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Exzentriker, Mystiker, Genie: Erste große Prince-Biografie auf Deutsch kommt auf den Markt

Zum ersten Todestag des genialen Musikers Prince beleuchtet die jetzt auf Deutsch erscheinende Biografie von Matt Thorne eine atemberaubende Weltkarriere.
Einzigartig, unvergessen: Prince. Er starb vor einem Jahr. Foto: Neil Lupin (Redferns) Einzigartig, unvergessen: Prince. Er starb vor einem Jahr.

Wenn nachts das Telefon klingelte, war es vorbei mit dem Schlaf. Am anderen Ende der Leitung war Prince. Ihn zog es in die Nachtclubs. Dort ließ er sich gern von der Atmosphäre und den Gästen inspirieren. Für seiner Begleiter war das ermüdend. Denn Prince hockte die ganze Zeit in einer Ecke, trank nicht, tanzte nicht, redete nicht, beobachtete aber umso intensiver Frauen. Freunde waren bald gelangweilt, die Angestellten und Feiernden mächtig genervt. „Warum setzt er sich zum Leutebeobachten nicht auf eine Parkbank?“, dachten sie.

Aber störte es Prince Rogers Nelson, als der er am 7. Juni 1958 in Minneapolis geboren wurde, was die anderen über ihn redeten oder dachten? Nein. Prince lebte nach seinen Prinzipien und gehorchte nur seinen Regeln. Und der Ruhm gab ihm Recht. Matt Thorne gelangt in seiner pünktlich zum ersten Todestag des musikalischen Universalgenies am 21. April auf Deutsch erscheinenden Biografie zu dem Urteil: „Wenn ich definieren müsste, was Prince zum perfekten Popstar macht, was ihn über David Bowie oder Madonna oder andere wenige große Rivalen stellt, so ist es das, dass sein Wunsch zu beeindrucken, sein selbstdarstellerisch-angeberischer Stil definitiv keine Grenzen kennt“. Mick Jagger, Paul McCartney, Elton John oder Barack Obama hatten Prince nach seinem plötzlichen Tod durch eine Schmerzmittelüberdosis gefeiert. Doch was dieses anderthalb Meter kleine Männlein namens Prince zum Giganten machte, versucht Thorne nun akribisch zu ergründen: Sänger, Multiinstrumentalist, Komponist, Texter, Arrangeur, Produzent, Schauspieler, Regisseur einerseits – Verführer, Narziss, Rebell, Exzentriker, Mystiker, Illusionist, Sexgott andererseits. Dabei geht es Thorne wenige um das Leben von Prince als um das Gesamtkunstwerk Prince, das sich aus Musik, Videos, Filmen, Konzerten, Einflüssen, Inszenierungen und vielem mehr zusammensetzt.

Im eigenen Universum

Der Ansatz ist klug gewählt, denn Privates hat Prince kaum preisgegeben, und wenn, dann oft nur, um an seinem Image zu basteln. Der Musiker entkoppelte sich zunehmend von der Welt, schuf sich seine eigene Wirklichkeit, sein eigenes Universum, in das die Realität nur sehr gefiltert eindrang. In der Biografie kommen deshalb insbesondere jene ausgiebig zu Wort, die dem „Prinzen“ sehr nahestanden. So verknüpfen sich unterschiedliche Stimmen, unterschiedliche Meinungen und Positionen zu einem vielschichtigen Bild. Chronologisch arbeitet sich der 1974 geborene englische Journalist und Romanautor durch das monumentale Werk. Prince, der mit fünf Jahren seinen Vater als Jazzmusiker auftreten sieht und mit sieben Jahren seinen ersten Song schreibt, vermarktet sich zwar früh als Wunderkind, befördert sein Talent aber mit harter Arbeit, Disziplin und Perfektionismus. Prince war ein Workaholic. Fast 900 Songs hat er veröffentlicht (und noch viel mehr geschrieben). 39 eigene Alben hat er aufgenommen, mehr als 30 Tourneen bestritten (um nur sein Kerngeschäft zu nennen) – in 57 Lebensjahren.

Am 21. April jährt sich der erste Todestag von Prince. Foto: Balazs Mohai
Gericht stoppt Veröffentlichung neuer Prince-Songs

Es sollte ein Trost sein für Prince-Fans: Ein Jahr nach dem Tod der Pop-Ikone sollten bislang unveröffentlichte Songs auf den Markt kommen. Doch daraus wird offenbar nichts.

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Der Durchbruch zum Megastar war aber erst durch MTV möglich, als die Heavy Rotation des expliziten Videos zum expliziten Song „Little Red Corvette“ Massen von Teenagern erreichte – und begeistert. Wie ernst und gründlich Matt Thorne in dieser umfassend beschreibenden, erklärenden und einordnenden, an Ereignissen und Menschen reichen Künstlerbiografie vorgeht, zeigt sich etwa bei der Aufbereitung der Londoner Serie aus 21 Shows und 14 Aftershows 2007. 19 von 21 Shows, 13 von 14 Aftershows hat er selbst besucht und dokumentiert sie auf 25 Seiten: Show für Show, Tag für Tag, Rezension für Rezension. Sieben lange Jahre hat Thorne insgesamt für seine mehr als 500 Seiten dicke Studie samt Fußnoten recherchiert. Sie liefert ein derart komplexes Panorama, dass selbst Fans und Experten zufriedengestellt werden. Einfach macht es sich diese Biografie nicht, zur flüchtigen Bespaßung des Lesers ist sie wenig geeignet. Aber gerade damit wird sie der einzigartigen Unterhaltungskunst des amerikanischen Musikers Prince gerecht.

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