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Großes Kino in der Commerzbank-Arena: Filmkomponist Hans Zimmer kehrte zurück in die alte Heimat

Er kam aus dem Taunus und ist in Hollywood gelandet. Nach vielen Jahren kehrte er jetzt für ein Gastspiel in die alte Heimat zurück: In der Frankfurter Commerzbank-Arena fuhr der Filmkomponist und Oscar-Preisträger Hans Zimmer das ganz große Besteck auf.
Ganz in Weiß mischt sich Hans Zimmer zunächst unter sein Ensemble, in dem auch einige bizarr gewandete Damen am Werk sind.	Foto: Sven-Sebastian Sajak Foto: Sven-Sebastian Sajak Ganz in Weiß mischt sich Hans Zimmer zunächst unter sein Ensemble, in dem auch einige bizarr gewandete Damen am Werk sind. Foto: Sven-Sebastian Sajak
Frankfurt. 

Der Pionier des Genres, der italienische Filmmusikkomponist Ennio Morricone, hat es schon vor einigen Jahren vorgemacht, Hans Zimmer hat nachgezogen: Hollywood-Soundtracks als Arenenspektakel, aufgehübscht mit Riesenorchester, Chor und Gastsängern. Wo bei Signore Morricone noch die Festhalle genügte, ist es beim 59 Jahre alten Oscar-Preisträger Zimmer eine Nummer größer: die Commerzbank-Arena.

Immerhin rund 19 000 Besucher lockt der stattliche Maestro, Sohn des hessischen Chemieunternehmers Hans J. Zimmer, aufgewachsen im Elternhaus in Königstein-Falkenstein, ins Fußball-Areal. Noch erreicht die Zimmer-Anhängerschaft hierzulande nicht die Dimensionen wie die derzeit auf allen Kanälen gegenwärtige Schlager-Sängerin Helene Fischer.

Die Sicherheitskontrollen beim Einlass sind nicht minder gründlich. Ein Problem taucht auf, als der Andrang an den Eingängen den Zenit erreicht: Wer sich schon im Innenraum befindet und noch mal schnell die Blase entleeren möchte, der muss sich abermals in lange Schlangen einordnen.

Ein kurzer Spuk

Wie eine Fata Morgana erscheint auf der mit Equipment überfrachteten Bühne, deren hinterer Bereich zunächst noch mit einer schwarzen Sichtblende verhängt ist, für wenige Songs eine osteuropäische Folkloretruppe. Als der Spuk vorüber ist, sich so mancher aber trotzdem noch fragt: „Was war das denn?“, erscheint im hellen Anzug auch schon Hans Zimmer samt Begleiter. Beim Intro, ein Medley aus akustischen Schnipseln von „Driving Miss Daisy“, „Sherlock Holmes“ und „Madagascar“, lässt sich schon abschätzen: Das wird ein Hördebakel. Als Hans Zimmer das Wort ans Publikum richtet, bestätigt sich sein von ihm selbst lange vor dem Auftritt angekündigtes Lampenfieber. Zimmer spricht hastiges Deutsch mit englischem Akzent. Manches kommt undeutlich rüber, hier und da vertauscht er Worte. Der Mann lebt ja auch seit Jahrzehnten schon in Los Angeles. Umso herzlicher gestaltet sich die Begrüßung: „Hallo Ihr Frankfurter. Ich bin auch ein Frankfurter. Es ist soooo toll wieder hier zu sein nach all den Jahren“, startet er einen längeren Monolog, Lebenslauf inklusive.

Dass er rund um Frankfurt aus diversen Schulen flog, einfach Musiker werden musste und erst im englischen Internat Hurtwood House sein Abitur schaffte, berichtet er. Als Zimmer sich seines Sakkos und seines Hemds entledigt, kommt darunter ein zuvor übergebenes Trikot von Eintracht Frankfurt zum Vorschein: Es geht doch nichts über eine Prise Volksnähe. Wenig später steht auch schon die scheue Lisa Gerrard im Rampenlicht, gehüllt in eine samtene Robe und gekrönt von einer Hochsteckfrisur wie sie einst auch die britische Monarchin Elisabeth I. trug. Mit der Ausnahmevokalistin vom australischen Kultduo „Dead Can Dance“ unternehmen Zimmer und das nun sichtbare Orchester samt Chor Streifzüge durch den Soundtrack des Antikenspektakels „Gladiator“. Zwischendurch erläutert Zimmer mittels zahlreicher Anekdoten seine Werke.

Im „Da Vinci Code“ glänzen Sängerin Leah Zegger und Cellistin Tina Guo. Tausendsassa Zimmer, viel mehr Teil des exzellenten Ensembles als großer Dirigentenzampano, greift unentwegt zu anderen Instrumenten: Ob Banjo, Keyboard, Bass, E- oder Akustik-Gitarre. Tatsächlich: Da steht ein ungemein sympathischer Virtuose, der geradezu überquillt von Geschichten. Beim mehrteiligen „König der Löwen“ rücken Sänger Lebo M, von Zimmer einst an einer Tankstelle entdeckt, und die ebenfalls singende Tochter Refi in die Aufmerksamkeit.

Heftige Dissonanzen

Auf dem Fuße folgt eine mit stürmischem Applaus quittierte Überraschung: Trevor Horn, britische Pop-Produzenten-Legende (u. a. „ABC“, „Frankie Goes To Hollywood“), Ex-Mitglied von „Yes“, Bassist, Komponist und Sänger, vervollständigt das Orchester und lädt zu einem nostalgischen Ausflug: „Video Killed The Radio Star“ – 1979 ein Nummer-eins-Hit der „Buggles“, Horns einstiger Band – steht auf dem Programm. Der blutjunge Hans Zimmer gehörte damals – noch rank und schlank – ebenfalls zum Ensemble. Mit kräftigen Impressionen von den „Piraten der Karibik“ samt Cellistin Tina Guo geht es in die Pause. Danach muss sich so mancher Freund des Wohlklangs umstellen. Teil zwei glänzt mit Dissonantem, Atonalem, Harschem und Elektronischem. Zeitweise gewinnt gar Schwermetall die Oberhand, da mischt Gitarrist Guthrie Govan von den „Aristocrats“ fleißig mit. „Metallica“ oder „Rammstein“ könnten das auch nicht besser. Zimmers Jugendidole „King Crimson“, „Kraan“ und „Kraftwerk“ machen sich stilistisch auch in „Man Of Steel“, „Batman vs. Superman“ und „The Dark Knight“ bemerkbar.

Einige Besucher begeben sich vorzeitig auf den Heimweg. Schade, denn bis zum Finale mit Ausflügen in die Welt von „Interstellar“ und „Inception“ bleibt Meister Zimmer elektrisierend auf erstklassigem Niveau.

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