Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

„Blade Runner 2049“: Düstere Zukunft liegt über Los Angeles

Von Regisseur Denis Villeneuve hat ein weiteres Meisterwerk des neuen Film noir geschaffen. Die Handlung passt sich ins erlesene futuristische Setting ein.
Das Los Angeles des Jahres 2049 ist verwüstet und verregnet. Der Polizeibeamte K (Ryan Gosling) ist selbst zum Replikanten geworden, obwohl er die künstlichen Menschen aufspüren und unschädlich machen soll. Foto: - (Sony Pictures Releasing GmbH) Das Los Angeles des Jahres 2049 ist verwüstet und verregnet. Der Polizeibeamte K (Ryan Gosling) ist selbst zum Replikanten geworden, obwohl er die künstlichen Menschen aufspüren und unschädlich machen soll.

Gerade einmal zwei Kalenderjahre sind wir von dem Zeitpunkt der Zukunftsvision entfernt, die Ridley Scott in seinem Science-Fiction-Film „Blade Runner“ 1982 entworfen hat. Auch wenn sich glücklicherweise nur wenig von der düsteren Fantasie in der gegenwärtigen Welt bewahrheitet hat und die menschliche Existenz in keiner Konkurrenz zu künstlichen Replikanten steht, Autos noch nicht fliegen können und die Regenwahrscheinlichkeit in Los Angeles weiterhin sehr gering ist: Auf der Leinwand hat Scotts frühes Neo-Noir-Meisterwerk nichts an Wirkung verloren. Dabei war „Blade Runner“ bei seinem Start ein Flop an den Kinokassen. Erst im Laufe mehrerer Neustarts mit verschiedenen Schnittfassungen, vom „Director’s Cut“ bis zum „Final Cut“, entwickelte der Film jenen Kultstatus, den er heute genießt. Viele der pessimistischen Zukunftsvorstellungen, die in den vergangenen 30 Jahren aus Hollywood kamen, wären ohne „Blade Runner“ nicht denkbar.

Solarfelder vor der Stadt

Wenn nun Denis Villeneuve mit „Blade Runner 2049“ in Ridley Scotts Fußstapfen tritt, sind die Erwartungen gewaltig. Der frankokanadische Regisseur kommt vom politischen Kunstkino („Die Frau, die singt“) und hat sich mit Genrewerken wie „Prisoners“, „Sicario“ und dem brillanten Alien-Film „Arrival“ zum Vertreter eines höchst anspruchsvollen und dennoch eingängigen Kinos entwickelt, wie man es nur noch von dem britischen Kollegen Christopher Nolan kennt. Und so ist es keine Überraschung, dass sich Villeneuves „Blade Runner 2049“ als würdiges Nachfolgewerk erweist, das seiner Vorlage mit Liebe und Respekt begegnet, aber inhaltlich wie künstlerisch eigenständig ist.

Die Zukunft des Jahres 2049 sieht hier noch um einiges düsterer aus: Riesige Solarfelder erstrecken sich in verwüsteten Landschaften bis zum Horizont. Die Stadt San Diego im Süden Kaliforniens wurde in eine riesige Müllkippe verwandelt, und das dauerverregnete Los Angeles schützt sich mit hohen Mauern gegen die heranbrandenden Meeresfluten. Hier verrichtet K (Ryan Gosling) seinen Dienst als Polizist beim LAPD. Genau wie seinerzeit Harrison Fords Deckard (der nun als Nebenfigur auftritt) ist auch er ein Blade Runner, der menschenähnliche Replikanten einer frühen Serie mit unbegrenzter Lebenszeit aufspürt und gewaltsam in den „Ruhestand“ versetzt.

Was bei Deckard im Ungewissen blieb und unter Fans zu Glaubenskriegen führte, ist im Falle von K sofort Gewissheit: Der versierte Jäger ist selbst ein Replikant. „Ihr neuen Modelle reißt euch um die Drecksarbeit, weil ihr noch nie ein Wunder gesehen habt“, sagt ein Replikant alter Schule vor dem Ableben zu dem polizeilichen Vollstrecker. Reste eines solchen Wunders finden sich in einer Kiste 30 Meter unter der Erde: Das Skelett eines weiblichen Replikanten trägt deutliche Gebärspuren. Dass diese Wesen sich selbst fortpflanzen und nicht auf die schöpferische Hochtechnologie der Menschen angewiesen sind, ist für die rigide Polizeichefin Joshi (Robin Wright) ein nicht akzeptabler Entwicklungsfortschritt. „Unsere Gesellschaft gründet darauf, dass es eine Mauer zwischen den Spezies gibt. Wenn man einer Seite sagt, dass es diese Mauer nicht gibt, führt das zum Krieg“, sagt sie und klingt dabei ein wenig wie die Abschottungspolitiker unserer Gegenwart.

Suche nach dem Kind

K wird beauftragt, das geborene Kind zu finden und zu eliminieren. Seine Ermittlungsarbeit führt ihn nicht nur weit hinaus in die verwüsteten Gebiete jenseits der Stadtmauer, sondern vor allem in die unbestimmten Zonen der eigenen Identität, wo sich werksimplantierte Erinnerungen als mögliche Wirklichkeit erweisen, die Gefühle für die Hologramm-Gefährtin Joi (Ana de Armas) eine unbekannte Intensität erreichen und die eigene Existenz zum Spielball der schöpferischen Machtfantasien eines High-Tech-Giganten (Jared Leto) wird. Wie jeder echte Held ist auch K auf der Suche nach sich selbst, forscht nach der Seele im Replikanten. Und wie Scotts „Blade-Runner“-Film erzählt sich auch das späte Nachfolgewerk nicht über die Aneinanderreihung von Ereignissen, sondern über eine Stimmung, die vieles nur andeuten und nicht alles in Worten erklären will. Meisterhaft bauen Villeneuve und Kameramann Roger Deakins ihre Denkräume in die futuristischen Settings ein. „Blade Runner 2049“ ist mit Abstand der bestaussehende Science-Fiction-Film seit vielen Jahren. Über zweieinhalb Stunden hinweg schafft er ohne Qualitätsverluste Bilder von düsterer, atemberaubender Schönheit mit nachhaltiger Wirkung. Herausragend

 

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse