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Oper: Diese Inszenierung von Benjamin Brittens „Billy Budd“ muss man sehen

Von Richard Jones’ zehn Jahre alte Inszenierung von „Billy Budd“, einer Oper von Benjamin Britten, kehrt auf die Frankfurter Bühne zurück. Ein Muss für Opernfreunde – in überragender Besetzung.
Billy Budds Leben ist in Gefahr. Foto: © Barbara Aumüller (© Barbara Aumüller) Billy Budds Leben ist in Gefahr.
Frankfurt. 

Der Komponist: ein Mann. Benjamin Britten. Die Librettisten: Männer, der Stoff von Herman Melville, einem Mann. Die Titelfigur: Billy Budd, ein Mann. Wie auch die sechzehn weiteren Rollen: Männer. Der Regisseur, Richard Jones (der die Oper vor über zehn Jahren auf die Frankfurter Bühne gebracht hat): ein Mann. Genauso der Dirigent (Erik Nielsen) und der Bühnen- und Kostümbildner Antony McDonald. Noch nicht ganz aus den Köpfen ist die von genderpolitischen Besorgnisträgerinnen angezettelte Diskussion um die Dominanz von Männern auf unseren Bühnen. Denn eine Verherrlichung des Männlichen ist dieses meisterhafte, 1964 in London uraufgeführte Werk keineswegs, im Gegenteil.

Die auf einer Kriegsfregatte (Ende des 18. Jahrhunderts) eingepferchte Männerwelt hat massive Probleme mit Begriffen wie Disziplin, Ehre, Gewalt und Rangordnungen. Kaum Platz bleibt hier für menschliche Regungen oder gar Ideale und Utopien wie die Menschenrechte. Budd, jugendlicher Sympathieträger auf dem Weg vom Leichtmatrosen zum Obermaat, fällt allein einem Verdacht zum Opfer, weil er zuvor auf einem Schiff gedient hatte, das auf den Namen „Rights o’ Man“ hörte!

Jones’ zeitlose Inszenierung – sie zeigt eine Art Turnhalle mit engen Nebenräumen im Schiffsrumpf – orientiert sich, wie Brittens Musik, an der Tragödie des Menschen (und Menschlichen). Wie hoffnungsvoll stimmt der Moment, als Budd (überragend gesungen und gespielt von Björn Bürger) dem Kapitän Vere (mit feinsinnigem, Nachdenklichkeit verratenden Tenor: Michael McCown) entgegentritt, um in loyalster Weise über seine vermeintlich glänzende Zukunft zu reden.

Wie ernüchternd, als er vom Kapitän mit Vorwürfen des Verrats konfrontiert wird und den Schiffswachtmeister Claggart (finsterer, verschlagener als Thomas Faulkner kann man ihn kaum singen) niederschlägt, weil dem Stotterer die Sprache zur Verteidigung versagt. Wie beklemmend (und berührend), wenn Budd in einem engen Spind auf seine Hinrichtung wartet. Der redliche alte Seemann Dansker (Alfred Reiter), der Budd vergeblich vor Claggarts Intrigen gewarnt hatte, reicht ihm mitleidig Kaffee und Zwieback. Auch musikalisch bleiben keine Wünsche offen. Die Ruhe vor dem Sturm? Oder doch Aussicht auf eine bessere Welt? Man muss das Stück in dieser Inszenierung gesehen haben!

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