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Eine Nische für Blues mit Charme und Hirn

Von Das zehnte Soloalbum von Bassist Hellmut Hattler heißt „The Kite“: Es ist eine spannende Mischung aus elektronischer Tanzmusik, Jazz und R ’n’ B.
Hellmut Hattler lässt es an Spielfreude nicht vermissen, und doch meint er es mit seiner neuen Platte sehr ernst. 	Foto: Mattersmusic Hellmut Hattler lässt es an Spielfreude nicht vermissen, und doch meint er es mit seiner neuen Platte sehr ernst. Foto: Mattersmusic

Geschmackvolle Arrangements und ausgefeilte Stücke waren schon immer die Sache von Hellmut Hattler, egal, ob mit der von ihren Fans verehrten Band „Kraan“ in den 1970ern, mit „Tab Two“ zwei Jahrzehnte später - oder eben als Solokünstler. Darin unterscheidet sich „The Kite“ nicht von seinen Vorgängern. Und doch scheint die CD eine neue Ernsthaftigkeit bekommen zu haben: Wo die charmante Soul-Sängerin Fola Dada auf der Vorgänger-Scheibe „Gotham City Beach Club Suite“ noch beschwingt Playboy „Dimitri“ besang, ist das Eröffnungsstück „The Kite“ ungleich lasziver und damit auch ein Stück verwegener.

Dieses Ritual wiederholt sich sogleich auf „Sliding In Slow Motion“ - Sängerin Fola Dada haucht zu launigen, schleppenden Club-Rhythmen. Gleich geblieben ist die Spiellust und Experimentierfreudigkeit Hellmut Hattlers. So präsentiert er mit „Wider“ früh ein gesangloses Stück, was andere Künstler zum Entspannen erst nach vier oder fünf schweißtreibenden Nummern wagen.

Nicht so Hattler: Er vermengt wie immer gekonnt Blues, Jazz und elektronische Sounds und schafft sich dabei eine eigene unverkennbare Nische. Hierzu hat er neben seinem alten Weggefährten Torsten de Winkel an der Gitarre auch wieder Drummer Oli Rubow ins Boot geholt. Rubow ist Spezialist für elektronische Rhythmen am akustischen Schlagzeug. Welchen Einfluss der Wahl-Frankfurter dabei hat, erkennt der Hörer am akustischen „Ballhaus Rubeau“, ein kurzweiliges Funkstück das akustische und elektronische Einflüsse vermengt.

Ungleich mehr Blues und wieder mit einer sanft singenden Fola Dada kommt „C 64“ daher, das zunächst von einer Trompete getragen wird und dann doch schnell Fahrt aufnimmt. Als ob Hattler die ganze Nachdenklichkeit fast peinlich wäre, legt er das beschwingte „Fine Days“ nach, das auch dank der folgenden Songs, die entweder wieder mehr elektronische Einflüsse aufweisen („Nirvana Club“) oder auf die sanften Momente setzen wie „Patient (Like The Water)“, deutlich hervorsticht und etwas deplatziert wirkt.

So präsentiert sich „The Kite“ bis auf diese einzige Ausnahme als homogene und durchaus gelungene Einheit. Die Unbekümmertheit früherer Tage besitzt die Platte allerdings nicht mehr.

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