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Konzert: Ein dreiteiliger Abend beim Musikfest „Fremd bin ich . . .“ in Frankfurt

Von Uraufgeführt wurde im Mozartsaal der Alten Oper das szenische Konzert „Salims Salon“ von und mit dem Frankfurter zeitgenössischen Komponisten Hannes Seidl.
Sidiki und Balla Diabaté an der friedenstiftenden Kora. Foto: Wonge Bergmann (Wonge Bergmann) Sidiki und Balla Diabaté an der friedenstiftenden Kora.
Frankfurt. 

Vier Musiker sitzen auf schwarzen Sesseln, plaudern, trinken und begeben sich nach und nach an vier Pulte, auf denen Laptops und technisches Gerät platziert sind. Cedrik Fermont, Jacqueline George und Tamara Antonijevic werkeln daran, erzeugen Geräusche, Straßenlärm und Hundegebell, stöhnen minutenlang ins Mikrofon, spielen Loops und Samples ein. Der Komponist agiert derweil an Rahmentrommel und Flöten, den gesprochenen Text kann man auf einer Leinwand mitlesen. Zwischendurch kehren die Künstler wieder an ihre Plätze zurück und genehmigen sich eine Erfrischung.

Die Uraufführung wandelt auf den Spuren der Frankfurter Schule und deren ästhetischer Theorie. Ein Mann und eine Frau beschreiben ihre musikalischen Anfänge in Deutschland, die sie aber mit erwachendem Denken und kritischen Analysen ins Ausland gebracht haben. Viel ist von herrschaftsbestimmter Sozialisation im Musikbetrieb die Rede. Das gipfelt im Satz „Die Entwicklung und Fertigstellung des Synthesizers ist Lärm!“

Die Mischung aus Hörspiel, Impro-Geräuschkonzert und Lesung ist wirkt avantgardistisch und ungeplant. Sie erinnert an den frühen Heiner Goebbels, in Frankfurt als Pionier Neuer Musik bestens bekannt: mitunter verwirrend und trotzdem charmant. Die Arbeit hätte das Gefallen des 2007 gestorbenen Neutöners Karlheinz Stockhausen gefunden, dessen Stückklassiker „Hymnen“, eine atonale Collage, die 40 verschiedene Länderhymnen in elektronischer und konkreter Musik vereint und in der Klangregie von Richard Millig zu später Stunde zu Gehör kam.

Konzeptionell und musikalisch hatte der Abend völlig anders begonnen, nämlich mit einem wunderbaren Vortrag von Sidiki und Balla Diabaté aus Mali, den „Friedensstiftern mit der Kora“, wie das Programm annoncierte.

Die Kora ist eine mit beiden Händen gezupfte westafrikanische Stegharfe oder Harfenlaute. In traditioneller Robe mit weißem und violettem bodenlangem Kaftan, ließen sie perlende, harmonisch schöne Klangkaskaden erklingen.

Die Söhne des Kora-Veteranen Toumani Diabaté schwelgten im Wohlklang. Faszinierend: Die Spieltechnik des mit Kuhhaut bespannten Resonanzkörpers erzeugte fast orchestrale Klänge mit fast meditativen Flächen und Rhythmen. Mitunter erinnerte das an den Harfenisten Andreas Vollenweider.

Entfremdung, Kälte, Heimatlosigkeit waren Schuberts „Winterreise“-Themen. Ihnen hatte die Alte Oper den Veranstaltungskomplex gewidmet hatte. Die Musiker aus der Griot-Kultur konterkarierten das souverän. Selten konnte sich fremde Musik so schnell im Gehör der Konzertbesucher einnisten.

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