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Projekt: Einer Oper in Offenbach? Warum nicht!

Auf einer Brachfläche im Offenbacher Hafen sollen Performances und Skulpturen eine Vision von Musiktheater entstehen lassen. Mit dem mehrwöchigen Ereignis "Oper Offenbach" erschafft "YRD. Works" ein analytisches Gesamtkunstwerk auf der Insel-Spitze.
Auf der Inselspitze im Offenbacher Hafen soll eine Oper entstehen. Dazu plant ein Künstlerkollektiv vier Raumskulpturen. Auf der Inselspitze im Offenbacher Hafen soll eine Oper entstehen. Dazu plant ein Künstlerkollektiv vier Raumskulpturen.

Bei „Oper“ denkt man spontan an Musiktheaterwerke, von denen eines auf der Hafeninselspitze dargeboten werden könnte. „YRD.Works“, das sind Yacin Boudalfa, Ruben Fischer und David Bausch, gehen die Sache jedoch völlig anders an.

Zwar kamen bei der gestrigen Eröffnung auch Opernsängerinnen zum Einsatz: zum ersten und letzten Mal. Ansonsten fällt dem Trio und weiteren Künstlern zum Stichwort „Oper“ aber die Oper als Bau und Ort ein, was die vier Projektstufen vorgab. Gestern war dies Bau-Abschnitt 1: „Prospekt“ (erneut am 17. Juni, mit Designern von „Profi Aesthetics“ und Fotograf Simon Keckeisen). Bis Mitte Juli folgen „Graben“ (mit dem „Olmo“-Orchester: 23. Juni), „Loge“ (die „Nocturnes I-III“ am 29. und 30. Juni sowie 7. Juli) und endlich „Bühne“ (Band „Baby of Control“: 13. Juli).

Kreativer Größenwahn

Um einzuordnen, was uns erwartet, ist der Satz des Tages hilfreich, gesprochen von Mousonturm-Intendant Matthias Pees. Das Frankfurter Künstlerhaus beschließt ja mit „Oper Offenbach“, die vom Kulturamt Offenbach mitgetragen wird (als Förderer dabei: Bundeskulturstiftung, Kulturfonds Frankfurt-Rhein-Main und Stiftungen), eine „gegenseitige Residenz“ mit „YRD.Works“, mit Anna Wagner als teilnehmender Dramaturgin aus dem Mousonturm. Pees bezeichnete das Trio und die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), aus deren Dunstkreis es kommt, als „noch freiere Künstlerszene“ oder „Künstlerhaus 2.0“. Pees: „Wir fühlen uns der Szene um die HfG in vielem näher als Teilen der Frankfurter Szene.“

Weil die HfG von den bildenden und angewandten Künsten wie Design und Fotografie geprägt ist, fühlt sich auch „Oper Offenbach“ wie die Bilanz eines Künstler-Brainstorming an und folgt konzeptuell einer Art Traumlogik. Wem zu „Oper“ Bühnen-Prospekte einfallen, die er sprachspielerisch zu Werbe-Prospekten weiterdenkt, um im Ergebnis hafennahe Fotomotive auf großen Billboards (Werbeflächen) anzubringen, die wiederum wie Szenenhintergründe funktionieren und vom Mainufer und der Kaiserleibrücke aus genauso wirken mögen, der denkt eben visuell, assoziativ, bildhaft.

Für Ruben Fischer hat „YRD.Works“ mit Oper an sich gar nichts zu tun. Als die Gruppe nach den „Seefestspielen“ 2017 trotzdem darauf verfiel, das Prinzip Oper zu überbieten, hatte das etwas von kreativem Größenwahn. Daher wohl auch Fischers Formel, man wolle „die Opern-Architektur aufdröseln“: statt Oper als Gesamtkunstwerk ein Nacheinander zerlegter Baustufen, eine Art künstlicher romantischer Ruine. Ursprünglich, nach einer Führung durch die Oper Frankfurt, habe man deren Drehbühne, die mit 37 Metern zweitgrößte weltweit, übertreffen wollen. Das war so nicht machbar und führte doch zu einer Lösung. Nun deutet eine Baustufe das Rund an, stellt die Sache aber auf den Kopf: mit Publikum in der Mitte und der Band „Baby of Control“ rundum.

Schlafen in der Loge

Ähnlich bei „Graben“ und „Loge“. Auch sie bringen uns Bilder, fast Klischees vor Augen. Der Orchestergraben, den Richard Wagner erfand, um das Orchester verschwinden zu lassen wie Filmmusik vor dem Film, wird als Raumskulptur sichtbar und bringt zum Klingen, „wovon dieser Graben träumt“: Mozart und Bizet, Mascagni, „Tell“ und Ennio Morricone. „Loge“ erstellt auf dem mit Sand aus Zeiten des „King Kamehameha Beach Club“ nebst Treppe ausgestatteten Baugrund etwas, das den Charme eines sozialistischen Hotels ausstrahlen soll. Logenmietern soll hier endlich erlaubt sein, „was sonst verpönt ist: in der Oper zu schlafen“.

Bevor sich die spekulationsträchtige Inselspitze der Kunst wieder entzieht, bietet „Oper Offenbach“ eine letzte Gelegenheit, am temporären Kunst-Ort zu allen Tageszeiten (Soiree, Matinee, Nocturnes) einen zerlegten Opernbau zu erleben: in Raum und Skulptur, als Konzert und Aktion, in immer neuer Perspektive. dek

Oper Offenbach: Hafeninsel, Westspitze. Daten und Eintritt: 17. Juni, 12–16 Uhr: "Prospekt" (frei). 23. Juni, 16 Uhr: "Graben" (frei). 29. und 30. Juni, 7. Juli, jeweils 22 Uhr: "Loge" (9–19 Euro). 13. Juli, 21 Uhr: "Bühne" (7 Euro). Infos und Karten unter: (069) 80 90 93 14, www.mousonturm.de, www.operoffenbach.yrd.works.

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