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Multikulti-Komödie „Voll verschleiert“: Ein Mann versteckt sich unterm Niqab

Von Die iranisch-französische Filmemacherin Sou Abadi lässt ein Liebespaar zwischen moderne Selbstbestimmung und muslimische Sittenstrenge geraten.
Armand (Felix Moati) gibt sich als Frau aus. Foto: - (The Film) Armand (Felix Moati) gibt sich als Frau aus.

„Was glaubst du, wie wir in Afghanistan unsere Geliebten getroffen haben?“, sagt ein Freund zu Armand (Félix Moati) und zieht ihm den Niqab über. Das schwarze, bodenlange Kleidungsstück lässt lediglich die Augenpartie frei und erfüllt nicht nur fundamentalistische Kleidungsvorschriften, sondern bietet auch komplette Anonymität. Unmöglich zu erkennen, wer darunter steckt: Muslim oder „Ungläubiger“, Mann oder Frau.

Lehre des Korans

Armand studiert in Paris und ist verliebt in seine Mitstudentin Leia (Camélia Jordana). Aber als deren Bruder Mahmoud (William Lebghil) aus dem Jemen zurückkehrt, wo er von den Taliban zum Islamisten umerzogen wurde, sollen zu Hause andere Vorschriften gelten. Leia darf nicht mehr mit Armand rumknutschen und die Wohnung nicht verlassen. Der jüngere Bruder soll zur Ausbildung in den Jemen geschickt werden. Um Leia weiterhin treffen zu können, zieht sich Armand den Niqab über und gibt sich als Freundin aus, welche die Schwester mit der Weisheit des Korans vertraut machen soll. Mahmoud zeigt sich fasziniert von dem verschleierten Wesen und ist sich sicher, dass Allah sie höchstpersönlich für ihn ausgesucht hat. Wahrscheinlich würde sich der ehemalige iranische Staatspräsident Hojatoleslam Rafsanjani im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass ausgerechnet er als Inspirator für Sou Abadis Komödie „Voll verschleiert“ diente. In einem Interview hatte der Ajatollah zum besten gegeben, dass er sich während der Revolution als Frau verkleidet unter einem Tschador versteckte, um der Polizei des Schahs zu entkommen. Daraus entstand die Idee einer Verwechslungskomödie unter muslimischen Vorzeichen.

Gespenster der Kindheit

Die Filmemacherin Abadi ist im Iran aufgewachsen und als 15-Jährige nach Frankreich gekommen. Mit diesem leichtherzigen, aber keineswegs oberflächlichen Film verscheucht sie auch die Gespenster ihrer Kindheit, wo die Revolutionswächterinnen im Tschador zum Alltag gehörten. Wie leicht hätte die Filmidee zur Klamotte verkommen können. Aber Abadi reichert das humorvolle Verwechslungstreiben mit profundem Detailwissen an und lässt zwei grundverschiedene Einwandererfamilien aufeinandertreffen.

Armands Eltern sind aus dem Iran vor vielen Jahren nach Europa geflüchtet und beziehen auch heute noch als Links-Feministen Stellung gegen das islamistische Regime. Leias Familie kommt aus Arabien, die Eltern sind früh gestorben, und der große Bruder stürzt sich unter dem Druck familiärer Verantwortung in das klare Regelwerk des Fundamentalismus. Mit größtmöglicher komödiantischer Reibungskraft lässt Abadi die unterschiedlichen Auffassungen aufeinanderprallen. Das geschieht mit einem ganz großen Herz für die Figuren, die weit über Lustspielklischees hinaus ausgearbeitet wurden. Die offene Haltung, die Abadi von den Charakteren einfordert, praktiziert sie auch selbst gegenüber ihren Figuren. Vor allem aber überzeugt „Voll verschleiert“ durch solides Komödienhandwerk, wozu treffsichere Pointen und ein turbulentes Finale gehören. Sehenswert

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Frankfurt: Cinema (D+OmU)

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