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Eine einsame Lichtung wird zum Zauberhain

Für seine Arbeiten durchforstete der im Odenwald aufgewachsene Künstler jahrelang die deutschen Mittelgebirge - auf der Suche nach Landschaften der Erinnerung.
Die Magie des Waldes faszinierte Michael Lange schon als Kind. 2009 hat er mit einer Waldserie begonnen. Dieses Foto trägt den Titel „#0252“.	Abb.: L.A. Galerie Die Magie des Waldes faszinierte Michael Lange schon als Kind. 2009 hat er mit einer Waldserie begonnen. Dieses Foto trägt den Titel „#0252“. Abb.: L.A. Galerie

Von Manila nach Shanghai, von Hamburg an die amerikanische Westküste - den Webauftritt des Fotografen Michael Lange eröffnet ein startender Jet. Für seine Bildstrecken in „Stern“ und „Geo“, für seine Fotoshootings von Managern und Wirtschaftsbossen hat er 30 Jahre lang die Kontinente bereist und die Wichtigen der Welt getroffen. Nun hat der Kosmopolit sein ganz persönliches Portfolio geöffnet und zeigt - deutsche Waldeinsamkeit.

Für den Mittfünfziger ist das eine fotografische Rückkehr in die Kindheit. Aufgewachsen im Odenwald bei Heidelberg, streifte er als Junge durchs Gehölz auf der Suche nach der Ruhe und Geborgenheit, die ihm zu Hause oft fehlten. Eine zufriedene Einsamkeit, die er heute in seiner Waldserie findet. Dafür hat Lange drei Jahre lang die deutschen Mittelgebirge durchforstet, war tagelang unterwegs durch Harz, Pfalz und Solling, um genau die richtige Fichtenschonung oder die einsame Lichtung um Buchenwald für seine Bilder auszumachen. Fußmärsche durch Dickicht und Unterholz führten ihn zu den passenden Stellen, das schwere fotografische Gerät transportierte er im Geländewagen. Entstanden ist eine großformatige Bildfolge mythischer, nebliger Rückzugsorte, scheinbar fern der Zivilisation, die bis 13. Juli in der Frankfurter L. A. Galerie zu sehen ist.

 

Äste wie Ärmchen

 

Dunkle Stämme wie einsame Gestalten, dürre Äste wie zittrige Ärmchen, satter Farn wie samtige Wolken - die Assoziationen sind vielfältig. In der moosgrünen Einöde blitzt immer wieder laubfrisches Grün auf, einzelne Blätter als heitere Tupfer im feuchten Grau des Nebelwaldes. Einen sonnigen Forst zu fotografieren, kommt für Lange allerdings nicht in Frage. Seine Gefühle - und um die geht es - spiegeln die zwielichtigen, verdämmerten Wälder wider. Lange erzählt über sich und bietet dem Betrachter an, seine Empfindungen zu teilen. Viele Bilder sind im strömenden Regen oder in der Dämmerung entstanden. Die Schauer, die auf den Bildern meist nicht zu sehen sind, brechen das Licht und dämpfen die Farben. „Ich war draußen, wenn niemand mehr im Wald sein will“, erklärt er sein Faible für die Unwirtlichkeit, die er als friedvoll empfindet. Die Bilder, die eine fast unheimliche Stille ausstrahlen, werfen auch den Besucher auf sich selbst zurück. Sie machen die tägliche Bilderflut vergessen, lassen das Auge zur Ruhe kommen.

Einzelne Aufnahmen, die alle ohne Titel bleiben, erinnern durch digitale Bearbeitung an pointilistische Gemälde: Im Vordergrund das Laub wie mit dem Pinsel aufgetupft, im Hintergrund wabern pastellfarbene Schwaden. Die elektronische Manipulation ist für Lange kein Makel, im Gegenteil. Manchmal werden erst im Studio aus realen Waldlichtungen überirdische Zauberhaine.

 

L. A. Galerie, Domstraße 6, Frankfurt.
Bis 13. Juli, dienstags bis freitags 12-19 Uhr, samstags 11-16 Uhr. Telefon (069) 28 86 87. Internet www.lagalerie.de

 

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