Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 21°C

Dietmar Bär im Mousonturm Frankfurt: Ein Kind wird „Verbrescher“

Von Zum Abschluss von „Frankfurt liest ein Buch“ las Schauspieler Dietmar Bär noch einmal selbst aus dem Roman „Benjamin und seine Väter“.
Das Beste kommt zum Schluss: Schauspieler Dietmar Bär beendete im Frankfurter Mousonturm die diesjährige Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“ mit einer eigenen Lesung aus Herbert Heckmanns Roman „Benjamin und seine Väter“. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Das Beste kommt zum Schluss: Schauspieler Dietmar Bär beendete im Frankfurter Mousonturm die diesjährige Veranstaltungsreihe „Frankfurt liest ein Buch“ mit einer eigenen Lesung aus Herbert Heckmanns Roman „Benjamin und seine Väter“.

Dietmar Bär hat nicht viel Zeit mitgebracht. Der Schauspieler, den meisten wohl als Kriminalhauptkommissar Freddy Schenk aus dem Kölner Fernseh-„Tatort“ bekannt, dreht derzeit einen Film in Marokko. „Deshalb habe ich es ein bisschen eilig“, wird der 56-Jährige am Ende seiner Lesung im Frankfurter Mousonturm erklären.

Titelheld aus Bornheim

Mit einer Einleitung, einer Einordnung seines Vortrags in die Gesamthandlung des Romans „Benjamin und seine Väter“ von Herbert Heckmann (1930–1999) hält er sich auch deshalb nicht auf. Nachdem das Werk in diesem Jahr im Zentrum des Literaturfestivals „Frankfurt liest ein Buch“ gestanden hat und zwei Wochen lang bei 90 Veranstaltungen die ganze Stadt beschäftigte, geht man zudem offenbar davon aus, dass der Inhalt zumindest im Groben bekannt ist.

Bär betritt also mit wenigen entschlossenen Schritten die Bühne des Frankfurter Mousonturms, begrüßt die Zuschauer kurz und warnt, besser die Handys auszuschalten, um ihn nicht gleich zu vertreiben. Nach einer Dreiviertelstunde ist der Schauspieler wieder verschwunden. Sein Auftritt bei der Abschlussveranstaltung des 2017 zum achten Mal organisierten Lesefestes, das die „Zeit“ zur Freude der Veranstalter mal als „Deutschlands wunderbarstes und sinnvollstes“ seiner Art bezeichnete, wird dennoch länger im Gedächtnis haften bleiben.

Junge klaut Orange

Bär, als Sprecher von Hörbüchern bereits mehrfach ausgezeichnet, zieht sein Publikum von Beginn an mit seiner sonoren Stimme in den Bann, mitten hinein in das Frankfurt der 20er und 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Benjamin, der in Bornheim aufwachsende Titelheld, wird in den ausgewählten Kapiteln zum Dieb. Erst klaut er eine Orange, dann einem tätowierten Bettler den mit Geld gefüllten Hut. Bär moduliert gekonnt die Tonarten der verschiedenen Personen: des Jungen, der zum Täter wird, seines Komplizen, des „Barons“, der ihn dazu verführte, des Pfarrers, dem er seine Sünden beichtet, und natürlich von Jonas, dem Anwalt, der den vaterlosen Benjamin wie einen Sohn liebt, ihm Lehrer wie Ratgeber ist und mit dem ihn eine ganz einzigartige Beziehung verbindet. Dabei schlüpft dem gebürtigen Dortmunder auch ganz mühelos und wie nebenbei ein echt frankfurterisches „Verbrescher“ über die Lippen, mit dem der bestohlene Gemüsehändler den kleinen Räuber beschimpft.

Doch nicht nur die Personen nehmen Gestalt an. Die Kleinmarkthalle, von dem gebürtigen Frankfurter Heckmann so treffend beschrieben, dass man sie bis heute in gleicher Weise erleben kann, baut sich auf mit ihren lukullischen Genüssen. Der Geruch von Fisch, Käse, Zwiebeln und heißen Würsten scheint durch den Raum zu wabern. Und irgendwann, da man derzeit gerne darum feilscht, wo man dem geschilderten Geschehen am nächsten kommt, taucht sogar die Waldschmidtstraße auf; denn dort, wo das Gelände des heutigen Künstlerhauses Mousonturm damals von einer Seifenfabrik genutzt wurde, ist auch der „Baron“ heimisch. Am meisten jedoch berühren die inneren Konflikte Benjamins, das Gewissen, das ihn plagt, die Gedanken, über die er sich den Kopf zerbricht, und die Schrecken, die ihm in die Glieder fahren. Aber auch die Naivität, die kindliche Natürlichkeit, die sich bisweilen ihre Bahn bis an die Oberfläche bricht und seinen Lippen entschlüpft.

Man mag diesen Knaben aus der Berger Straße 51, geführt von Bär, gerne noch länger begleiten durch die Stadt. Doch das wird nun wieder zur Privatsache. Für Klaus Schöffling, den Initiator des Lesefestes, war es Heckmanns „aus der Zeit gefallener“ Roman jedoch allemal wert, „wieder ins Bewusstsein“ gerückt zu werden. Vor einem Vierteljahr, so der Verleger, sei überhaupt kein Buch des Autors Herbert Heckmann mehr lieferbar gewesen. Nun haben sicherlich viele ihn für sich entdeckt.

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse