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Spendenaktion: Ein Archiv für den Freiluft-Maler von Frankfurt

Von Der Nachlass von Jakob Nussbaum soll eine feste Heimat in Frankfurt bekommen: Mit einer Spendenaktion will das Jüdische Museum wertvolle Bestände erwerben.
Das „Mainufer mit Blick auf die Alte Brücke“ malte Jakob Nussbaum 1903. Dem Jüdischen Museum gehört das Bild seit 2012. Abb.: Museum Das „Mainufer mit Blick auf die Alte Brücke“ malte Jakob Nussbaum 1903. Dem Jüdischen Museum gehört das Bild seit 2012. Abb.: Museum

Als der jüdische Maler Jakob Nussbaum Frankfurt 1933 verließ, gab es nicht wenige, die das sehr schmerzte. Der beliebte Künstler war in den Jahren zuvor eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Frankfurter Kunstbetrieb geworden. Er hatte ein Atelier im Liebieghaus und lehrte an der Städelschule. Zum Abschied überreichte ihm Städel-Direktor Georg Swarzenski ein Geleitbuch, das er mitnahm in die neue Heimat Palästina. Mehr als 60 Freunde und Bewunderer wünschten ihm darin alles Gute für seine Zukunft.

Jakob Nussbaum, 1873 im osthessischen Rhina geboren, zog schon als Kind mit seinen Eltern nach Frankfurt, der Vater suchte dort einen geschäftlichen Neuanfang. Früh schon wollte Jakob malen, musste sich das Privileg eines Studiums jedoch bei seinen Eltern erkämpfen.

Der Ungar Simon Hollosy machte ihn mit der Freilichtmalerei bekannt – eine damals ganz neue, von vielen als revolutionär empfundene Bewegung. Hollosy prägte Nussbaums Entwicklung entscheidend. Unter seinem Eindruck knüpfte er Kontakte zu den Berliner Sezessionisten, lernte Max Liebermann kennen. In einer ihrer großen Moderne-Ausstellungen zeigten die Brüder Cassirer 1902 auch Nussbaum – gemeinsam mit Werken von Monet, Pissarro und anderen.

Freund von Liebermann

Nach seinem Studium kehrte Nussbaum 1902 nach Frankfurt zurück. Weiter fühlte er sich der Pleinair-Malerei verpflichtet. In den Jahren 1907/08 trat er dem Frankfurt-Cronberger Künstlerbund bei. Im Ersten Weltkrieg verschlug es ihn an die Front, seine lebenslange Freundschaft mit Max Liebermann verhinderte jedoch Schlimmeres: Nussbaum wurde als „Kriegsmaler“ eingesetzt, malte die Landschaften von Sedan und Verdun, meist ist auf ihnen das Kriegsgetümmel nur aus der Ferne zu erahnen.

Nach dem Weltkrieg wurde er zu einem entschiedenen Förderer der Künstler in der Stadt, arbeitete als 1. Vorstand im Frankfurter Künstlerbund. Das Atelier im Liebieghaus und seine Professur allerdings hatte er gerade erst ein Jahr, als die Nazis sie ihm wieder entzogen. Der Zionist Jakob Nussbaum erkannte sehr schnell, dass es für ihn und seine Frau Marie keine andere Möglichkeit gab, als das Land zu verlassen.

Spenden für den Nachlass

„Wir wurden einsamer von Tag zu Tag, immer isolierter in unserer menschlichen und geistigen Existenz“, erinnerte sich Städel-Direktor Swarzenski, der fünf Jahre später ebenfalls emigrierte. Seinen Freund Nussbaum versuchte er mit der Aussicht zu trösten, auch in Palästina werde er malen können. Der aber erwiderte: „Wenn ich nur in Palästina auch eine Odenwaldlandschaft malen könnte!“

Um den heimatverbundenen Künstler, dessen Werk auch im Städel, im Museum Giersch und im Historischen Museum vertreten ist, bemüht sich das Jüdische Museum schon seit längerem. 2012 hat es mit einer großen Spendenaktion bereits zwei Gemälde erworben, jetzt soll ein umfangreicher Teil des Nachlasses mit 200 Papierarbeiten hinzukommen.

Noch befindet er sich in den Händen der Erben, nunmehr der dritten Generation. Die private Bethe-Stiftung hat sich bereiterklärt, jeden gespendeten Euro bis zu einer Höhe von 2000 Euro zu verdoppeln. Zu dem Konvolut, das 40 000 Euro kosten wird, gehören Zeichnungen der Studienzeit in München, aus dem Ersten Weltkrieg und solche aus den Frankfurter Jahren (1902–1933). Ein Großteil der Motive sind Frankfurter Stadtansichten sowie Landschaften im Taunus und im Odenwald.

Vom 18. März an zeigt das Jüdische Museum überdies eine Ausstellung mit dem Titel „Jakob Nussbaum – Frankfurter Impressionist“ im Freilichtmuseum Hessenpark. Erstmals gezeigt werden darin zwei Gemälde, die das Museum mit Hilfe seiner Freunde und Förderer 2015 und 2017 hatte erwerben können. Auch der schriftliche Nachlass ist zu sehen – darunter das erwähnte Abschiedsalbum von 1933.

Spenden-Verdoppelung

Spenden nimmt die Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums entgegen. Bis 30. April wird jeder Euro verdoppelt.
Stichwort: Jakob Nussbaum.
IBAN: DE88 5007 0010 0041 0035 02

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