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Ausstellung: Etrusker: Kein Volk von Traurigkeit

Von Das Badische Landesmuseum im Karlsruher Schloss gibt bis 17. Juni einen umfassenden Einblick in die antike Kultur der Etrusker.
Dieser Urnendeckel mit den Figuren eines älteren Ehepaars gehört zu den imposantesten Ausstellungsstücken der Etrusker-Schau in Karlsruhe. Bilder > Foto: Uli Deck (dpa) Dieser Urnendeckel mit den Figuren eines älteren Ehepaars gehört zu den imposantesten Ausstellungsstücken der Etrusker-Schau in Karlsruhe.

In einer eher verborgenen Ecke des Rundgangs führt ein schmaler Eingang in die nachempfundene Grabkammer mit originalen Wandmalereien um 520 v. Chr. aus Tarquinia bei Rom. Im mystischen Licht erstrahlen farbenfrohe lebendige Motive – doch sie erinnern nicht an eine Reise ins Jenseits, sondern an eine opulente Feier mit Musik, Tanz und Festbankett.

Somit erweist sich das barocke Karlsruher Schloss, in dem die badischen Großherzöge ebenfalls gerne festlich tafelten, als geeigneter Ort für die Ausstellung „Die Etrusker. Weltkultur im antiken Italien“. Offenkundig stammt die Szene der etruskischen Grabfresken aus der Zeit der Aristokratie in den etruskischen Stadtstaaten Mittelitaliens, in denen die Oberschicht mit standesgemäßen Feiern zu repräsentieren verstand. Und wie viele der antiken mediterranen Kulturen waren auch die Etrusker, die sich selbst „Rasenna“ nannten, kein Volk von Traurigkeit, wie über 400 reich verzierte Trinkgefäße, Urnen, Statuetten, Schmuckstücke und Münzen zeigen.

Oft werden die Etrusker, deren ethnische und sprachliche Herkunft auch in dieser bislang größten deutschen Etruskerschau nicht abschließend geklärt werden kann (siehe nebenstehenden Text), als Vermittler zwischen griechischer und römischer Kultur verstanden, die auch das Leben der Stadt Rom maßgeblich prägten. Möglicherweise geht der Name der Stadt sogar auf das etruskische Geschlecht der „Rumina“ zurück. Ein Blick auf die Modelle der etruskischen Tempel, die oft mehreren Gottheiten wie dem Göttervater Tinia (Jupiter), der Wissenschaftsgöttin Minrva (Minerva) oder dem Meeresgott Nethuns (Neptun) dienten, zeigt, wie nah die Stilformen liegen: So ist die Grundform mit Vorhalle griechisch geprägt, wenn auch deutlich gedrungener, das Podium und der Dachschmuck mit einem Dämonengesicht als Antefix eher etruskisch-römisch.

Verborgene Welten

Auch in der Grabkammer lohnt ein differenzierter Blick auf die Wandmalereien, wie die Kuratorin Susanne Ebelding erläutert: „Anders als bei den altgriechischen Symposien, die eher den Männern vorbehalten waren, gruppieren sich hier paarweise Männer und Frauen zum Gelage.“ Die Darstellung, die vom ausgeprägten Totenkult mit Bankett im Jenseits zeugt, ist auch ein deutlicher Hinweis auf die gehobene Stellung der Frau, die über ihren Aufgabenbereich im Haushalt und der Kindererziehung hinaus auch den etruskischen Adel repräsentierte. Umgeben wird die Szene von einem Blick auf das Meer, vielleicht waren der oder die Bestatteten wie so viele Etrusker ein erfolgreicher Händler oder Seefahrer.

Was haben die Etrusker mit Ötzi gemein?

Es gab bereits viele Versuche, die etruskische Sprache bekannten südeuropäischen, orientalischen oder auch altanatolischen Sprachfamilien zuzuordnen – letztere passend zu Herodots Annahme einer lydischen Herkunft der Etrusker.

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Denn das Mittelmeer machte die Etrusker zu Global Playern der antiken Welt, zum Im- und Exporteur von Kultur und Kunsthandwerk. Ihre aktive Beteiligung am Seehandel dokumentiert die Ausstellung mit zahlreichen Importgütern wie griechischen Vasen mit mythischen Motiven, Skarabäen aus Ägypten und sogar einem Straußenei aus Phönizien.

Während antike Historiker wie Herodot die Etrusker als Einwanderer aus Lydien betrachteten, neigen moderne Altertumsforscher eher dazu, eine eigene vor-indoeuropäische Kultur in Oberitalien anzunehmen. Auch die Toskana leitet ihren Namen von dem römischen Etruskernamen „Tusci“ ab. Dort startet im Panorama über die sanften Hügel die Reise in die verborgene Welt der etruskischen Auguren, die die Zukunft aus dem Flug der Vögel und sogar der Eingeweideschau vorherzusagen pflegten.

Die erste etruskische Frühphase stellt die Villanova-Kultur dar, benannt nach einem Dorf in der Nähe von Bologna. Es ist die Zeit, als sich eine bäuerliche Kultur durch die Verarbeitung des Eisens in eine Herrschaft der militärischen Eliten verwandelt, was sich in Grabbeigaben in Form von aus Bronze und Eisen geschmiedeten Helmen, Speeren und doppelten Feldflaschen zeigt, zuweilen mit Pferden und wilden Wesen verziert. Meist wurden die Toten vollständig bekleidet in Grubengräbern bestattet.

Doch es sollte nicht beim Eisen bleiben: Fibeln, Ohrringe und eine Kammschließe mit filigran ausgearbeiteten Tierfigürchen weisen die Etrusker als meisterhafte Goldschmiede aus, wohl unter phönizischem Einfluss. Erst relativ spät wie benachbarte italische Kulturen entwickeln auch die Etrusker im 5. Jahrhundert v. Chr. ein eigenes Geldsystem mit löwengeschmückten Gold-, Silber- und Bronzemünzen.

Geliebte Toga

Im siebten und sechsten Jahrhundert herrschten Etruriens Aristokraten: Insgesamt 16 Stadtstaaten kann der Besucher der Ausstellung mit dem Tablet in den heutigen Regionen Toskana, Emilia-Romagna, Umbrien, Latium und Campanien erkunden.

Wahre Schatzkammern sind die nun entstehenden Nekropolen aus Erdhügeln, genannt Tumuli. Im Rundgang öffnet sich die Kulisse eines solchen Hügels: Hier faszinieren neben Waffen, Pferdegeschirr und einem rekonstruierten Wagen auch Bratspieße, Schieber und Trinkhörner, wie man sie für die Festgelage verwendete, und eigentümliche anthropomorphe Gefäße, die vor allem als Urnen und Kanopen zur Beisetzung von Asche und Eingeweiden dienten.

Zwar sollte die Bevölkerung der etruskischen Städte nach zahlreichen Niederlagen bis zur Zeitenwende endgültig im sich ausbreitenden Imperium Romanum aufgehen. Doch schon die antiken Gelehrten sinnierten, wie „römisch“ ihre Kultur wirklich war: Denn drei von sieben römischen Königen waren Etrusker, die Trockenlegung des Forums und die sagenhafte Wölfin, die die Zwillinge Romulus und Remus säugte, wurden ebenso auf die Etrusker zurückgeführt wie die geliebte Toga, das Liktorenbündel und der kaiserliche Krummstab, die spätere Zierde der Bischöfe.

In der Renaissance erwachte vor allem unter den Medici dank dem Fund mehrerer Bronzestatuen das erneute Interesse an den Namensgebern der Toskana, mit denen sich heute die Rugbyspieler der „Etruschi Livorno“ schmücken. Erst das 19. Jahrhundert brachte jedoch den Durchbruch in der systematischen Forschung, die etwa die Unterscheidung zwischen echten etruskischen und importierten griechischen Vasen ermöglichte, die als Handelsware begehrt waren.

Badisches Landesmuseum

Schloss Karlsruhe. Bis 17. Juni,
geöffnet Di–So 10 bis 18 Uhr. Eintritt 12 Euro. Telefon (07 21) 9 26 65 14.
Internet www.landesmuseum.de

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