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Ausblick: Ein Großherzog, der malte, komponierte und dichtete

Das Haupthaus wird bis Sommer 2019 saniert, nur das Museum Künstlerkolonie sorgt für Ausstellungen. Dafür geht es mit der Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel voran.
Franz von Stuck fertigte dieses Porträt des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein im Jahr 1907 an. Abbildung: Mathildenhöhe Franz von Stuck fertigte dieses Porträt des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein im Jahr 1907 an. Abbildung: Mathildenhöhe

An zwei dicken Wälzern im Telefonbuch-Format sitzt derzeit Philipp Gutbrod, der Direktor der Darmstädter Mathildenhöhe. Der erste Wälzer, das Nominierungs-Dossier für die Bewerbung als Unesco-Weltkulturerbe, dreht sich um die Geschichte der Mathildenhöhe und ihrer Bauten. Dazu wurden auch die Wände der Gebäude angebohrt, um einen Eindruck vom aktuellen und historischen Zustand zu erhalten. Aber bei der Bewerbung geht es nicht nur um die detaillierte Geschichte des Jugendstil-Ensembles rund um die 1899 gegründete Künstlerkolonie.

Denn der begehrte Titel als Weltkulturerbe, den Darmstadt gern im Jahr 2020 erhalten möchte, garantiert steil ansteigende Besucherzahlen. Dafür ist die Mathildenhöhe aber bisher nicht gerüstet; es mangelt nicht nur an Parkplätzen. So dreht sich der zweite Wälzer um den Management-Plan vom Verkehr bis zur Besucherführung. Jetzt geht die Bewerbung in die Endphase, wie Gutbrod bei der Vorstellung der Pläne für das laufende Jahr sagte. Denn beide „Telefonbücher“ müssen bis Ende des Jahres abgeliefert werden, im Jahr darauf reist eine Kommission zur Prüfung an. Freilich muss dann noch nicht alles umgesetzt und fertig sein, aber die Pläne müssen überzeugen.

Derweilen wird am Ausstellungsgebäude von Joseph Maria Olbrich aus dem Jahr 1908 weiter saniert. Schon seit mehr als fünf Jahren ist das Haus geschlossen, um es hinsichtlich Klima- und Lichttechnik, Brandschutz und Barrierefreiheit sowie Energieeffizienz auf den neuesten Stand zu bringen.

Gestiegene Kosten

Ursprünglich sollte die Sanierung innerhalb von zweieinhalb Jahren abgeschlossen sein, doch die Vorgaben des Unesco-Gremiums summierten sich zu einigen Verzögerungen und Verteuerungen. Zuletzt stiegen die Kosten um weitere knapp fünf Millionen Euro auf insgesamt 22 Millionen Euro, da unter anderem im Putz der Ausstellungssäle alte Beimischungen von Asbest entdeckt wurden, die jetzt entfernt werden müssen.

Nun wird als Termin für die Wiedereröffnung der Sommer 2019 genannt. Dann soll ein Überblick über die städtische Kunstsammlung zu sehen sein, die zuletzt 1987 vorgestellt wurde. Rund 20 000 Werke hat Darmstadt von der Romantik bis heute gesammelt. Die Schau, die sich auch auf das benachbarte Museum Künstlerkolonie erstreckt, wird aber nur eine Auswahl präsentieren können. Um die Sammlung dauerhaft zu zeigen, wäre ein eigenes Haus nötig – was zwar auch politisch gewollt, aber nicht finanzierbar ist.

Dreispartenhaus

Das Institut Mathildenhöhe in Darmstadt umfasst als Dreispartenhaus der Künste neben dem markanten Ausstellungsgebäude mitsamt Hochzeitsturm das Museum Künstlerkolonie sowie die Städtische

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Derzeit wird im Museum Künstlerkolonie noch bis 18. März der Architekt Otto Bartning vorgestellt, der nach dem Zweiten Weltkrieg viele Notkirchen in West- und Ostdeutschland erbaute, darunter auch die Frankfurter Bethanienkirche. Nach den traditionellen Jugendstiltagen vom 18. bis 20. Mai mit einem breiten Programm folgt die nächste große Schau ab 10. Juni. Dann wird die Karlsruher Objekt- und Medienkünstlerin Ulla von Brandenburg eine Auswahl ihrer Videos zeigen, die sich um Räume, Bühnen und das Theater handeln.

Inspirator und Motor

Die 43-Jährige will im Westflügel des Gebäudes sogar Wohnräume einrichten, auch bestückt mit Objekten der Künstlerkolonie-Mitglieder. Ulla von Brandenburg blickt (bis 16. September) auf das Werk ihrer Kollegen vor bald 120 Jahren zurück, während gegenüber im Ostflügel weiterhin die Dauerausstellung über die Geschichte der Künstlerkolonie bis zum Jahresende zu sehen sein wird.

Noch einmal spannend wird es vom 21. Oktober an, wenn der 150. Geburtstag von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein mit einer Ausstellung begangen wird. Die Schau stellt den Großherzog als Inspirator und Motor der Künstlerkolonie vor, rückt aber auch sein eigenes künstlerisches Schaffen ins Zentrum, das bisher kaum bekannt ist. Neben 100 Zeichnungen, die vom Symbolismus bis zum Expressionismus reichen, werden auch zahlreiche Entwürfe für Kunsthandwerk zu sehen sein, zudem musikalische Kompositionen und etliche Gedichte, die der renommierte Verleger Kurt Wolff schon 1917 druckte.

Museum Künstlerkolonie

Darmstadt, Olbrichweg 13 a.
Geöffnet dienstags bis sonntags
11 bis 18 Uhr. Eintritt 5 Euro.
Telefon (0 61 51) 13 27 78.
Internet www.mathildenhoehe.eu

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