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Produktgestalterin: „Dinge sollen nützlich sein und erfreuen“

Lore Kramer im Jahr 1956. Lore Kramer im Jahr 1956.

Frau Kramer, warum fühlen Sie sich „wie ein Mammut im Eis“? Und
warum sagen Sie: „Ich konnte ohne Keramik nicht leben“?

LORE KRAMER: Na, ich bin wiederentdeckt worden. In meinen kühnsten Träumen habe ich nicht erwartet, meine Sachen in diesem schönen Richard-Meier-Bau zu zeigen. Und zum Zweiten: Wenn eine Stufe im Leben endete, dachte ich immer, nun geht’s gar nicht mehr weiter: ohne Bildhauerei, dann ohne Keramik, ohne Keramikgeschichte, ohne Studenten. Vor allem nicht ohne meinen Mann Ferdinand Kramer. Aber es ging immer weiter.

Auffällig ist der transparente Glanz Ihrer Glasuren. Wie wichtig sind Ihnen Glanz und Farbe?

KRAMER: Sehr wichtig. Die Dinge sollen nützlich sein und erfreuen, „prodesse et delectare“: durch variable Handhabung, klare wohlproportionierte Formen, heitere Farben. Während der Ausbildung in Hamburg waren die Farben noch sehr düster.

Wie stark ist der Bauhaus-Einfluss bei Ihnen?

KRAMER: Der kam an der Landeskunstschule Hamburg und später durch meinen Mann. Er verließ das Bauhaus zwar nach drei Monaten im Protest, aber es gibt die schöne Geschichte, dass der Gründer, Walter Gropius, ihm einen langen handgeschriebenen Brief nachschickte.

Zugleich greifen Sie Vorbilder der weltweiten Keramik aus 4000 Jahren auf . . .

KRAMER: Ich ging mit meinen Studenten immer in Museen, damit sie einen weiten Blick auf das bekommen, was geht. Im MAK, damals Museum für Kunstgewerbe, stellten Peter W. Meister und Anneliese Ohm uns Geschirre der Jahrhunderte zur Verfügung, die wir uns genau ansahen: Wie greift sich die Tasse, wie ist der Henkel, wie gießt die Kanne durch ihre Tülle? Dazu Exkursionen: London, Paris. Ich hielt es als Studentin 1950 ähnlich, als ich im Louvre vier Wochen lang die Vasen und Keramiken aus Susa zeichnete. Ein alter Wärter, wohl Veteran, spürte meine Leidenschaft und schloss mir die Vitrine auf: „Voilà, comme une plume.“ Leicht wie eine Flaumfeder war das Gefäß mit seinen Drehrillen.

Wie war die Ehe mit einem 27 Jahre älteren Mann?

KRAMER: Er war voller Einfälle, Witz und Charme. Ich empfand ihn nie als alt. Ich hatte so viel Glück: meine große Liebe bekommen, ein Beruf, der Spaß macht – und die Weichen stellten andere. Die erste Begegnung mit Ferdi war im kalten Frühjahr 1947, als Willi Baumeister einen Emigranten im Dufflecoat von Klasse zu Klasse führte und euphorisch rühmte. Kramer lächelte verlegen, jeder dachte bei sich: Am liebsten gingen wir mit nach New York. Umso größer die Überraschung, als Gerhard Marcks mir nach dem Studium sagte: „In Frankfurt gehen Sie unter, hier haben Sie drei Adressen“. Die dritte war: Bauamt Ferdinand Kramer.

Ihr Mann soll historisierendes Bauen als „Schnapsidee“ bezeichnet haben. Was sagen Sie zur „neuen“ Frankfurter Altstadt?

KRAMER: Er lehnte nicht generell ab, Altes wiederherzurichten. Zum Beispiel war er glücklich, das Theater Hanau-Wilhelmsbad aufzubauen, das im Dornröschenschlaf lag.

ANNA SUESS (eine Kramer-Tochter): Mein Vater hätte nicht gutgeheißen, dass die Altstadt wiederaufgebaut wird. Er war ja auch gegen den Wiederaufbau des Goethehauses. Zuckerbäckerei, wie er sagte.

KRAMER: Er mochte nur keine Theaterkulissen, oder Potemkinsche Dörfer. Ich kann aber nichts dazu sagen, ich bin schwer gestürzt und hab’ die Altstadt noch gar nicht gesehen. dek

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