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Kinderbuchverfilmung: "Die kleine Hexe": Auf dem Besen zum Blocksberg

Von Unter der Regie von Michael Schaerer muss die junge Zauberin alle 7892 Zaubersprüche erlernen. Rabe Abraxas, gekrächzt von Axel Prahl, hilft dabei.
Die kleine Hexe (Karoline Herfurth) hat alles, was eine Zauberin braucht: ein Hexenhäuschen, einen Hexenbesen, einen Raben mit Namen Abraxas und natürlich die richtigen Hexenkräuter. Foto: Walter Wehner (Studiocanal GmbH / Claussen+Putz) Die kleine Hexe (Karoline Herfurth) hat alles, was eine Zauberin braucht: ein Hexenhäuschen, einen Hexenbesen, einen Raben mit Namen Abraxas und natürlich die richtigen Hexenkräuter.

Manche Menschen wollen 100 Jahre alt werden. Aber 127? Das wird auch Greisen als unerreichbares Alter erscheinen. Eine echte Hexe befindet sich allerdings mit 127 noch in ihrer Jugend. So unbeschwert, wie die kleine Hexe (Karoline Herfurth) in ihrem Häuschen im Wald lebt, ist sie auch. Als aber die Walpurgisnacht näher kommt, wird sie mürrisch. Schließlich ist sie noch viel zu jung, um an dem wichtigsten Treffen des Jahres teilnehmen zu dürfen. Gegen den Rat ihres Raben-Freundes Abraxas (Stimme Axel Prahl) fliegt die Zauberin auf ihrem Besen dennoch zum Blocksberg, um mit den anderen Hexen zu tanzen. Dummerweise wird sie dort von ihrer Tante, der hinterlistigen Wetterhexe Rumpumpel (Suzanne von Borsody), entdeckt.

Häuschen im Wald

Zunächst droht der kleinen Hexe der Ausschluss aus der Hexengemeinschaft. Dann entscheidet sich die Oberhexe (Therese Affolter) aber für eine mildere Strafe. Bis zur nächsten Walpurgisnacht muss die kleine Hexe alle 7892 Zaubersprüche aus dem dicken Zauberbuch auswendig lernen. Wenn sie danach ihr Handwerk als böse Zauberin beherrscht, darf sie auf dem Blocksberg feiern. So verzieht sich die kleine Hexe in ihr Häuschen und paukt die Sprüche. Nicht nur, dass dies mitunter anstrengend ist, macht ihr zu schaffen. Auch beginnt sie Freude daran zu haben, mit ihrem Talent Gutes zu tun. Dies wird von den Hexen nicht gern gesehen. Sie sehen ihre Bestimmung darin, möglichst viel Unheil über die Menschen zu bringen.

Wunderbar altmodisch

Otfried Preußler (1923–2013) hat in seinem Leben 32 Kinder- und Jugendbücher geschrieben. Die bekanntesten sind „Der Räuber Hotzenplotz“, „Krabat“ und eben „Die kleine Hexe“. Zwar gibt es aus internationaler Produktion schon Marionettenfilme, Zeichentrickfilme und Realfilme zur „Kleinen Hexe“, aber erst jetzt, 60 Jahre nach Erscheinen des Buches, kommt eine deutsche Verfilmung in die Kinos. Dabei hat der Drehbuchautor Matthias Pracht die Handlung sehr eng mit der Literaturvorlage verknüpft. Hier und dort hat er zwar die Geschichte gekürzt. Dennoch ist ihr ursprünglicher Charme gut erhalten geblieben.

Ganz in diesem Sinne wirkt auch die Inszenierung des Regisseurs Michael Schaerer positiv wie aus der Zeit gefallen. Nichts ist hier unangemessen modernisiert oder überdramatisiert. Matthias Pracht und Michael Schaerer geben der kleinen Hexe zunächst viel Gelegenheit, ihre Zeit in ihrem Hexenhaus zu verbringen. Meist ist Rabe Abraxas das einzige Lebewesen, mit dem sie ihre Gedanken austauscht. Das wirkt zwar unspektakulär. Aber dafür wird der kindliche Zuschauer nicht gehetzt. Er kann sich in Ruhe die wunderlichen Gegenstände des ungemein liebevoll ausgestatteten Hexenhäuschens anschauen. Überhaupt wird in diesem Kinderfilm sehr viel Sorgfalt auf die märchenhafte Gestaltung der Welt gelegt, in der die kleine Hexe lebt. So wirkt nicht nur ihr Zuhause von Innen und Außen sehr reizvoll. Auch bei den Kostümen und der Maske wurde nicht an Fantasie gespart. Hier gibt es viele feine Details zu entdecken, die man im modernen Hollywood-Kino oft vermisst.

„Die kleine Hexe“ ist also im besten Sinne altmodisch. Was auch bedeutet, dass an den Filmbildern sehr wenig mit dem Computer manipuliert wurde. Selbst der Rabe Abraxas ist ein Animatronic, also eine Art Puppe, die mechanisch bewegt wird. Und ja, man hört, wie viel Spaß es Axel Prahl macht, einem Tier seine Stimme zu leihen, das liebend gerne gute Ratschläge gibt.

Der größte Trumpf, den diese gelungene Literaturverfilmung jedoch ausspielt, ist Karoline Herfurth. Sie verkörpert mit ungemein kraftvoller Natürlichkeit die ebenso junge wie eigensinnige Frau, die langsam daran zweifelt, ob es wirklich so erstrebenswert ist, eine böse Hexe zu werden. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Berger, Cinestar, E-Kinos, Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach:
Cinemaxx. Hanau: Kinopolis.
Mainz: Cinestar

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