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Konferenz und Konzerte: Festival im Mousonturm: Wie sieht die Zukunft des HipHop aus?

Von Eine Hip-Hop-Konferenz mit Konzerten, Tanz und Ausstellung diskutiert im Mousonturm Frankfurt über Männlichkeit und neue Rollen zwischen Gangsta- und Queerrap.
Foto: Frieda Frost
Frankfurt. 

Die Konzerte bestreiten Ski Mask the Slump God, der als kommender Superstar der Trap-Welle aus Florida gilt, sowie Wiley & AJ Tracey (London) und Sookee (Berlin). Wiley ist der Pate des britischen Grime. Die Konzertauftritte verschaffen dem Hip-Hop-Wochenende vom 8. bis 10. Dezember (Kuratoren: Markus Gardian, Murat Güngör) die nötige Szenen-Credibility.

Ansonsten bilden Vorträge und Diskussionen den Kern von „Sex, Money & Respect“. Die DJs Manges aus Darmstadt und Weller aus Frankfurt legen im Lokal auf, die Tanzperformance „Zeybek“ und eine Fotoausstellung runden das Programm ab.

Selbstbewusste Gangsta?

Zentral geht es der Veranstaltung um einen alten Widerspruch und den neuen Trend, der ihn aufheben könnte. Der Hip-Hop entstand als Ausdruck selbstbewusster Minderheiten von der Straße: erst Schwarze in New York, dann Einwanderer und untere Schichten weltweit.

Mehr Infos zum Festival gibt es hier

Selbstbewusst bis aggressiv forderten sie, so die Legende, ihr Stück vom Kuchen und tun es bis heute, was Wellen schlug und voyeuristische Schauder in Mittel- und Oberschicht weckte. Wer für soziale Durchlässigkeit ist oder auf die verändernde Kraft von unten setzt wie die Künstler- und Kulturszene, die Linke und die Intellektuellen, der drückt sich die Rapper gern mal ans dekonstruktive Herz.

Wie kann es aber sein (da liegt der Widerspruch), dass die singenden Unterdrückten und Selbstbefreier hartnäckig an einer phallozentrischen Piraten- und Zuhältermoral festhalten? Selbstbild und „Gangsta“-Klischees sehen für Rapper dicke Goldketten vor und „dicke Eier“: Durchsetzungskraft. Für den Absatz und die „street credibility“ mimt der ideale Rapper den harten Macker von der Straße, macht sich seinen Reim auf die Gewalt, reduziert die „Bitches“, die an seinem Erfolg kleben, aufs Geschlechtsteil, und verhöhnt Schwule. Hip Hop ist männlich, seine Codes auch. Für Frauen ist der Hip Hop, die „black culture“ aus der Hood, nicht unbedingt ein Zuckerschlecken.

Die Zukunft ist rosa

Das scheint sich jetzt indes zu ändern. „Sex, Money & Respect“ will den Moment einfangen. Wie kürzlich berichtet, können neue Rapper wie „Future“ heute in Rosa auftreten. Andere tragen Mädchenkleider oder outen sich gar als schwul: bislang undenkbar.

Kurz, das alte Mastino-Image bröckelt, und die Mousonturm-Konferenz findet das toll. Hinter dem Untertitel „Männlichkeit zwischen Gangsta- und Queerrap“ steht die Prämisse, alle Geschlechteridentität wäre „konstruiert“ und heterosexuelle Männlichkeit langweilig, ja ein archaisches Herrschaftsinstrument. Ist natürlich Quatsch, gibt sich aber als akademischer Konsens aus. Rosa Rapper? Viiiiel schnuckliger!

En détail stellt das Programm im Mousonturm eine Fotoausstellung des Frankfurter Graffitikünstlers Bomber alias Helge Steinmeier („Gender Trouble“ / „Beats, Rhymes & Vandalism“) neben die Tanzperformance „Zeybek“ von Amigo alias Kadir Memis, der auch traditionelle Tanzschritte Anatoliens aufgreift.

Vorträge und Experten-Gespräche von Wissenschaftlern wie Tricia Rose und Hannes Loh sowie Musikern handeln zum Beispiel von „(Hyper) Masculinity and Blackness“ oder von Genderinszenierung im Breakdance, oder sie schreiten den Weg „Vom Gastarbeiter zum Gangsta-Rapper“ nach und verballhornen das zu „Liberté, Égalité, Beyoncé“. Im Streitgespräch mit dem Rapper Celo verteidigt Sookee, deren Namenspatin der Vampirserie „True Blood“ entstammt, ihre Position als „Queerfeministin“ gegen Homophobie und Sexismus in der Hip-Hop-Machowelt. Ein Schüler-Panel räumt der Jugendkultur Platz ein.

“Sex, Money & Respect“

Vom 8. bis 10. Dezember im Mousonturm Frankfurt. Tag 1 mit Ski Mask the Slump God: ausverkauft. Sonst: Tagestickets 22–29 Euro, Festivalpass 59 Euro, Konzerte 19–27 Euro, andere Veranstaltungen frei bis 11 Euro.
Info: Tel.: (069) 40 58 95 0. Website: www.mousonturm.de.

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