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Studiobühne Mainz: Einschläge in die heile Familienwelt

Von Hausregisseur K. D. Schmidt inszeniert das lebensnahe Drama in deutscher Erstaufführung auf der Studiobühne des Staatstheaters.
Noch ist Rosie (Paulina Alpen) unbeschwert. Noch ist Rosie (Paulina Alpen) unbeschwert.

Dieses Stück ist aus dem Leben gegriffen. Vielleicht bedarf es deshalb keines großen Aufwands, um einen zu packen. Regisseur K. D. Schmidt inszeniert das von dem australischen Autor Andrew Bovell verfasste Bühnenwerk „Dinge, die ich sicher weiß“ bei seiner deutschen Erstaufführung im kleinen U 17 des Mainzer Staatstheaters auf einer blanken, weißen Plattform. Die auf die Zuschauer zulaufende Schräge deutet an, dass die Familie, von der erzählt wird, zu stürzen droht. Nur wenige Utensilien illustrieren das Geschehen. Es ist der Text, auf den man sich – in der Übersetzung von Maria Harpner und Anatol Preissler – verlässt und der knappe 100 Minuten zu fesseln vermag.

Nesthäkchen Rosie (Paulina Jolande Alpen) ist vorzeitig von einer Europareise ins Elternhaus zurückgekehrt. Ein Betrüger, der mit ihrer Liebe spielte, hat das naive Mädchen mit den unschuldigen Kulleraugen nach Geborgenheit streben lassen. Doch das vermeintlich intakte Innenleben der Sippe geht Stück für Stück in die Brüche.

Der von Rosie so angehimmelte ältere Bruder Mark (Vincent Doddema) fühlt sich im Körper eines Mannes nicht mehr wohl und peilt eine weibliche Identität an. Der jüngere Ben (Julian von Hansemann) verliert seine zur Schau getragene Coolness und Lässigkeit ganz schnell, als eine seiner Leidenschaft für teure Autos geschuldete Unterschlagung ihn ins Gefängnis zu bringen droht. Und die resolute Schwester Pip (Kristina Gorjanowa) verlässt Mann und Kinder, um im kanadischen Vancouver ihre berufliche Karriere voranzutreiben.

Die Eltern reagieren auf die Einschläge in ihre heile Welt unterschiedlich. Bob (Martin Herrmann), der gutmütige Vater, der nach dem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Arbeitsalltag in einer Autofabrik in der Pflege seines Rosengartens einen neuen Sinn zu finden versucht, würde sie gerne negieren. Doch das Gebaren seiner Söhne beschwört auch bei ihm Zorn herauf.

Mutter Fran (Anna Steffens), als Krankenschwester noch immer im Dienst, bemüht sich derweil mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, das einst so harmonische Konstrukt zusammenzuhalten. Sie tröstet und umarmt, schimpft und wütet, aber vor allem kämpft sie wie eine Löwin darum, dass ihren Kindern nichts Böses geschieht.

Rosie nimmt dabei vor allem eine Beobachterrolle ein. Das macht zu Beginn auch ihr Outfit deutlich. Kostümbildnerin Maren Geers hat ihr einen blassrosa Tüllrock und ein mit Blumen verziertes, weißes T-Shirt verpasst, während der Rest des sechsköpfigen Ensembles, ob als Gartenschürze oder Kleid, Blau trägt. Irgendwann wechselt die Kleinste die Farbe, und doch bleibt sie immer ein bisschen außen vor und kommt in all den Verwirrungen offenbar am besten zurecht. Es entwickelt sich ein klug konstruiertes, zeitgemäßes Drama, das unter die Haut geht – gerade weil es sich in so einer sterilen Atmosphäre abspielt und nichts davon ablenkt, wie kompliziert das Zusammenleben manchmal ist.

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