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Glosse zu Dylans Literatur-Nobelpreis: Donnerwetter!

Bob Dylan auf der Bühne. Foto: Domenech Castello (EFE) Bob Dylan auf der Bühne.
Frankfurt. 

Also, das war ja jetzt eine Überraschung! Bob Dylan – Donnerwetter! Es war auch wirklich schon nicht mehr auszuhalten! Seit Tagen liefen die Literatur-Nobelpreisjunkies und Fans der Schwedischen Akademie vor ihren Bücherregalen auf und ab: Wer wird es werden, wer wird es nur werden? A wie Jussi Adler-Olsen oder Paul Auster? Geht nicht, A war schon vergangenes Jahr: Stwetlana Alexijewitsch. Z vielleicht? Da gibt’s nicht so viele. Carlos Ruiz Zafón zum Beispiel. Hat den Bestseller „Schatten des Windes“ geschrieben, der selbst Joschka Fischer gefiel. Zzzz. Zeh! Ja, Juli Zeh! Das könnte was sein. „Unterleuten“, starkes Buch, Bestseller bei uns! Berliner Mittelstand nimmt Reißaus in die Provinz, wirft sich für die regionale Fauna in die Bresche und torpediert die Pläne für einen Windenergie-Park. So ungefähr. Tolles Thema. Aber doch ein bisschen sehr deutsch. Ist das was fürs internationale Publikum von China bis Bonaire in der Karibik? Eher nicht. Und D? Wie Arne Dahl? Arbeitet ja selbst für die Akademie. Tja. Ratlosigkeit. Bis gestern, 13 Uhr.

„Poetische Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Song-Tradition“: Bob Dylan.
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„The Times They Are A-Changin“: Als erster Musiker überhaupt erhält der Sänger und Song-Schreiber Bob Dylan (75) den Literatur-Nobelpreis. Wegen seiner hintergründigen Liedtexte galt der Amerikaner schon lange als preiswürdig.

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Dylan! Bob Dylan! Hurra! Ein Homer, Baudelaire, Rimbaud und was nicht alles des 20. Jahrhunderts, der sich auf die Dichter der römischen Kaiserzeit ebenso versteht wie auf mittelalterliche Mysterienspiele, Shakespeare oder Brecht! Jeder kennt Dylan! Oder hat wenigstens was von ihm im Plattenschrank. Oder in der Cloud. Rebell, populärer Außenseiter, Weltverbesserer, Moralist, Anti-Trump, ein Judas und Poet mit metallisch knarzender Sistrumstimme. Seit 20 Jahren wird von Stockholm die innovative Entscheidung für den unablässig on the road befindlichen Folkrock-Gesamtkunstwerker und Alles-Beeinflusser gefordert. Wäre er nicht gerade 75 geworden, man hätte es freilich fast vergessen. Aber er lebt noch! Irgendwann wird Dylan auf seiner ewigen Welttournee auch wieder in Gießen vorbeikommen. Deshalb ist es gut, dass er jetzt schon den Nobelpreis erhält, bevor wir 25 Jahre Dylan-muss-ihn-kriegen feiern. Dylan! Donnerwetter! Das kam so überraschend, dass sogar Denis Scheck der Humor verließ – und wir, auweia!, nach 20 Jahren wieder Dylan hören müssen. Musste das sein?!
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