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Eltern sind was Sonderbares

Von Gabriel Julien-Laferrière zeigt, wie witzig eine Wohngemeinschaft aus Kindern und Jugendlichen sein kann, wenn die Erziehungsberechtigten weit weg sind.
Sophie, Philippe, Agnès, Hugo und Madeleine (von links). Foto: Jean-Claude Lother (Neue Visionen Filmverleih) Sophie, Philippe, Agnès, Hugo und Madeleine (von links).

Sich auf dem Standesamt das Ja-Wort zu geben, ist schon lange nichts Besonderes mehr. Schaut man sich Sophie (Julie Gayet), die Mutter von Bastien (Tei-lo Azais) an, bestätigt sich dies. Bevor Sophie mit Hugo (Lucien Jean-Babtiste) ihren Sohn Gulliver (Sadio Diallo) bekam, war sie mit dem Frauenhelden Philippe (Thierry Neuvic) und dem nicht sonderlich attraktiven, aber lieben Claude (Philippe Katerine) verheiratet. Aus Sophies erster Ehe ging Bastien hervor. Der mittlerweile 13-Jährige darf sich aber nicht nur über seine temperamentvolle Halbschwester Clara (Violette Guillon) freuen, sondern auch über weitere Halbgeschwister und Cousinen. Zu ihnen kommen noch deren Eltern oder Stiefeltern dazu. Bei so vielen Menschen in einer Patchwork-Familie wird es auch für Sophies lebenslustige Mutter Aurore (Chantal Ladesou) unübersichtlich. Merken kann sie sich die Namen ihrer Enkel und Stiefenkel kaum.

Ein richtiges Zuhause haben diese Kinder und Jugendlichen nicht. An den Wochenenden müssen sie quer durch Paris reisen, um zu ihren Vätern oder Müttern zu gelangen, deren Leben selten in geordneten Bahnen verläuft. Wie sollten sich diese Erwachsenen dann noch ordentlich um ihren Nachwuchs kümmern? Ist diesem Wirr-Warr ein Ende zu bereiten? Bastian hat die zündende Idee! Eine große und wunderbar eingerichtete Wohnung einer verstorbenen Großmutter steht leer. Hier zieht Bastian mit den sechs Scheidungskindern an den Wochenenden ein. Die ahnungslosen Eltern werden geschickt beschwindelt. Leider klappt das nicht sehr lange. Aber zusammen mit den Erwachsenen finden die Kinder eine Lösung . . .

In der Tat ist es nicht ganz leicht, den Überblick über all die Figuren zu bekommen, die sich in Gabriel Julien-Laferrières Komödie auf der Leinwand tummeln. Aber immerhin hat sich ein vierköpfiges Drehbuchteam für fast jeden von ihnen markante Charaktereigenschaften ausgedacht. Somit werden sie leicht voneinander unterscheidbar – wenn auch nicht immer sofort klar wird, in welchem Verwandtschaftsverhältnis die einzelnen Figuren zueinander stehen. Vielleicht ist dies aber auch so gewollt. Schließlich spiegelt sich darin die chaotische Grundstruktur dieser Patchwork-Familie. Erzählt wird deren leicht märchenhafte Geschichte aus der kindlichen Perspektive. Und tatsächlich merkt man dies dem Schauspiel der jungen Darsteller und Darstellerinnen an. Sehr natürlich und glaubhaft wirken sie in all ihren Gesten und Dialogen. Aber auch den Erwachsenen in diesem Ensemble sieht man den Spaß an „Wohne lieber ungewöhnlich“ an.

Allzu tiefsinnig wird es im Verlauf der turbulenten Handlung natürlich nicht. Das betrübt aber nicht weiter. Allerdings fehlen dem Film Momente, in denen er dem Zuschauer etwas mehr Zeit zum Durchatmen lässt. Zwischentöne, von denen dieser Film ein paar sehr gelungene hat, kann man somit leicht überhören. Was bleibt, ist eine charmante Komödie, die an trüberen Sommertagen für sonnige Laune sorgen kann. Annehmbar

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Frankfurt: Cinema (D+OmU), Metropolis. Sulzbach: Kinopolis. Limburg: Cineplex. Hanau: Kinopolis. Mainz: Cinestar

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