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Konzert: Eine gute Nase für elegische Melodien

Von Carla Bruni hatte in der Frankfurter Jahrhunderthalle einen schönen Konzertauftritt, der mehr Publikum verdient hätte.
Die Musikerin Carla Bruni, Ehefrau des französischen Ex-Präsidenten Sarkozy, hat für ihr Publikum immer ein Lächeln übrig. Foto: Aristidis Vafeiadakis (ZUMA Wire) Die Musikerin Carla Bruni, Ehefrau des französischen Ex-Präsidenten Sarkozy, hat für ihr Publikum immer ein Lächeln übrig.
Frankfurt. 

Mit dem Segen Gottes kann man nicht falsch liegen. Setzt man Gott der Einfachheit halber mit Mick Jagger gleich, lief sein Segen zeitgemäß als Tweet bei Carla Bruni ein: „I like the french touch you have given to it“, lobte er ihre Coverversion seines „Stones“-Titels „Miss You“. Die kommt auf Brunis „French-Touch“-Welttour ja direkt vor den Zugaben. Die Liedfolge war jedenfalls dieselbe wie zwei Tage zuvor in Wien, nur eine Zugabe (zuletzt: Leonard Cohens „Hallelujah“) kürzer. Vielleicht, weil Karten übrigblieben? Wohl darum sprang der Funke leider zögernd über.

Englisch wie jetzt auf „French Touch“ singt und covert die Bruni schon lang, neben eigenen Liedern auf Französisch und Italienisch. Das ist auch eine Marktfrage. Folglich mussten ein paar Country-Klassiker wie Willie Nelsons „Crazy“ und „Stand By Your Man“ mit. Letzteres klang aber selbst in Brunis Mund noch wie der kulturelle Plumpsack, der es eben ist. Da kamen „Enjoy The Silence“ von „Depeche Mode“ und Lou Reeds schwebende Glückshymne „Perfect Day“ besser an. Auch ein Filmsong wie „Moon River“ gefiel. Von „Abba“ kam „The Winner Takes It All“, „Love Letters“ (von 1945) weckte Nostalgie.

Die Live-Begleitung durch Cyril Barbessolja (Piano, Keys, Akkordeon, Trompete), Johanne Mathalyja (Cello, Bassgitarre: ungewöhnlich), Nicolas Didier (Drums) und Taofik Farahja (Akustikgitarren) verfiel selbst bei Punk- und Hardrock-Titeln wie „Jimmy Jazz“ und „Highway To Hell“ („The Clash“, „AC/DC“) nie ganz dem angelsächsischen Exzess. Los ging es übrigens mit „Le chemin de rivières“: im Niemandsland von Chanson und Sinatras „My Way“. Mit einem Gitarrensound à la Django Reinhardt hier und klassischem Cello da, die Drums zärtlich-sanft, der Flügel glücklicher im Chanson: So kam ein rundes Konzert vieler Facetten zustande. Carla Bruni streute eigene Titel ein. Ihr wunderbares „Quelqu’ un m’a dit“ war dabei und eine Handvoll Liebeslieder mit komisch-surrealer Note bis lustvoller Agrammatikalität („Ta tienne“).

Immer noch strahlt „Quelqu’un m’a dit“ den inneren Liebreiz dieses Ex-Models aus talentierter Familie aus, das eine gute Nase für elegische Melodien und träge fallende Rhythmen hat. Schön, dass sie wieder singt: fünf Jahre nach der Präsidentschaft ihres Mannes Nicolas Sarkozy in Frankreich, den sie in der Jahrhunderthalle als „Un garçon triste“ besang. Da verzeiht man ihm fast die Liebesworte für „my man, mon mec“, die Carla allenthalben fallen ließ wie Rosenblüten.

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