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Konzert: Es klingt nach wilden Pflaumen

Auch wenn meist kerniger Blues und Southern Rock auf dem Programm der „Wunderbar Weiten Welt“ steht, brachten Mark Olson und Ingunn Ringvold eher subtile Songwriter-Kunst nach Eppstein.
Der Amerikaner Mark Olson hat den Blues. Der Amerikaner Mark Olson hat den Blues.

Mark Olson verließ „The Jayhawks“ schon 1995, aber die Zeit mit den Americana-Pionieren und der damit verbundene Kultstatus hängen ihm noch immer nach. Ein paar seiner alten Lieder spielt er auch weiterhin, „Blue“ etwa oder „Pray For Me“, auch „Black Eyed Susan“ und – als „Golden Oldie“ angekündigt – „Clouds“. Nur mit dem Alternative Country hat der Mann aus Minnesota spätestens mit den „Original Harmony Ridge Creekdippers“ mit seiner Ex-Frau Victoria Williams abgeschlossen.

Mit seiner neuen Muse, der Norwegerin Ingunn Ringvold, ist Olson in andere Gefilde aufgebrochen. Die Puristen im Publikum staunen nicht schlecht, was die Zwei neben den gewohnten E-Gitarren mit auf die Bühne bringen: eine afrikanische Djembé-Trommel, eine Appalachen-Dulcimer, eine armenische Kastenzither Kanun und ein unscheinbares, kleines Keyboard mit den Original-Sounds von Mellotron und Chamberlin für wunderschöne Streicher- und Flötenorchestrierungen. Dieses Instrumentarium setzen sie in immer wieder unterschiedlichen Kombinationen ein. Das sorgt für Abwechslung und Rätselraten bei den Zuhörern: Ist das am Ende jetzt „Weltmusik“?

Das wäre weit über das Ziel hinausgeschossen. Zwei Besucher liefern, ohne es zu ahnen, den Schlüssel zum Verständnis von Olson und Ringvolds Tun. „Sind die beiden auch privat ein Paar?“, flüstert er seinem Gegenüber ins Ohr. „Sie sehen so glücklich aus.“ Man sieht es, wie sie miteinander kommunizieren, Blicke austauschen, grinsen, sich am Spiel des Anderen erfreuen. Sie scheinen sich selbst zu genügen, wollen ihre Songs aber auch mit den Anwesenden teilen. Das klingt mitunter, als säße man bei Olsons am Küchentisch oder auf der Veranda draußen im kalifornischen Joshua Tree, würde Zeuge, wie sie gerade mal eben neue Lieder aus dem Ärmel schütteln.

Mit ihrem „Desert Folk“ möchten sie die Welt erkunden, sind so auch der Magie und Mystik anderer Kulturen auf der Spur, finden den Zauber auch mal vor der eigenen Haustür, wenn plötzlich die Wüste für kurze Zeit mit wunderschönen gelben Blüten überzogen ist. Darüber muss man natürlich ein paar Zeilen schreiben und vertonen, genauso wie über einen dreisten Apfeldieb, so geschehen für das aktuelle Album „Spokeswoman Of The Bright Sun“, auf dessen Cover auch die Blumenpracht zu sehen ist. Das hat was charmant „hippieeskes“ mit all den Kolibris, Mohnblumen und wilden Pflaumen in den poetischen Texten, und erinnert dann an britischen Folkrock der Sechziger. Schon da überbrückten progressive Kollektive wie „The Incredible String Band“ Raum und Zeit bis zurück in den Barock.

Wenn Olson seine Bordunzither mit allerlei Effekten verfremdet, entstehen psychedelische Klänge wie weiland bei „Led Zeppelin“, wenn Jimmy Page zur akustischen Gitarre griff. Auch der Geist von Jimi Hendrix scheint über ihn zu kommen, wenn der Rock ’n’ Roller mit wildem Sologedaddel in ihm durchbricht. Ob Mark Olson und Ingunn Ringvold bewusst ist, wie viele unterschiedliche Assoziationen sie auslösen?

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