Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 10°C

Kent Nagano: Ein Kalifornier sucht sein Glück im Norden

Zum Saisonauftakt gibt der amerikanische Dirigent zwei Akademiekonzerte und leitet die Opernpremiere von Berlioz’ „Les Troyens“.
Kent Nagano in seiner neuen Wirkungsstätte, der Hamburger Staatsoper: Als Generalmusikdirektor weckt er hohe Erwartungen. Foto: Christian Charisius (dpa) Kent Nagano in seiner neuen Wirkungsstätte, der Hamburger Staatsoper: Als Generalmusikdirektor weckt er hohe Erwartungen.

„Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag“ – „Gibt es denn Wellen hier?“ – Kent Nagano ist sichtlich erstaunt. „Das wusste ich gar nicht!“ Nun, der gebürtige Kalifornier kann ja auch nicht alles wissen, schließlich ist der nachdenkliche Mann ja nicht zum Surfen nach Hamburg gekommen, sondern soll von dieser Spielzeit an die heimischen Philharmoniker dirigieren. Und das Orchester wieder auf Vordermann und mindestens in die nationalen Schlagzeilen bringen. Was in der vornehmen Hansestadt natürlich niemand so deutlich formulieren würde. Lieber spricht Kultursenatorin Barbara Kisseler von „Luft nach oben“.

Da kommt einer wie Nagano gerade recht. Einer, der weiß, was er will – etwa zum Saisonauftakt am 19. September mit Berlioz’ „Les Troyens“ als Eröffnungspremiere ein Bekenntnis zur französischen Grand Opéra ablegen. Nagano ist ein stiller, doch zugleich bestimmter Charakter, auf dessen schmalen Schultern nun reichlich Hoffnungen ruhen. Denn unter seiner Vorgängerin, Generalmusikdirektorin Simone Young, ist Hamburg aus der internationalen Wahrnehmung verschwunden, am Ende ihrer zehnjährigen Amtszeit hatte sich die anfängliche Begeisterung unter den Musikern in Gleichgültigkeit, ja sogar Ablehnung verwandelt.

Nun ist Kritik an Dirigenten in Orchestern an der Tagesordnung, und auch über den Kalifornier mit japanischen Wurzeln war eifrig gelästert worden unter Streichern wie Bläsern, als sein Name 2012 erstmals für die Nachfolge ins Gespräch kam. Denn in München, wo Nagano bis vor zwei Jahren als Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper waltete, sollen nicht wenige Musiker des dortigen Orchesters heilfroh gewesen sein, ihn endlich loszuwerden: Gerade in der Opernarbeit – im Süden wie auch künftig im Norden die zentrale Aufgabe seines Tätigkeitsfeldes – fehle es dem Dirigenten an Sinn für die speziellen Herausforderungen der Begleitung von Sängern. Bögen, Form und Klang, heißt es aus Musikerkreisen, seien da oft eher dem Zufall überlassen denn Ergebnis gemeinsamer Arbeit.

Harsche Kritik – und doch nicht neu, denn eben solche Töne waren auch von vorherigen Stationen Naganos zu hören. Nun mögen Orchestermusiker dazu neigen, den Mann oder die Frau am Pult grundsätzlich kritisch(er) zu betrachten, doch nachdenklich stimmt solch gehäufte Kritik schon; zumal der parallel als Chef des Orchestre Symphonique de Montréal Agierende sich Meriten als Operndirigent bislang allein mit modernen Musiktheaterwerken erspielt hat. Was indes dem Hamburger Publikum kaum genügen dürfte.

Die Philharmoniker aus der Hansestadt hoffen dennoch nun auf einen nachhaltigen Impuls durch den 63-Jährigen: einen, der sie auf einer Welle der Begeisterung und des Applauses zurückträgt ins Rampenlicht – und ihm vielleicht an Nord- oder Ostsee eines jener berauschenden Erlebnisse beschert, die der leidenschaftliche Surfer so liebt. „Wenn es hier wirklich Wellen gibt, muss ich mir das unbedingt ansehen.“ Er sei schon als Junge „mit ganzem Herzen“ den Wellen verbunden gewesen: „Einfach weil das Meer immer offen und kostenlos ist.“ Doch daneben war es vor allem die Musik, die den kleinen Kent von Kindesbeinen an fasziniert hat: Gefördert von seiner Mutter, einer Pianistin, dirigierte er bereits als Achtjähriger den örtlichen Kirchenchor, studierte später Musik und ging dann an die Oper in Boston. Der Beginn einer großen Karriere: Lyon, Manchester, Salzburg, New York, Berlin, Los Angeles, Montreal und München folgten – und stets verstand es der Dirigent, vor Ort auch Allianzen jenseits der Musik zu schmieden. Nicht unwichtig im Raubtierkäfig Klassik, wo es längst nicht mehr nur um großartige Konzerte geht.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse