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Serie Junges Design: Fabian Riemenschneider und die Bürogemeinschaft „Schwarzraum 2.0“ in Offenbach

Das Rhein-Main-Gebiet ist eine Region voller kreativer Köpfe. Wir stellen in loser Folge junge Designer vor, die mit ihren Ideen die Welt von morgen mitgestalten. Heute: Die Bürogemeinschaft „Schwarzraum 2.0“ in Offenbach.
Für Fabian Riemenschneider ist sein Kreativenbüro auch ein gutes Stück Familie. Für Fabian Riemenschneider ist sein Kreativenbüro auch ein gutes Stück Familie.

„Wir sind Stadtteilbüro, Architekturbüro, wir sind ziemlich vieles“, sagt Fabian Riemenschneider. Der drahtige 33-Jährige empfängt in der Bürogemeinschaft „Schwarzraum 2.0“ im Offenbacher Nordend. Der raue, von Migranten geprägte Stadtteil in Hafennähe wandelt sich rapide. Mittlerweile ziehen auch junge Akademiker dorthin. Die Wohnungsmieten steigen, es entstehen erste hippe Cafés. Vor der Eingangstür des „Schwarzraum 2.0“ lassen ein improvisierter Kräutergarten und eine Sitzgruppe erahnen, wie gesellig es dort im Sommer zugeht. Einmal im Jahr veranstaltet Riemenschneider den „Nordend-Cup“, ein Fußballturnier mit Kindern aus der Nachbarschaft.

Drinnen stößt der Besucher zunächst auf ein Aquarium. An den Wänden des großen Büroraums sind Gebäudepläne und Architekturmodelle zu sehen. An den Computerarbeitsplätzen sorgen Zimmerpflanzen für wohnliche Atmosphäre. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Ein klassisches Co-Working Space sei „Schwarzraum 2.0“ nicht, sagt Riemenschneider. „Wir arbeiten miteinander, aber es arbeitet auch jeder für sich“, erläutert er. Die von ihm mitbegründete Bürogemeinschaft sieht er als „ein Zukunftsbild von Büro“. Seine Mitstreiter sind die Urbanistin Paola Wechs sowie die Architekten Natalie Heger, Sasa Mihalenko und Colin Uffelmann. „Wir kommen hier nicht nur zum Arbeiten her“, sagt Riemenschneider. Es werde ziemlich viel gekocht, überhaupt sei „Schwarzraum 2.0“ „ein großes Stück Familie“.

Vor knapp zwei Jahren bezog die Bürogemeinschaft ihre jetzigen, hellen Erdgeschossräume, ein früheres Reisebüro. Der Raum werde, so Riemenschneider, nicht öffentlich gefördert: „Dadurch sind wir unabhängig.“ Die 2015 gegründete erste „Schwarzraum“-Version war eineinhalb Jahre lang in einem von Kreativen zwischengenutzten, ehemaligen Bürogebäude am Offenbacher Rathaus untergebracht.

Superfuhrpark

Derweil führt Fabian Riemenschneider durch den „Schwarzraum 2.0“. Eine Werkstatt mit allerlei Werkzeug und Gerät verrät, dass Architekten und Designer mitunter auch handwerklich arbeiten: „Wir haben hier einen Superfuhrpark an Maschinen.“

In einem Nebenraum steht ein von Riemenschneider eigenhändig umgebautes und genutztes BMW-Motorrad aus den Achtzigern. Nun geht es ins Besprechungszimmer, Fabian Riemenschneider nimmt an einem von ihm entworfenen Tisch Platz. Der „Theore-Tisch Analog“, sagt er, werde ohne Schrauben aus einem Stück Seekieferholzplatte gefaltet. Riemenschneider, kurzer Haarschnitt und dezenter Schnurrbart, trägt ein Jeanshemd, ein Erbstück von seinem vor wenigen Jahren verstorbenem Vater. Er wirkt locker und verbindlich zugleich. An der Frankfurter Fachhochschule („University of Applied Sciences“) hat er von 2005 bis 2011 Architektur studiert. So habe er den Beruf seines Vaters, der Vermessungsingenieur war, mit der künstlerischen Praxis seiner Mutter kombiniert.

Nach dem Studienabschluss arbeitete Riemenschneider zweieinhalb Jahre lang bei einem großen, namhaften Frankfurter Architekturbüro. In die Selbstständigkeit sei er zufällig reingerutscht, erinnert er sich. Seine Leistungen reichen von Sanierung und Bauen im Bestand über Neubauten, bis hin zum Innenausbau. „Es ist immens, was dieser Job abverlangt“, berichtet er. Riemenschneider ist Lehrbeauftragter am Architektur-Fachbereich der University of Applied Sciences. Mit Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) plant der zudem den Umbau der dortigen „Kapelle“.

„Kein Chef, keine Uhr“

Als Architekt arbeitet er aktuell an bis zu neun Projekten. Feste Arbeitszeiten kennen Riemenschneider und seine Mitstreiter ohnehin nicht: „Es gibt keinen Chef und keine Uhr.“ Auch die Tagesabläufe unterscheiden sich: „Im Prinzip sieht jeder Tag anders aus.“ Dadurch kann es werktags spät werden, selbst an manchen Wochenenden stehen die Büroräume nicht leer. Dennoch, im Vergleich zu seiner früheren Anstellung verlasse er den Arbeitsplatz „erfüllt“, sagt Riemenschneider.

Ein Hauch von Start-Up-Atmosphäre umweht den „Schwarzraum 2.0“ und das Offenbacher Nordend. In der nahe gelegenen Heyne-Fabrik sind zwar schon seit einigen Jahren Designbüros angesiedelt. Der „Schwarzraum 2.0“ steht jedoch für ein jüngeres Verständnis kreativer Arbeit. „Ich fühle mich sehr wohl hier in der Stadt“, sagt Fabian Riemenschneider. „Hier ist noch superviel möglich“, fügt er hinzu. Dennoch sagt er auch: „Wir bräuchten viel mehr Einsatz für die Förderung kreativer Start-Ups.“ Dass sich Offenbach verändert, ist Riemenschneider ohnehin klar. Dies geschehe „manchmal auch zum Leidwesen der einfachen Leute“. Alles in allem muss man sich Fabian Riemenschneider als einen glücklichen Kreativen vorstellen. Auf das gemeinschaftlich-familiäre Modell „Schwarzraum 2.0“ möchte er fürs Erste nicht verzichten.

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