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Lebensgeschichte „Goodbye Christopher Robin“: Ein Teddy benutzt seinen Verstand

Von Simon Curtis erinnert mit seinem Film daran, wie der Autor Alan Alexander Milne seinen Sohn zum Vorbild einer Kinderbuchfigur machte.
Christopher Robin (Will Tilston) mit seinen Teddys. Foto: - (FOX Deutschland) Christopher Robin (Will Tilston) mit seinen Teddys.

Im Jahre 1924 eroberte ein Bär „von sehr geringem Verstand“ zunächst die britischen Leser und später die Buchmärkte der ganzen Welt. Alan Alexander Milnes Kinderbuch „Pu der Bär“ ist ein Phänomen, das weit über seine Entstehungszeit hinausgewachsen und bis heute in den Kinderzimmern präsent ist. In „Goodbye Christopher Robin“ untersucht Regisseur Simon Curtis („My Week with Marilyn“) nun die Entstehungsgeschichte des Buchs, aber auch die schmerzlichen Folgen des Erfolgs.

Schwer traumatisiert kehrt A. A. Milne (Domhnall Gleeson) aus dem Ersten Weltkrieg nach London zurück. Die Bilder von den Schlachtfeldern an der Somme lassen ihn nicht los. Mit seiner Frau Daphne (Margot Robbie) und Sohn Christopher Robin (Will Tilston) zieht er sich ins ländliche Sussex zurück, um ein Buch gegen den Krieg zu schreiben. Aber mit dem Umzug in die Provinz setzt auch eine Schreibblockade ein. „Ich komme erst wieder, wenn du schreibst“, verkündet die resolute Daphne und verschwindet ins vergnügliche London. Nun ist der Vater zum ersten Mal in seinem Leben allein mit seinem achtjährigen Sohn. Auf Spaziergängen im Wald, bei denen der Junge seinen Teddybären stets an der Hand baumeln lässt, beginnen die beiden, Geschichten zusammenzuspinnen: vom Hundertmorgenwald, von Pu dem Bären und seinen Stofftierfreunden, die auch gelegentlich mit am Abendbrottisch sitzen.

In den lichtdurchfluteten Wäldern und auf den Anhöhen der Grafschaft Sussex gelingt es dem Film, jene Momente der Inspiration einzufangen, die zu dem lebensfrohen Geist des Buches geführt haben. Für Christopher Robin sind die Spaziergänge und die ungeteilte Aufmerksamkeit des Vaters ein Ausflug ins Paradies, aber auch Milne eröffnet sich durch die Augen des Kindes eine Welt, in der seine Kriegstraumata und Angstanfälle gelindert werden. Es ist der Moment vollkommener Vater-Sohn-Harmonie, die Milne dann zusammen mit dem Illustrator Ernest Howard Shephard (Stephen Campbell Moore) in seinen Kindergeschichten einfängt. Und genau diese Harmonie wird durch den hereinbrechenden Erfolg des Buches zerstört. Schon bald scharen sich Fotografen und Journalisten um den Jungen, die den echten Christopher Robin kennenlernen wollen, und die Eltern spannen den Sohn rücksichtslos für ihre PR-Kampagnen ein.

Die Transformation des persönlichen Glücks in dessen öffentliche Vermarktung geht zu Lasten des Sohnes, der seine Kindheit verliert, auf dem Internat zum Außenseiter gemacht wird und schließlich freiwillig in den Zweiten Weltkrieg zieht, um seine Prominenz abzuschütteln. „Goodbye Christopher Robin“ erzählt die interessanten Hintergründe des Kinderbuch-Bestsellers in einem warmherzigen und lichten Ton, der den Zauber der Bücher genauso einfängt wie die bittere Ironie des Erfolgs. Denn die Verewigung kindlichen Glücks, die Milne in seinem Buch gelungen ist, baut in Wirklichkeit auf der Flüchtigkeit eben dieses Glücks für den tatsächlichen Christopher Robin auf. Trotz seiner versöhnlichen Schlusswendung überzeugt der Film letztlich durch sein Bekenntnis zur Widersprüchlichkeit der Charaktere. Annehmbar

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