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Konzert in Mannheim: Elton John: An Mikrofon und Tasten brillant

70 Jahre ist Sir Elton John inzwischen alt. In der Mannheimer SAP-Arena beweist er jedoch, dass er nichts verlernt hat.
Immer noch mit Raketenantrieb: Elton John in der Mannheimer SAP-Arena. Foto: Sven-Sebastian Sajak Immer noch mit Raketenantrieb: Elton John in der Mannheimer SAP-Arena.

Mit großem Elan entert Elton John die Bühne, funkelt glamourös im maßgeschneiderten Gehrock samt brillantbesetzten Brillengläsern und legt pünktlich wie ein Maurer um 19.30 Uhr los. Zu jenem Zeitpunkt sind zwar noch längst nicht alle 9000 Besucher in der Mannheimer SAP-Arena versammelt, weil offiziell ja erst da das Vorprogramm mit Jake Isaac starten soll. Zumindest stand es so seit Wochen auf der Homepage des örtlichen Veranstalters.

Doch da Elton John nach jedem Gastspiel in Deutschland noch am selben Abend mit Privatjet zurück ins heimische England zu Ehegatte David Furnish und den beiden Söhnen Zachary Jackson Levon und Elijah Joseph Daniel fliegt, wurde der Konzertbeginn mal eben kurzerhand vorverlegt.

Manch ein von weit her angereister Fan wird still vor sich hingeflucht haben, weil er so das erste Drittel der zügig abgespulten Retro-Pop-Rock-Werkschau verpasst hat, die bis auf wenige Ausnahmen, darunter „I Guess That’s Why They Call It The Blues“, „Sad Songs (Say So Much)“ und „I’m Still Standing“, fast ausschließlich Material aus Mr. Johns kreativer Hochphase in den siebziger Jahren zeigt.

Elton John und seine fünf Begleiter eröffnen betont verrockt mit „The Bitch Is Back“ von 1974, ein überaus ironisches Porträt des Lebensstils des seinerzeit schon zum weltweiten Superstar aufgestiegenen Künstlers mit handfester Kokainsucht. Langzeittexter Bernie Taupins damalige Ehefrau Maxine Feibelman titulierte Elton Johns berüchtigte Anfälle von akuter schlechter Laune so.

Vom ersten Takt von „The Bitch Is Back“ an schaltet das mit Gitarrist Davey Johnstone, Bassist Matt Bissonette, Keyboarder Kim Bullard, Schlagzeuger Nigel Olsson und Perkussionist John Mahon komplettierte wie exzellent aufeinander eingespielte Sextett von Null auf 100. Zumal der Chef sowohl am Mikrofon als auch auf den schwarzweißen Tasten regelrecht brilliert. Stimmlich kraftvoll ohne Aussetzer und mit leichtflüssigem Klavierspiel überzeugt der Multimillionär auf ganzer Linie.

Zudem erweist sich die Akustik in der Mehrzweckhalle als ausgezeichnet. Unmittelbar über springt der zündende Funke vom Ensemble auf das Publikum, das schon beim zweiten Song, dem rhythmisch vertrackten „Bennie And The Jets“, anfängt, seine Teilhabe an der mit prächtigen Hintergrundprojektionen ausgestatteten Multimediashow einzufordern: Kollektiv mitgesungen, ausgiebig getanzt, vehement applaudiert und herzhaft viel gelacht wird beim ausgelassenen Partyvergnügen mit Onkel Elton als Zeremonienmeister. Immerhin hatte der im vergangenen März runde 70 Jahre alt gewordene Sänger, Pianist und Komponist ja thematisch eine „Wonderful Crazy Night“ angekündigt.

Imposante Gestik

Sein Versprechen eingelöst, zeigt Elton John über Großbildprojektionen freudig sein prägnantes Zahnlückenlächeln. Mit einem Ruck springt Elton John vom Klavierstuhl seines schwarz lackierten Yamaha-Flügels auf und würdigt die jeweiligen Standing Ovations seines Mehrgenerationenpublikums mit imposanter Gestik.

Weit oben auf seiner Beliebtheitsskala befindet sich das Deuten auf einzelne Zuschauer – das schafft gezielte Intimität. Mitunter, wenn ihm ein Song besonders gelungen erscheint, schlägt er mit lautem Karacho den Flügeldeckel zu.

Stilistisch unterfüttert sich das energisch energiegeladene Showgebaren durch mehrere Varianten: Als gefühlvoll zart erweisen sich „Daniel“ und „Your Song“. Ebenfalls balladesk, aber ziemlich kraftvoll gelingen die jeweils mit instrumentalem Mittelteil ausgestatteten Fanfavoriten „Levon“ und „Tiny Dancer“ vom vierten Studioalbum „Madman Across The Water“.

Ewig nicht gespielt

In Richtung Unendlichkeit hebt auch „Rocket Man (I Think It’s Going To Be A Long, Long Time)“ ab. Als vom Gospel inspiriert zeigen sich die Klassiker „Take Me To The Pilot“ und „Burn Down The Mission“. Doch vor allem die gnadenlosen Rocker „Crocodile Rock“, „Your Sister Can’t Twist (But She Can Rock ’n’ Roll“ und „Saturday Night’s Alright For Fighting“ locken das ohnehin sich schon im Freudentaumel befindliche Publikum noch mehr aus der Reserve.

Zwischendurch überrascht Elton John auch mal mit einem Stück, das er schon ewig nicht mehr gespielt hat: „Have Mercy On The Criminal“ stammt aus dem Album „Don’t Shoot Me I’m Only The Piano Player“ von 1973. „Don’t Let The Sun Go Down On Me“ widmet er dem im vergangenen Dezember verstorbenen George Michael. Zur finalen Zugabe serviert der Superstar die weltweit bestverkaufte Single aller Zeiten im Alleingang: „Candle In The Wind“, die ursprünglich für Marilyn Monroe komponierte, dann auf Prinzessin Diana umgedeutete Hommage, beginnt nun wieder mit den Zeilen „Goodbye Norma Jean though I never knew you at all.“

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