E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 28°C

Literaturturm: Erzählend basteln wir am Lebenslauf

Von In den Türmen der Stadt Frankfurt und an lauschigen Orten der Rhein-Main-Region kann man auf der Literatur-Biennale auch in diesem Jahr zahlreiche Schriftsteller kennenlernen.
Felicitas Hoppe spielt in ihren Texten mit ihrem autobiografischen Ich. Jüngst erschien ihr Buch „Prawda“ über eine Amerikareise. Bilder > Foto: SWR - Südwestrundfunk (SWR) Felicitas Hoppe spielt in ihren Texten mit ihrem autobiografischen Ich. Jüngst erschien ihr Buch „Prawda“ über eine Amerikareise.

Biografien haben Hochkonjunktur. Das ist verständlich, denn die Lebensgeschichten großer Politiker oder Künstler erklären uns das Leben exemplarisch. Tausendseitige wissenschaftliche Monografien und dickleibige Romane finden ihren Weg zum Leser, weil sie ein Bedürfnis nach Zusammenhang befriedigen. Offenbar wird dies umso dringlicher, je brüchiger wir die Grundlagen unserer eigenen Lebenszusammenhänge empfinden.

Zurecht nimmt sich daher das „Literaturm“-Festival des bis in die 80er Jahre hinein verpönten Genres an. Vom 4. bis zum 10. Juni präsentiert es in Frankfurt sowie in Eppstein, Offenbach, Wiesbaden, Oberursel, Hochheim, Hanau, Bad Vilbel, Bad Soden, Oestrich-Winkel und Darmstadt zahlreiche Autoren, die Lebensgeschichten erzählen.

Den Auftakt macht Felicitas Hoppe, die mit der Komponistin Iris ter Schiphorst ein Lesungskonzert gestaltet hat. Die Aufführung mit dem Ensemble Modern kann man im Dominikanerkloster erleben. Patrick Bahners und Thomas Karlauf haben Bücher über die Kanzler Helmut Kohl und Helmut Schmidt verfasst. Sie diskutieren am 5. Juni. Oliver Hilmes (ebenfalls 5. Juni) hat zahlreiche Biografien geschrieben, über Liszt, Alma Mahler-Werfel und Cosima Wagner. Ralf Rothmann versetzt sich in seinem neuen Roman „Der Gott jenes Sommers“ in ein zwölfjähriges Mädchen, das die letzten Kriegsmonate des Zweiten Weltkriegs erlebt.

Erinnern heißt: deuten

Der unangepasste Zeitkritiker Karl Heinz Bohrer deutet sich mit „Jetzt. Geschichte meines Abenteuers mit der Phantasie“ sein eigenes Leben (5. Juni). Der Historiker Magnus Brechtken räumt in seiner Biografie über Hitlers Architekten Albert Speer mit der Legende vom guten Nazi auf (5. Juni).

Anderes hat Dominik Bloh im Sinn, der mit schwer erziehbaren Jugendlichen arbeitet und mit „Unter Palmen aus Stahl“ im Diakoniezentrum Weser 5 vom Leben ohne Wohnung erzählt. Zuvor gibt es eine Stadtführung, die an Orte von Obdachlosen führt (5. Juni).

Am 6. Juni gibt es einen Abend zu Karl Marx mit seinen Biografen Jürgen Neffe, Eva Weissweiler und Uwe Wittstock. In der Eppsteiner Burgvilla stellt Hans Pleschinski seine Romanbiografie „Wiesenstein“ über Gerhart Hauptmann vor (6. Juni) – der Versuch, sich mit Fiktion und Fakten dem Nobelpreisträger in den letzten Kriegsjahren anzunähern. In der Evangelischen Akademie liest Josef Winkler (7. Juni), der sich auch in seinem jüngsten Roman mit seinen Obsessionen Tod und Schuld sowie seiner Familiengeschichte beschäftigt.

Beim Thema Biografie darf selbstverständlich Andreas Maier nicht fehlen. Der Ex-Frankfurter liest in Oberursel aus „Die Universität“ (7. Juni), jüngstes Buch seines auf elf Bände angelegten autobiografischen Heimatsuchprojekts.

Fiktive Näherungen

Klaus Modick lässt im Offenbacher Klingspor-Museum den Schriftsteller Eduard Keyserling lebendig werden (7. Juni), Durs Grünbein erinnert sich in „Die Jahre im Zoo“ an seine Kindheit in Dresden (8. Juni). Um die Erforschung des eigenen Lebens geht es auch Ijoma Mangold, der in Heidelberg bei seiner deutschen Mutter aufwuchs und seinen nigerianischen Vater erst spät kennenlernte (8. Juni).

Helmut Lethen blickt mit seiner fiktiven Vierer-Biografie „Die Staatsräte“ über Gustaf Gründgens, Wilhelm Furtwängler, Carl Schmitt und Ferdinand Sauerbruch auf die intellektuelle Elite der Weimarer Republik (8. Juni), Eva Demski stellt in Hochheim ihre unsentimentalen Erinnerungen „Den Koffer trag ich selber“ vor (8. Juni). Der große Frankfurter Autobiografie-Maniker Peter Kurzeck starb 2013. An seinem 75. Geburtstag (10. Juni) warten ihm drei Experten auf.

Um die Frage, was von Rudi Dutschke und 1968 bleibt, geht es am 10. Juni mit Gretchen Dutschke. Und das biografische Finale darf Martin Walser mit seinem Sohn Rudolf Augstein bestreiten. Gemeinsam hatten sie im vergangenen Jahr das Erinnerungs-Gesprächsbuch „Das Leben wortwörtlich“ veröffentlicht.

Literaturm

4.–10. Juni. Das ganze Programm: www.literaturm.de. Dort Tickets, oder über Adticket, Telefon 01 80–6 05 04 00

Zur Startseite Mehr aus Kultur

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen