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Mundart-Komödie „Der Anecker“ in Frankfurt: Eifersüchtiger Schuster gibt keine Ruhe

Von August Lähns Mundart-Komödie „Der Anecker“, gespielt vom Volkstheater Hessen, hatte Premiere in der Katakombe im Kulturhaus Frankfurt.
Passen wunderbar ins 50er-Jahre-Ambiente der Frankfurter Inszenierung: Katharina Veciana und Andreas Walther-Schroth. Passen wunderbar ins 50er-Jahre-Ambiente der Frankfurter Inszenierung: Katharina Veciana und Andreas Walther-Schroth.
Frankfurt. 

Ob der norddeutsche Autor (Jahrgang 1867) wusste, als er 1940 seine Gesellschaftskomödie schrieb, dass er seiner Titelfigur semantisch eine gewaltige Last zugedacht hatte? Als Anecker bezeichnet man im Hochdeutschen auch einen Aufrührer, einen Querulanten, der nie Ruhe gibt. „Meister Anecker“ (Originaltitel) ist von Beruf Schustermeister und per se ein gemütlicher Zeitgenosse, doch der hier Agierende das Gegenteil: stets mürrisch, stets keifend. Jochen Nötzelmann als Anecker gibt sich echauffiert und unversöhnlich, vermutet er doch, dass Bürgermeister Heinrich Wedekamp (Tim Grothe mit der notwendigen Resolutheit) ein Auge auf seine Frau geworfen hat. Unbegründete Eifersucht: ein Motiv, typisch für ein einfaches, kleines Volksstück also, aus dem Regisseur und Volkstheaterleiter Steffen Wilhelm gewaltig Funken schlagen lässt. Nicht nur hat der umtriebige Theater-Impresario gewagt, ein im Original mit norddeutschen Klischees spielendes Stück in Frankfurt aufzuführen, sondern das am Hamburger Ohnsorg-Theater 1958 uraufgeführte Werk in hessische Mundart zu übertragen – eine Leistung schon an sich. Und die geschickte Personenführung macht die Inszenierung zu einem großen Vergnügen.

Auf der liebevoll ausgestatteten Bühne mit einer Original-Schusterwerkstatt aus den 50er Jahren nebst privatem Wohnbereich erleben wir darüber hinaus den trinkfreudigen, schlitzohrigen Schustergesellen Martin, der bei Andreas Walther-Schroth bestens aufgehoben ist. Insgesamt ist es auch eine großartige Teamleistung des Volkstheaters, das die Tradition des Vorgängerhauses am Hirschgraben nun auf kleiner Bühne adäquat fortsetzt. Lene Anecker, Gemahlin des eifersüchtigen Handwerksmeisters, wird von der liebreizenden Myriam Tancredi verkörpert, die so manche amouröse Turbulenzen bravourös meistert. Claudia Rohdes zeitgenössisch gestaltete Kostüme sorgen dafür, dass auch das Auge hier auf seine Kosten kommt.

Schließlich bereichert die Aufführung eine Novizin im Ensemble des Theaters: Katharina Veciana, die schon diverse Bühnen in Rhein-Main bespielt hat und nun auf Hessisch debütieren darf, was ihr glänzend mit der Person der Lisbeth, Lenes Schwester, gelingt. Der dramaturgische Reiz der Figurenkonstellation besteht darin, dass Personen in andere verliebt sind, in die sie es vom gesellschaftlichen Stand her gar nicht sein dürften. So entsteht ein amouröses Tohuwabohu am Rande von Handgreiflichkeiten; es geht für den Zuschauer lustig, aber stets doch auch theatral heftig drunter und drüber in dieser Komödie, bei der am Ende ganz in Volkstheater-Manier die Frauen das Lachen haben. Begeisterter Applaus für diesen Theaterspaß.

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