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Kino- und Kurz-Filme: „Exground Filmfest“ in Wiesbaden: 200 Filme aus 42 Ländern

Von Das 30. „Exground Filmfest“ in Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt zeigt 200 Filme aus 42 Ländern, vergibt sieben Preise und rückt die Türkei in den Fokus.
Der vor zwei Monaten verstorbene US-Schauspieler Harry Dean Stanton verkörpert in „Lucky“ einen 90 Jahre alten Navy-Veteranen, der nach einem Zusammenbruch einsehen muss, dass sein Leben dem Ende zugeht. An seiner Seite spielt David Lynch. Der vor zwei Monaten verstorbene US-Schauspieler Harry Dean Stanton verkörpert in „Lucky“ einen 90 Jahre alten Navy-Veteranen, der nach einem Zusammenbruch einsehen muss, dass sein Leben dem Ende zugeht. An seiner Seite spielt David Lynch.

Kleines Rätselspiel: Welche Berühmtheit hat mit Will Smith, Michael Douglas, Hugh Grant, Michael J. Fox, Oliver Stone, Macaulay Culkin, Kim Cattrall („Sex in the City“), John McEnroe, Bo Derek und (sozusagen) den Simpsons gedreht? Klare Antwort: Donald J. Trump, der 45. US-Präsident.

Im türkischen Film „Ember“ muss sich Emine (Aslihan Gürbüz) allein um ihr krankes Kind kümmern, nachdem ihr Mann verhaftet wurde. Bild-Zoom
Im türkischen Film „Ember“ muss sich Emine (Aslihan Gürbüz) allein um ihr krankes Kind kümmern, nachdem ihr Mann verhaftet wurde.

Eigentlich geht es beim 30. „Exground“ (17. bis 26. November) ja um die großen und schönen, die erhabenen und wichtigen Dinge. So lernen wir „How to Talk to Girls at Parties“: ein zeitloses Sujet von John Cameron Mitchell mit Nicole Kidman als Punkqueen Boadicea, die im London von 1977 unter die Aliens fällt. Auch sehen wir den jüngst verstorbenen Harry Dean Stanton in „Lucky“ (Regie: John Carroll Lynch), einem weiteren Film der Festivalreihe „American Independents“, als 90-jährigen Eigenbrötler mitten im Nirgendwo dem Leben entwachsen: so imitiert die Kunst das Leben, das die Kunst imitiert. Oder wir entdecken neue Seiten an Sexsymbol Jayne Mansfield („Mansfield 66/67“) und sind dabei, wenn „Laibach“ als erste Rockband der Welt das auf Führerkult getrimmte Nordkorea bespaßen darf („Liberation Day“). Da bieten sich womöglich Einblicke ins Land von „Soylent Green“, die man sonst nicht bekäme.

Schließlich die große Britin Vanessa Redgrave. Im hohen Alter feiert sie Regiedebüt mit „Sea Sorrow“, mit Ralph Fiennes und Emma Thompson. Es schaltet ihre eigene Fluchtgeschichte im 2. Weltkrieg mit dem Los heutiger Flüchtlinge parallel.

Großen Wert legen Gerald Pucher und Andrea Wink von „Exground“ auf das Jugendfilmfestival „Youth Days“ (18. bis 23. November; Julia Langhof kommt wegen „LOMO“) und den vorgeschalteten Kurzfilm als Genre. Ihn sähe das Festival zu gern wieder als Norm in allen Kinos, weil er rascher von der Idee zur Umsetzung finde und uns mit dem Unerwarteten konfrontiere. In Zeiten des Internets, das uns die Welt auf wenige Vorurteile verzeichnet, wäre er ein Gegengift.

Höhepunkte des Festivals

Weitere Tipps der Festivalmacher (außer „How to Talk to Girls at Parties“, „Lucky“, „Mansfield 66/67“, „Liberation Day“, „Sea Sorrow“) empfehlen die eindringliche Dokumentation über pränatale Diagnostik

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Wie Donald Trump ins Filmfest passt und dies den Zustand der Welt beleuchtet, ist die große Frage, die sich keiner stellt, der je einen seiner Cameo-Miniauftritte sah. Davon gibt es Dutzende. Trump spielt immer Trump: die öffentliche Figur, die Ikone brachialen Erfolgs. Dabei war er oft zufällig zur rechten Zeit am rechten Ort, um in den Dreh einzusteigen, und musste sich nie verstellen. Und doch ist die Spannweite größer als erwartet, wie Urs Spörri in seinem Film-Vortrag aufzeigt. Klar, dass „the Donald“ in vielen Sitcoms und Soaps agiert und in SchleFaZ-Machwerken noch schlechter mitchargierte. Für seinen Part in „Ghosts Can’t Do It“ bekam er so die Goldene Himbeere als miserabelster „supporting act“, neben Bo Derek als Star-Himbeere.

In Oliver Stones „Wall Street“ hat er dagegen eine echte Dialogszene beim Friseur an Michael Douglas’ Seite, die er anständig rüberbringt. Der gemeinsame Hair-Cut fiel dem Film-Cut zum Opfer, also man muss sich die Langversion angucken, doch für ihn war es der filmkünstlerische Höhepunkt. Als die Macher von „Kevin allein zuhaus 2“ im „Plaza“ filmten, das Trump gehört, brauchte er nur am Set aufzutauchen, schon war er drin und zeigte Kevin die Lobby. In der Seifenkisten-Story „The Little Rascals“ ist er auch der passende Sekunden-Vater für „Kevin“-Star Macaulay Culkin alias „der beste Sohn, den man für Geld kaufen kann“.

Ob es die beiden folgenden Auftritte waren, die Trump ins Weiße Haus hievten? Erstens: Trump, der Macker, bügelt in der „Schlacht der Milliardäre“ im Fake-Sport Wrestling andere Gewaltclowns nieder und qualifiziert sich als Fake-Präsident der Zukunft. Zweitens: Trump als Ex-Präsident in den „Simpsons“ hat das Land so zugrunde gerichtet, dass nur Lisa Simpson als Nachfolgerin es wieder auf Kurs zu bringen vermag. Prophetisch.

„Exground“ bringt knapp sechzig Premieren und kostet gut 250 000 Euro. 22 000 Euro verteilt es in Wettbewerben unter die Künstler (deutscher und internationaler Kurzfilm, JVA-Gefangenen-Preis „das Brett“, internationaler und Wiesbadener Jugendfilm, Wiesbaden-Special, Gong-Show).

Der Türkei-Schwerpunkt war schon vor dem sogenannten Putsch beschlossen. Er umfasst neunzehn Lang- und Kurzfilme, auch eine Vollversion des Klassikers „Yol“ (1982). Die Plus-Episode handelt von einem Hafturlaub. Der Regisseur selbst saß beim Dreh im Gefängnis. Helmut Müller vom „Kulturfonds Frankfurt RheinMain“ erlebte vor Ort Warnungen aber als „völlig übertrieben“ und gibt sich hoffnungsfroh, Erdogans „Holzerei“ bleibe „eine kurzlebige Geschichte“. Den Schwerpunkt ergänzen eine Amnesty-International-Veranstaltung, eine Party, eine Diskussion, Konzert und Ausstellung.

 

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