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Kino-Kritik: "Florence Foster Jenkins": Die schlechteste Sopranistin der Welt tritt auf

Von Stephen Frears porträtiert die Sängerin Florence Foster Jenkins, die dank ihres Reichtums in den 40er Jahren auch ohne Talent groß auftreten durfte.
Wenn Florence (Meryl Streep) zu singen anfängt, graust es ihre Zuhörer. Doch weil die Unbegabte so reich ist, erhält sie Beifall. Foto: Constantin Film (Constantin Film) Wenn Florence (Meryl Streep) zu singen anfängt, graust es ihre Zuhörer. Doch weil die Unbegabte so reich ist, erhält sie Beifall.

Dass Meryl Streep wirklich gut singen kann, durfte sie in dem Musicalfilm „Mamma Mia!“ unter Beweis stellen. In Stephen Frears’ „Florence Foster Jenkins“ zeigt sie nun, dass sie auch richtig falsch singen kann. Opernarien zu trällern, ohne auch nur einen Ton richtig zu treffen, ist eine Kunst, die Florence Foster Jenkins (1868–1944) wie keine andere beherrschte, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Viele Menschen singen falsch, aber Mrs. Jenkins tat es nicht zu Hause in der Badewanne, sondern in Musiksalons, die sie veranstaltete. Und 1944, im Alter von 76 Jahren, trat sie sogar in der New Yorker „Carnegie Hall“ auf. Nachdem Xavier Giannolis Kinowerk „Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“ diese Geschichte erst unlängst ins Frankreich der 20er Jahre transportiert hat, bemüht sich Stephen Frears („The Queen“) nun um ein etwas realistischeres Bild der schlechtesten Sopranstin der Welt.

Töne bleiben schief

Dass Jenkins (Streep) völlig talentfrei Popularität erringen kann, verdankt sie ihrem Familienvermögen und ihrem zweiten Ehemann St. Clair Bayfield (Hugh Grant). Der sorgt dafür, dass bei den Konzerten nur Wohlgesonnene im Publikum sitzen, und zahlt den anwesenden Journalisten Bestechungsgelder, damit sie der unbegabten Künstlerin gute Kritiken schreiben. Eine dicke Mauer des Wohlwollens bildet er um Florences Selbsttäuschung. In kleinem Kreis werden die Konzerte zu exzentrischen Happenings, bei denen nur gelegentlich Lachanfälle zu hören sind. Schließlich ist die Frau auf der Bühne eine äußerst großzügige Förderin der Musik und hilft sogar einem Arturo Toscanini bei seiner neuesten Produktion finanziell. Aber dann hat Jenkins im patriotischen Rausch des Zweiten Weltkriegs die Idee, ein großes Benefizkonzert in der „Carnegie Hall“ zu geben, wo Bayfield das Publikum nicht mehr vorsortieren kann und sich die Falschsängerin der Wirklichkeit stellen muss.

Wenn es um die würdevolle Darstellung älterer Damen geht, ist der britische Regisseur Stephen Frears ein Mann vom Fach. In „Philomena“ erkundete er mit Judi Dench den Alzheimer-Nebel aus Erinnern und Vergessen. Mit „The Queen“ führte er nicht nur Helen Mirren zu schauspielerischen Gipfeln, sondern verhalf auch einer Royality-Persönlichkeit wie Elisabeth II. zu einem Image nahbarer Menschlichkeit. In „Florence Foster Jenkins“ geht Frears in seiner Gratwanderung noch einen Schritt weiter. Im Grunde ist es ja die Lächerlichkeit, die die Attraktivität der Figur ausmacht. Aber Frears verrät auch diese alte Dame nicht an komödiantische Klischees. Vielmehr zeigt er mit Humor und Verbindlichkeit eine Frau, die in der Selbstillusionierung ihr Lebensglück findet.

Wunderbares Paar

Meryl Streep und Hugh Grant geben in diesem durch und durch gutmütigen Film ein wunderbar ungleiches platonisches Paar ab. Die eigentliche Entdeckung des Filmes ist jedoch der fabelhafte Simon Helberg als Pianist, in dessen facettenreicher Mimik sich die ganze Gefühlsbreite von Fassungslosigkeit, Belustigung und Faszination widerspiegelt, die Florence Foster Jenkins’ musikalische Darbietungen freisetzen.

 

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