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Premiere am Fritz-Rémond-Theater: Ein Plattenliebhaber am Rande des Nervenzusammenbruchs

Von Die französische Gesellschaftskomödie "Eine Stunde Ruhe" hatte Premiere am Fritz-Rémond-Theater im Zoo und begeisterte zur Saisoneröffnung.
Michel (Stephan Schleberger, links) will eigentlich nur seine Ruhe haben, doch ein Handwerker (Gabriel Spagna) stört. Foto: Helmut Seuffert Michel (Stephan Schleberger, links) will eigentlich nur seine Ruhe haben, doch ein Handwerker (Gabriel Spagna) stört.

Es ist der Traum eines Plattenliebhabers im Allgemeinen und eines Jazzfans im Besonderen: nach langem Suchen endlich die geliebte Scheibe zu finden. Dass sie beim Auflegen allerdings springt und kratzt, ist ein Albtraum. Dies geschieht dem eigentlich besonnenen Zeitgenossen Michel, der nach seinem unerhofften Flohmarktfund sich nichts sehnlicher wünscht, als „eine Stunde Ruhe“, wie der ungewöhnliche Theatertitel von Florian Zellers Stück heißt. Welch großer formaler und konzeptioneller Unterschied zum vor eineinhalb Jahren am gleichen Haus gespielten Schauspiel „Vater“ des 1979 geborenen französischen Dramatikers, einem Demenzdrama mit aufgelösten Dialogstrukturen.

Notorischer Psychopath

Dass Zeller auch die Gattung Farce meisterlich beherrscht, beweist er mit dem Seitensprung-Stück „Eine Stunde Ruhe“. Inhaltlich ist hier nichts Weltbewegendes zu erleben. Die Eheleute Michel und Nathalie finden hintenherum peu à peu heraus, dass sie sich jeweils mit dem besten Freund, beziehungsweise der besten Freundin betrogen haben und dass der vermutlich gemeinsame Sohn gar kein solcher ist. Stephan Schleberger agiert hier fulminant in der Rolle des notorischen Psychopathen Michel stets am Rande des Nervenzusammenbruchs, weil verschiedene Ereignisse ihn immer wieder am Genuss des Schallplattenhörens hindern. Praktisch nonstop über 100 Minuten muss er abwechselnd ausrasten, sich aufregen, nervös blinzeln, aufspringen, protestieren, schnaufen, stöhnen, sich die Haare raufen und mit den Augen rollen. Eine Meisterleistung, die aber nicht auf Kosten der anderen Akteure dieser durchtriebenen Boulevardkomödie geht.

Andrea Wolf als seine Gattin hält weitgehend die Contenance, schließlich ist sie seit Jahren in Behandlung bei einem von ihrem Mann verhassten Psychiater, der ihr beigebracht hat, in jeder Situation Ruhe zu bewahren.

Barbara von Münchhausen als ihre Freundin Elsa ist die verruchte Dame, die ihren Seitensprung mit Michel lange Zeit nicht gesteht und damit für (Beziehungs-)Chaos sorgt. Michael Wedekind hat temporeich inszeniert und besonders die Klamaukmomente des Stücks, das die besten Ideen von Woody Allen und Loriot souverän vermischt, so herausstellt, dass sie nicht übertrieben wirken.

Herrlich pointiert

Zudem hat der Regisseur die Protagonisten herrlich pointiert theatral gezeichnet. Da ist Florian Mania als Sprössling Sebastian, der sich selbst „Fucking Rat“ nennt und im Punk-Outfit (Kostüme: Monika Seidl) ultracool agiert. Und da überzeugen Francesco Russo als beleibter Nachbar Pavel, der ständig ungefragt Kommentare zum turbulenten Geschehen abgibt und den Whisky des Hausherren trinkt, sowie Gabriel Spagna als tollpatschiger Handwerker, der unfreiwillig die Wohnung ruiniert.

Volker Conradt verkörpert mit Nonchalance Pierre, Michels vermeintlichen Freund, der, so erfährt man es sehr spät am Abend, der eigentliche Vater von Musiker „Fucking Rat“ ist.

Am Ende zu Recht begeisterter Applaus für das gesamte Team. Besser hätte die Spielzeit am Zootheater nicht beginnen können.

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