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Indonesien-Pavillon auf der Buchmesse: Ein Insel-Dschungel voller Geheimnisse

264 Lampions hüllen den Pavillon in sanftes Licht. Sie bilden sieben „Inseln“, die die 17 000 Inseln des indonesischen Archipels repräsentieren.
Riesige Lampions strukturieren den Gastland-Pavillon. In den Vitrinen liegen antike Schriftstücke des Landes. Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Riesige Lampions strukturieren den Gastland-Pavillon. In den Vitrinen liegen antike Schriftstücke des Landes.

Das Gastland Indonesien lädt unter dem Titel „17 000 Islands of Imagination“ ins Forum in der Messe. Das Team um den Architekten Avianti Armand hat einen wunderschönen Pavillon entworfen, der endlos groß zu sein scheint. Sobald der Besucher zwischen den riesigen, zylinderförmigen Lampions aus Stoff verschwunden ist, sieht er nicht mehr das Ende dieser raffinierten Wandelhalle.

Die Lampions streuen ein sanftes, geheimnisvolles Licht in die Dunkelheit. Literaturzitate ziehen sich über mehrere Lichtsäulen hinweg, so dass man den Standort wechseln muss, um sie ganz lesen zu können. Über manche Säulen huschen Lichtmuster, die an die berühmten indonesischen Schattenspiele erinnern.

Wie durch einen Dschungel streift man zwischen den Säulen umher. Sie bilden Inseln, verschiedenfarbig ausgeleuchtet, mit Sitzgruppen und Büchertischen in der Mitte. Sieben sind es, stellvertretend für die (weit mehr als) 17 000 Inseln des indonesischen Archipels. Die größte liegt im Zentrum des Pavillons: die „Insel der Wörter“. In Regalen und auf Tischen stehen Übersetzungen von Büchern aus indonesischen Verlagen ins Deutsche oder Englische. Zudem liegen Bücher über Indonesien von Verlagen aus aller Welt zum Lesen und Ansehen bereit. Romane und Poesie indonesischer Autoren sowie Bildbände zu Kunst und Kultur, etwa über Batikkunst oder Schattentheater, sind darunter.

Das viertgrößte Land der Welt, in dem 250 Millionen Menschen leben, die rund 700 Sprachen sprechen, in einem einzigen Raum zu präsentieren, war keine leichte Aufgabe. Vielfalt ist das Wort, das dieses Land am besten beschreibt. Vom Indischen Ozean bis zum Pazifik erstreckt es sich, so weit wie Europa von Ost nach West. Von Sumatra bis Westneuginea leben mehr als 300 Völker miteinander. Und doch sind alle vereint, verbunden durch ihre Kolonialgeschichte und seit 1928 durch die gemeinsame Sprache: Die Bahasa Indonesia, entstanden aus dem Malaiischen, ist eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Zudem sind die Indonesier die weltweit größte muslimische Bevölkerung, und das in einer Demokratie.

Indonesien ist mehr als Bali oder die Hauptstadt Jakarta, und mehr als eine Ansammlung von Inseln mit verarmter Bevölkerung. „Indonesien ist viel gebildeter, als viele glauben“, sagt der Dichter Goenawan Mohamad, der den Auftritt organisiert hat. Diese Vielfalt, von der Tradition bis zur Moderne, ist in den Buchmessen-Inseln anschaulich und angenehm zurückhaltend repräsentiert. Auf der „Insel der Bilder“ laufen Comic-Animationen über ein Rondell, Superhelden-Comics der 50er Jahre wie „Wayang Purwa“ und aktuelle Graphic Novels sind ausgestellt. Die Insel des Lichts zeigt jahrhundertealte Bambusschriftrollen aus dem Nationalmuseum in Jakarta.

Die kulturelle Vielfalt des Landes ist auf der „Insel der Forschung“ multimedial dokumentiert. Auf Touchscreens kann der Besucher in einer Enzyklopädie stöbern, in der eine 200 Exemplare große Auswahl an Märchen auf Indonesisch, Deutsch und Englisch zu lesen sind. Da die Märchen traditionell in Tänzen erzählt werden, kann der Betrachter die Aufnahme einer traditionellen Tanzaufführung des jeweiligen Märchens anklicken. Oder die eines Musikkonzerts, zum Beispiel mit dem Bambusrohrinstrument Anklung.

Indonesien hat 70 Autoren nach Frankfurt geschickt, obwohl längst nicht alle ins Deutsche übersetzt wurden. Neben der Bühne locken die in warmes Licht getauchten Tische des Bistros. Gewürzdüfte wehen herüber. Zimt, Chili und Kräuter in unzähligen kleine Glasgefäßen lassen den Besucher die Vielfalt der indonesischen Küche schnuppernd erahnen.

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