert bei diesem Stück mieser Musikgeschichte nicht.

Oder doch? Denn Thomas de Maizière wählte den Song glatt als musikalische Begleitung zum großen Zapfenstreich anlässlich seiner Verabschiedung als Bundesverteidigungsminister am 8. Januar 2014. Das Stabsmusikkorps der Bundeswehr konnte einem wirklich leid tun.

Bruce & Bongo – Geil (1986)

Dabei hätte es für die Combo der Bundeswehr durchaus noch viel schlimmer kommen können: Stellt Euch vor, sie hätten „Geil“ von Bruce & Bongo“ einspielen müssen! Im April 1986 erreichte die anstößige und einfach angelegte Spaßnummer Platz 1 der deutschen und österreichischen Single-Charts. Das Stück befand sich allerdings auch kurzzeitig auf der Liste der jugendgefährdenden Medien. Und um ehrlich zu sein: Das Video grenzt auch schon an Körperverletzung.

Der Erfolg des Songs war auch dem Zeitgeist geschuldet. „Geil“ war noch nicht wie heute in aller Munde. Auf Schulhöfen allerdings schon. Und so manch einem Jugendlichen, dem der Begeisterungs-Ausruf vor seinen Eltern oder gar Großeltern heraushuschte, bekam ordentlich Meister Propper verabreicht. Aber Hopfen und Malz waren eh schon längst verloren, der Einzug von „geil“ in der Umgangssprache war nicht mehr aufzuhalten.

Mehr Schund auf Seite 2

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