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Excel-Tabellen und Dosen-Ravioli taugen zur Musik

Auch auf ihrem neuen Album, „Lieblingsfarben und Tiere“, bietet „Element Of Crime“, die Band um Sven Regener, Popmusik mit tollen Texten.
Bandgründer Sven Regener (v.l.n.r.), Schlagzeuger Richard Pappik, Bassist David Young und Gitarrist Jakob Ilja sind „Element Of Crime“. 	Foto: dpa Bandgründer Sven Regener (v.l.n.r.), Schlagzeuger Richard Pappik, Bassist David Young und Gitarrist Jakob Ilja sind „Element Of Crime“. Foto: dpa

Da ist er wieder, dieser vertraute Sound. Eine charmante Mixtur aus Schrammel-Pop, Seemanns-Lied, Akkordeon-Walzer und Rumpel-Folk, dass einem ganz warm wird ums Herz. Dazu singt Sven Regener mit rauchiger Stimme und unnachahmlichem Nordlicht-Dialekt lakonische Holperzeilen: „Am Fluss ging die Sonne / ewig nicht unter/von links nach rechts floss er/und plätscherte munter / vorbei als Du kamst / da war es schon spät / war ja klar / Am Morgen danach / war’n wir beide noch da.“

Man kennt von „Element Of Crime“ schon ähnliche Lieder wie „Am Morgen danach“, Eröffnungsstück des 13. Studioalbums mit dem Titel „Lieblingsfarben und Tiere“, das am morgigen Freitag erscheint. Aber man kennt sie eben noch nicht zur Genüge. Alle vier, fünf Jahre kommt eine weitere Platte dieser tollen Berliner Band heraus, die Neuerungen halten sich in Grenzen, und doch freut man sich stets – um im Hauptstadtjargon zu bleiben – „wie Bolle“ auf zehn neue Songs. Spätestens bei „Schabernack“, einem typischen Regener-Wort, ist wohl jeder „Element“-Fan wieder hin und weg.

Vor 30 Jahren gegründet und seit gut zwei Jahrzehnten mit Erfolg als Deutschpop-Band für anspruchsvolle Kundschaft unterwegs, pflegen „Element Of Crime“ auch mit „Lieblingsfarben und Tiere“ ihre Nische. Regener steht zu einer stilistischen Berechenbarkeit. Mit markanten Mariachi-Bläserarrangements und der rauen E-Gitarre von Jakob Ilja hat das neue Album aber durchaus seine Aha-Effekte. „Die letzte Platte war etwas folkiger, mit der Geige von Christian Komorowski. Diesmal, mit Saxofon und all den Bläsern, wurde es etwas jazziger. Und so eine gewisse Härte und Kälte erinnern mich an unseren Sound der 80er Jahre“, so Regener.

Nach dem Erfolg des vorherigen Albums „Immer da wo du bist bin ich nie“ von 2009 (Platz 2 der deutschen Album-Charts) und trotz Regeners Triumph als Romanautor mit der „Herr-Lehmann“-Reihe stand für die Band nie in Frage, dass es weitergehen sollte. „Irgendwann sagt man: Habt Ihr auch wieder Lust? Und dann versetzt man sich gemeinsam in den Modus, wieder Lust zu haben“, sagt der freundliche, souveräne Schlagzeuger Richard Pappik.

Auch Regener als Sänger, Texter und Aushängeschild von „Element Of Crime“ hatte keine Motivationsprobleme: „Man muss es auch für sich selbst spannend finden, was man tut“, das sei die wichtigste Bedingung, so der Musiker.

Wie immer investierte er viel Sorgfalt in seine Texte. Ein Schmuckstück diesmal: der Titelsong, in dem Regener sperrige Worte wie „Schwachstromsignalübertragungsweg“, „Excel- und Word-Dokumente“ oder „Skype-Kontakte“ ebenso unterbringt wie „Dosen-Ravioli“ und „Bildschirm mit Goldfisch“.

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