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DJ-Konzert: Felix Jaehn lässt das Capitol Offenbach unter seinen Pop-Bässen erbeben

Von Der Produzent aus Hamburg zog an seinem Mischpult alle Regler und drehte alle Knöpfe, wollte aber auch als Musiker wahrgenommen werden.
Was das Mischpult hergibt: Felix Jaehn zieht im Offenbacher Capitol alle Regler und lässt elektronische Popsongs wie „Bonfire“ (Fegefeuer) ertönen. Foto: Sven-Sebastian Sajak Was das Mischpult hergibt: Felix Jaehn zieht im Offenbacher Capitol alle Regler und lässt elektronische Popsongs wie „Bonfire“ (Fegefeuer) ertönen.
Offenbach. 

Platzknappheit im ausverkauften Offenbacher Capitol. Hohe Luftfeuchtigkeit infiltriert die Hitze, als befände sich der Hochsommer auf Touren. Oder sind es lediglich bis zum Anschlag aufgedrehte Heizkörper? Auch auf der ersten Etage ist es gerammelt voll. Dabei soll doch eine Party vom Feinsten steigen. Da wäre es schon wünschenswert, wenn das Individuum Platz zu tänzerischem Ausdruck erhielte. Als das Licht verlöscht, ein mächtiger Aufschrei aus Tausenden Kehlen die ehemalige Synagoge zum Intro der Club-House-Hymne „Feel Good“ erbeben lässt, fügen sich die Anwesenden in ihr Los: Euphorisches Wippen, Fußstampfen, Klatschen, Hüpfen und Armschwingen lassen sich nur als amorphe Masse bewerkstelligen.

Jüngling in Sporthosen

Alle Blicken richten sich auf jenen 23 Jahre alten Jüngling in blauen Sporthosen, Turnschuhen und Jeansjacke, der hinter einem wuchtigen DJ-Pult an zig Knöpfen dreht, Regler hoch- und niederzieht und mit erhobener Faust die Massen anfeuert. Wenig später hält es den 1994 in Hamburg geborenen, in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsenen Pop-Überflieger nicht mehr hinter seiner Kanzel. Erst springt er Fahnen schwingend immer wieder aufs Pult, dann von der Bühne in den Fotograben, wo er Hi-Five gibt, Hände schüttelt, über Köpfe streichelt und willig entgegengestreckte Körper umarmt, männliche wie weibliche.

Mit Felix Jaehn kehrt ein Phänomen in deutsche Konzerthallen zurück, das Ende der 80er Jahre seinen Ursprung hatte: Das bis dato lediglich als passiver Musiklieferant in Clubs und Diskotheken bewährte Berufsbild des DJs trat dank Sampling- und weiterer Digitaltechnik selbst als Produzent in Erscheinung, avancierte gar zum Künstler – das hatte es zuvor nicht gegeben. Damals hießen die Stars Westbam, Marusha, Sven Väth, Paul van Dyk oder DJ Hell, Massenveranstaltungen betitelten sich Mayday oder Love Parade. Paul Kalkbrenner, Swedish House Mafia und der längst übermächtige globale Goliath David Guetta zählten schon zur nächsten Generation.

Im Gegensatz zu den Vorgängern möchte Felix Jaehn, der als Sechsjähriger Geigenunterricht erhielt, aber auch als Musikus wahrgenommen werden. Aus einem reinen DJ-Set mit gigantischer Projektionsfläche im 3D-Effekt zaubert der Sympathieträger, dessen Debütalbum „I“ im Februar erschien, mal eben Konzertatmosphäre aus dem Ärmel. Eine Cellistin zählt ebenso dazu wie ein Posaunist und Bassist. Hinzu gesellen sich diverse männliche und weibliche Vokalisten wie der auch das Vorprogramm bestreitende Singer-Songwriter Xavi.

Jeder für Jeden

Gelegentlich bedient Jaehn selbst Xylophon und ein digitales Drum Set. „Toll, dass so viele von euch gekommen sind“, ruft er von kindlichem Enthusiasmus gepackt zwischen weiteren Muntermachern wie „Bonfire“, „Hot2Touch“ und „Like A Riddle“ ins volle Rund. Remixe von Ed Sheerans verspieltem „Photograph“ oder das im Gespann mit Herbert Grönemeyer sowie Teilen der DFB-Fußballnationalmannschaft für die EM 2016 produzierte „Jeder für Jeden“ animieren die Partywilligen nicht minder.

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