Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 19°C

Du kannst nicht immer 17 sein

Von Bei ihrem Auftritt im ausverkauften Frankfurter „Gibson“ spielte die Hamburger Rockband „Selig“ neue Songs, die vor allem an die alten erinnerten.
Nostalgisch gut in Form: »Selig«-Sänger Jan Plewka. Foto: Sajak Nostalgisch gut in Form: »Selig«-Sänger Jan Plewka. Foto: Sajak

"Dies hier ist kein Nachruf und kein Hilfeschrei, dies ist auch nicht die Suche nach der guten alten Zeit", versichert Jan Plewka im Song "Danke". Das ist verständlich. Welcher Künstler gibt schon zu, dass früher alles besser war? Und doch wirkt das bestens besuchte Konzert von Plewkas Band "Selig", entgegen allen Beteuerungen, äußerst nostalgisch.

Das liegt zunächst daran, dass die Hamburger seit ihrer Neugründung vor fünf Jahren mit teils hartem, oft groovendem und stets melodischem Rock dort weitermachen, wo sie 1999 aufgehört haben. Jüngere Titel erinnern so zwangsläufig an das Frühwerk der Gruppe, das einem rückblickend womöglich bedeutender erscheint, als es eigentlich ist.

Zwar verleihen ihm markante Nummern wie "Mädchen auf dem Dach" oder "Arsch einer Göttin" nach wie vor Gewicht. In Erinnerung geblieben sind diese Titel jedoch nicht zuletzt deshalb, weil sie damals trotz eines eher konservativen Stils progressiv wirkten. Schließlich galt es Mitte der 90er nicht gerade als cool, Rockmusik mit deutschen Texten zu machen.

Kommerziell erfolgreich waren "Selig", die geradlinige Alternative zur sogenannten Hamburger Schule, trotzdem. Ein Fundament, auf dem das 1992 gegründete Quintett aufbauen kann: Die drei Platten, die es nach seiner Rückkehr veröffentlichte, verkauften sich noch besser als die früheren. Trotzdem scheint sich die Band im "Gibson" "Die alte Zeit zurück" zu wünschen. Zu sehr kommen die Songs, die live wesentlich mehr Druck haben als auf LP, wie ein Selbstzitat daher. Da ist es nur konsequent, dass sich "Selig" nach rund 90 Minuten Spielzeit, in denen überwiegend neue Titel auf dem Programm stehen, ihren Klassikern zuwenden. Plewka, der zuvor Bemühen erkennen, doch Elan vermissen ließ, läuft bei Songs wie "Sie hat geschrien", "Wenn ich wollte" und dem sich aufbäumenden "Bruderlos" zu großer Form auf. Das Publikum goutiert jene Songs lautstark, die auf dem 1994 erschienenen Debütalbum und dem Nachfolger "Hier" (1996) zu finden sind.

Prägend agiert dabei einmal mehr Christian Neander mit einem muskulösen, vom Bluesrock der 60er infizierten Gitarrenspiel. Seine grob verzerrten Riffs erden die Stücke, während die Soli, für die ihm Schlagzeuger Stephan Eggert, Bassist Lenard Schmidthals und der agile Malte Neumann an den Keyboards immer wieder angemessen Raum gewähren, viele Lieder in höhere Sphären entrücken und Plewkas zuweilen flache Texte vergessen lassen. Die psychedelisch-schillernden Projektionen im Rücken der Band, passend zum aktuellen Album "Magma", harmonieren damit bestens und lassen sich als weiteres nostalgisches Statement verstehen. Plewka klingt daher nur milde ironisch, wenn er sich gegen Ende des soliden zweistündigen Auftritts beim Publikum rückversichert: "Sind wir alle wieder 17?"

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse