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Eine Reise nach Paris mit ganz besonderem Akzent

Von Bei ihrem Liederabend in der Oper Frankfurt sang die englische Sopranistin Alice Coote musikalisierte Gedichte: auf Französisch.

Die Deutschen nennen es Lied, die Franzosen "Mélodie". Und wie in den deutschsprachigen Ländern alle Komponisten bis auf den heutigen Tag die Kunst pflegen, Gedichte zu musikalisieren, geschieht es auch in Frankreich. Vielleicht ist es die an Vokalen und klingenden Konsonanten reichere Sprache, die jenseits des Rheins diese Kunst etwas flüssiger, geschmeidiger auftreten lässt. Die Nasale schieben fast automatisch den Sitz der Stimme nach vorne, "in die Maske", wie die Sänger sagen, was man sich bildlich vorstellen kann: Aus dem Kopfraum drängt der Ton in die Rückseite des Gesichts.

Das erleichtert auch nicht-muttersprachlichen Sängern den Gesang ungemein, wie Alice Coote bei ihrem Liederabend in der Frankfurter Oper bewies. Ganz schnell vergaß man, dass die Mezzosopranistin aus England kommt und genoss das rein französische Programm. Julius Drake, ihr Begleiter, brachte schon bei den einleitenden Liedern Gabriel Faurés den Flügel wie eine Harfe zum Klingen, eine butterweiche Grundlage, auf der sich die Stimme entfalten konnte. Auf der Bühne scheut Coote keine dramatischen Rollen ("Carmen"). In Frankfurt hat sie neben anderem die Marguerite in "La Damnation de Faust" von Berlioz gesungen. Beim Lied pflegt sie jedoch das Intime: stille Töne, ohne im Mezzavoce an Kern zu verlieren, wunderbar ausklingende Schlusssilben (das im Französischen so schwierige stumme "e").

Liebevoll gestaltet Alice Coote jenen melodischen, an der Sprache entlang geführten Duktus, nach denen die französische Liedkunst sich benennt. Einzig die E- und I-Vokale klingen in der Mittellage bisweilen stumpf. Cootes Programm war trotz der Begrenzung facettenreich. Von Berlioz’ melancholisch-depressiven "Nuits d’été" bis hin zu varietéartigen, ohne aufgesetzten Effekt vorgetragenen Gesängen von Poulenc und Satie. Poulencs hinreißende "Voyage à Paris" ließ spüren, warum die französische Hauptstadt kulturelles Zentrum Europas war und ist und warum auch ein multikultureller Musiker wie Reynaldo Hahn dort seine Heimat fand. Vier seiner aparten Lieder, dazu Trouvaillen von Gounod und Saint-Saëns ergänzten den klug und schön zusammengestellten Abend.

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