Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige LS Lederservice Sie suchen einen Spezialisten aus Rhein-Main? Frankfurt am Main 24°C

Geoffrey Rush spielt in „Final Portrait“ den Bildhauer Giacometti: Ein Schweizer in Paris

Unter der Regie von Stanley Tucci zeigt Geoffrey Rush einen unbändigen Maler und Modellierer, einen Perfektionisten und Lebemann.
Alberto Giacometti (Geoffrey Rush, rechts) möchte, dass der junge Autor James Lord (Armie Hammer) ihm Modell sitzt. Foto: (PROKINO Filmverleih) Alberto Giacometti (Geoffrey Rush, rechts) möchte, dass der junge Autor James Lord (Armie Hammer) ihm Modell sitzt.

Die Skulpturen von Alberto Giacometti sind oft spindeldürre Gestalten. Ihre Gesichter sind verfremdet, und doch scheinen sie häufig Traurigkeit auszustrahlen: Giacometti war einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts, wurde von Kubismus und Surrealismus beeinflusst und ist vor allem für seine Skulpturen bekannt. Viel mehr werden die meisten wohl nicht über diesen Schweizer wissen. Das könnte sich ändern, nun da Geoffrey Rush den getriebenen und rastlosen Künstler in einer der intensivsten Rollen seiner Karriere („Fluch der Karibik“, „The King’s Speech“) verkörpert.

Es ist das Jahr 1964. Der junge Schriftsteller James Lord ist für einen Besuch aus den USA in Paris. Als ihn Giacometti bittet, für ihn Modell zu sitzen, sagt er geschmeichelt zu. Es werde wohl nicht lange dauern, scheint er zu denken. Doch aus Stunden werden Tage, und aus Tagen Wochen. Denn „Final Portrait“ zeigt Giacometti als unbändiges Genie und Perfektionisten, der sich alle Freiheiten nimmt: Mal geht er mit James lieber mittagessen im Bistro in der Nähe, mal vergnügt er sich lieber mit seiner Geliebten. Und wenn er doch malt, ringt er um jede Nuance – nur um dann alles wieder zu verwerfen.

Regisseur Stanley Tucci, der selbst als Schauspieler in so unterschiedlichen Werken wie „Die Tribute von Panem“ und „Der Teufel trägt Prada“ zu sehen war, macht dabei nicht den Fehler, ein ganzes Leben in zwei Filmstunden erzählen zu wollen. Ihm genügt die Episode rund um das eine Porträt, um einen Einblick in Giacomettis Leben zu geben. Giacometti (1901–1966) ist hier nicht nur ein begnadeter Künstler, sondern auch ein Lebemann, der seine Frau offen mit einer Prostituierten betrügt. Der Film deutet außerdem seelische Störungen an: Er habe als Jugendlicher oft daran gedacht, Frauen zu vergewaltigen und umzubringen, erzählt Giacometti – das habe ihn vor dem Einschlafen beruhigt.

Rush meistert die Herausforderungen dieser facettenreiche Rolle einmal mehr scheinbar mühelos – immerhin verkörperte der 66-Jährige in seiner Karriere häufig Exzentriker und Menschen im Ausnahmezustand: Seinen Durchbruch hatte er als psychisch kranker Pianist in „Shine – Der Weg ins Licht“. Eine Sehenswürdigkeit in „Final Portrait“ ist allerdings auch das Atelier in einem Pariser Hinterhaus. Überall stehen Skulpturen, dazwischen liegen unzählige Bilder. Man spürt fast den Schmutz aus Farbresten und Ton, durch den Giacometti sich bewegt. Bei all seiner Energie bleibt Armie Hammer („Lone Ranger“) als Schriftsteller James Lord etwas blass; mit einer solchen Präsenz von Rush kann er schlichtweg nicht mithalten. Dennoch wird er zur wichtigsten Identifikationsfigur. Kommt man doch durch ihn und seine Erlebnisse Giacomettis Schaffen näher. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema, Mal seh’n (OmU)

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse