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Weltkatzentag: Dokumentation „Kedi – Von Katzen und Menschen“ im Kino

Die türkische Regisseurin Ceyda Torun ist in Istanbul den Samtpfoten durch die Straßen gefolgt und hat sie dabei gefilmt. Viele Tiere haben ihre Tagesroutine.
Katzen in Istanbul sind die Hauptdarsteller in der Dokumentation „Kedi – Von Katzen und Menschen“. Katzen in Istanbul sind die Hauptdarsteller in der Dokumentation „Kedi – Von Katzen und Menschen“.

Katzenbilder gehören zu den beliebtesten Zeitungsfotos überhaupt, und Katzenvideos garantieren auch in den sozialen Netzwerken stets beste Quoten. Nun sollen die Samtpfoten obendrein ins Kino kommen, nicht als Darsteller eines Katzenkrimis, wie einst in „Felidae“, sondern in einer Dokumentation. In „Kedi – Von Katzen und Menschen“ folgt die Kamera sieben verschiedenen Katzen durch Istanbul. Es handelt sich dabei nicht um Stubentiger, sondern um Straßentiere, schließlich gilt die türkische Hauptstadt als Metropole der schnurrenden Streuner. Regie führt die in Istanbul geborene, mittlerweile in den USA lebende türkische Regisseurin Ceyda Torun. Passend zum Weltkatzentag am 8. August kommt die Doku in die Kinos. Mit der Filmemacherin unterhielt sich Dieter Oßwald.

Filmemacherin Ceyda Torun wurde in Istanbul geboren und lebt heute in den USA. Bild-Zoom
Filmemacherin Ceyda Torun wurde in Istanbul geboren und lebt heute in den USA.

Frau Torun, kennen Sie nicht die Warnung von W.C. Fields, wonach man niemals mit Kindern oder Tieren drehen sollte?

CEYDA TORUN: Die Warnung ist mir natürlich bekannt. Allerdings haben wir ja keinen Spielfilm gedreht, in denen die Katzen etwas nach unseren Anweisungen machen sollten, sondern es handelt sich um eine Dokumentation über Tiere. Das ist eine ganz andere Art des Arbeitens.

Wie viel Katzenminze haben Sie benötigt, um Ihre Protagonisten vor die Kamera zu bekommen?

TORUN: Wir haben das nie benötigt. Wir hatten von Anfang an ein klares Konzept, wie wir den Katzen begegnen. Wenn sie weglaufen, haben wir gar nicht erst versucht, sie zu filmen. Wir haben nach Katzen gesucht, die keine Scheu vor der Kamera haben und sich bei uns wohlfühlten. Unsere Probleme bestanden eher darin, dass die Katzen gerne versuchten, sich auf meinen Schoß zu setzen. Dass sie ihren Kopf an der Kamera gerieben haben. Oder einfach sehr lange nur dasaßen und sich ableckten.

Wie haben Sie sie dann zur Action angeregt?

TORUN: Zum Glück sind Straßenkatzen ständig aktiv und machen selten eine Pause. Zudem sind es Tiere, deren Tagesabläufe meist einer Routine folgen. Viele Dinge wiederholen sich bei ihnen, darauf kann man setzen.

Selbst die wilde, „Psikopat“ genannte Katze gab sich zutraulich?

TORUN: Zu mir war Psikopat immer freundlich, die weibliche Energie gefiel ihr offensichtlich gut. Weniger entspannt war ihr Verhältnis zu unserem Kameramann. Doch das konnten wir sehr schön für eine Szene nutzen, in der sie von einem Tisch mit ihren Tatzen einmal nach ihm schlägt. Die meiste Zeit hat sich Psikopat um uns allerdings kaum gekümmert.

Wie kam es zu diesen Namen wie „Psikopat“, „Gentleman“ oder „Schmetterling“? Stammen die von den Bewohnern, oder sind das Ihre Erfindungen?

TORUN: Unser Verleih in Amerika wollte, dass wir den Katzen diese Spitznamen geben. Die türkischen Namen, mit denen die Katzen von den Bewohnern gerufen werden, hätten einfach zu fremdartig geklungen. Die einzige Katze ohne Namen ist jene, die als Rattenfängerin im Fischlokal zu erleben ist.

Die Straßenkatzen in Istanbul haben demnach alle einen Namen?

TORUN: Es ist durchaus üblich, dass Bewohner einer Katze, der sie sich verbunden fühlen, einen Namen geben. Wobei der nicht einheitlich ausfällt, sondern jeder nennt sein Tier so, wie er es eben passend findet. Zu meiner Kindheit war das noch viel mehr verbreitet, heute werden die Katzen oft einfach nur „Kedi“ gerufen.

Es fällt auf, dass Sie den Menschen in Ihrem Film keine Namen geben. Soll das die Priorität verdeutlichen?

TORUN: Absolut. Es ging uns nicht darum, wer diese Menschen sind, sondern vielmehr, wie ihr Verhältnis zu den Katzen aussieht.

Haben Sie eine Theorie, weshalb Katzenbilder so beliebt sind und im Internet millionenfach angeklickt werden?

TORUN: Zunächst entsprechen diese kurzen Clips im Internet unseren aktuellen Sehgewohnheiten: Niemand hat Zeit, sich lange Dinge anzuschauen. Hinzu kommt, dass jeder weiß, dass sich Katzen im Unterschied zu Hunden nicht dressieren lassen, sondern völlig unabhängig sind. Zudem haben Katzen dieses niedliche Gesicht mit kleinen Nasen und eindrucksvollen Augen, was die meisten Menschen ausgesprochen attraktiv finden. Last not least geht von diesen Tiere keine Bedrohung für uns aus, weil sie ziemlich klein sind.

Was erhoffen Sie sich beim Publikum?

TORUN: Ich hoffe, dass der Film sich für den Zuschauer anfühlt, als hätte sich gerade eine schnurrende Katze auf seinen Schoß gekuschelt. Während man ihr sanft über den Rücken streichelt, wird man gezwungen, über Dinge nachzudenken – einfach weil man sich nicht bewegen kann, ohne diese Weichheit und Wärme zu verlieren.

Kedi – Von Katzen und Menschen

Vom 10. August an in den Kinos

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