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"Maria Magdalena": Eine Frau mischt sich unter die Jünger

Von Der amerikanische Regisseur Garth Davis erzählt von den letzten Tagen des Messias, gespielt von Joaquin Phoenix, in Judäa und Jerusalem.
Jesus (Joaquin Phoenix) tauft Magdalena (Rooney Mara). Foto: Jonathan Olley (Universal Pictures) Jesus (Joaquin Phoenix) tauft Magdalena (Rooney Mara).

Es gibt kaum etwas Schwierigeres, als einen guten Bibelfilm zu drehen. Weil es immer darum geht, einerseits die herkömmliche Überlieferung zu bewahren, und andererseits ihr eine neue Deutung zu verleihen.

Wer war Maria Magdalena? Darauf hat es schon viele Antworten gegeben. Am bekanntesten ist jene biblische Szene, in der die Sünderin vor dem Gottessohn niederkniet, ihm demütig die Füße wäscht und um Vergebung bittet. Daraufhin wird sie von Jesus erhoben. Er vergibt ihr und macht sie zu seiner Jüngerin. Ein bedeutender Moment für das Christentum, das die Gleichberechtigung der Frau mehr gefördert hat als jede andere Religion. Die Sünderinnen-Szene kommt in Garth Davis’ Osterfilm aber nicht vor. Und Maria Magdalena ist hier auch kein Freudenmädchen. Im Gegenteil: Sie hält sich von den Männern fern. Sie lebt in ihrem Elternhaus am See Genezareth, wirkt als Geburtshelferin und lehnt für sich selbst die Ehe und die Mutterschaft ab. Maria (Rooney Mara), eine zierliche Person mit großen Augen, die weit in die Welt schauen, spürt, dass sie anders ist: „Ich fürchte meine Gedanken, meine Sehnsucht, meine Unerfülltheit“.

Ihre Angehörigen glauben, sie sei vom Teufel besessen, und lassen Jesus von Nazareth rufen, der im Jahr 33 vor Zeitenwende in Judäa predigt und wundersame Kräfte besitzen soll. Als der Heiland vor Maria hintritt, ist sie sofort gebannt. Seine Worte von einem anderen Reich, das „nicht von dieser Welt“ sei, versprechen das, was sie sucht. Etwas Höheres. Heiligeres. Und so folgt Maria Magdalena dem Messias, dem Gesandten, mitsamt den anderen Jüngern, bis nach Jerusalem, hin zur Kreuzigung und zur Auferstehung, als deren erste Zeugin sie bis heute gilt.

Je zeitloser und überragender eine Figur ist, desto leichter lässt sie sich aktualisieren, ohne Schaden zu nehmen. Sie steht dann über allem. Von daher hätte Maria Magdalena auch eine filmische Verzerrung überstanden. Doch Garth Davis verleiht seinem Film unaufwendige Schlichtheit, in den Worten, in der Handlung, in den ungefärbten Leinengewändern, in der Kargheit der biblischen Landschaften. Vor allem enthält sich der Regisseur einer feministischen Auslegung und unterlässt Mutmaßungen, Jesus und Maria könnten ein Paar geworden sein. Joaquin Phoenix als Gottessohn besitzt eine natürliche Ausstrahlung, die Marias Gefolgschaft auch ohne erotische Anziehung glaubhaft macht. Im Vergleich zu früheren Jesusfilmen wie „Die letzte Versuchung Christi“ (Martin Scorsese) oder „Die Passion Christi“ (Mel Gibson) ist „Maria Magdalena“ ein kleinformatiges Kinowerk, das für sich einnimmt, vorausgesetzt, man erwartet nicht zu viel von ihm. Annehmbar

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+E), E-Kinos, Metropolis (D+E). Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Offenbach:
Cinemaxx. Hanau: Kinopolis.
Mainz: Cinestar

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