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Porträit: Filmkomponist James Newton Howard gibt Hollywood den richtigen Sound

Acht Mal für den Oscar nominiert und mit Elton John in einer Band gespielt: Der amerikanische Filmkomponist James Newton Howard ist eine musikalische Größe in Hollywood. Morgen kommt er mit einem Orchester nach Frankfurt in die Jahrhunderthalle.
Am Flügel kommen dem Komponisten James Newton Howard die besten Ideen zu seinen Filmmusiken, die er für Hollywood schreibt. Foto: Mark_Hanauer Am Flügel kommen dem Komponisten James Newton Howard die besten Ideen zu seinen Filmmusiken, die er für Hollywood schreibt.

Das Auto gleitet entlang der traumhaften, viel besungenen Badestrände der kalifornischen Küste. Die Schönheit und die Eleganz dieser Landschaft liegen vor, neben, hinter dem klimatisierten Mini-Van. Und ja, es stimmt, was die Popkultur über Santa Monica in den vergangenen 60 Jahren berichtete: Der Himmel ist hier sehr blau, der Strand ist sehr sandfarben, die Palmen sehr hoch. Ein einmotoriges Flugzeug mit Werbebanner im Schlepptau durchschneidet ein paar Schäfchenwolken. Im Auto weiß gerade niemand, wie Orchideen riechen, aber alle sind sich in diesem Moment sicher, dass ihr Geruch in der Luft liegt.

Elegantes Landhaus

Der Filmkomponist James Newton Howard (66) und seine Frau Sophie haben in ihr Wohnhaus an die kalifornische Küste geladen, um gemeinsam einen leichten Nachmittag zu verbringen, um gemeinsam zu essen und, na gut, um auch ein bisschen über die anstehende Europa-Tournee zu plaudern. Und noch bevor das Auto vor dem eleganten Landhaus skandinavischer Prägung zum Stehen kommt, da überfällt einen die Erkenntnis: Das ist der beste Ort für einen Filmkomponisten – ein Leben in einer Filmkulisse.

Einen seiner berühmtesten Soundtracks komponierte Howard für den Filmklassiker „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere. Bild-Zoom
Einen seiner berühmtesten Soundtracks komponierte Howard für den Filmklassiker „Pretty Woman“ mit Julia Roberts und Richard Gere.

James Newton Howard öffnet die Tür, die Haare schlohweiß, runde Schriftstellerbrille, fester Händedruck. „Kommt rein, kommt rein“, sagt er. Und da steht man dann also, zwischen Porzellanvasen, großen Ölgemälden, aristokratischem Interieur. Der Hausherr führt in den Garten, in dem alles schön grün und bunt blüht, obwohl die kalifornische Sonne erbarmungslos vom Himmel brennt.

Natürliche Autorität

James Newton Howard hat für seine Filmmusik Grammys und Emmys gewonnen, Hollywood-Stars wie Oscar-Preisträger Casey Affleck und Sound-Guru Hans Zimmer zählen zu seinen Kumpels. Seit 30 Jahren ist er im Geschäft, für 120 Filme hat er die Musik komponiert – James Newton Howard zählt zu den Felsbrocken der amerikanischen Filmindustrie. Die Soundtracks der Blockbuster „Pretty Woman“ (1990), „Waterworld“ (1995), „Peter Pan“ (2003), „Das Bourne Vermächtnis“ (2012), „Die Tribute von Panem“ (2013), „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ (2016) festigten seinen Ruf als einer der wichtigsten Filmmusik-Komponisten der Gegenwart. „Aber, na ja, in die Sache mit der Filmmusik, da bin ich irgendwie so reingerutscht“, sagt er, während er sich in einen Gartenstuhl fallen lässt, wie man sie aus Pilcher-Filmen kennt. Die Stimme leise und fest, natürliche Autorität.

Der junge James Newton Howard wollte Rockmusiker werden, mit ein paar handfesten Skandalen und Drogen-Eskapaden. Und diesem Traum ist er ziemlich nahe gekommen, schließlich tourte er mit Elton John in dessen heißester Phase durch die Welt. Howard am Keyboard, John am Mikrofon: Es waren die Siebziger, die Hits der Tournee-Gruppe hießen „Bennie And The Jets“, „Goodbye Yellow Brick Road“, „Daniel“ und „Crocodile Rock“, und die Menschen flippten aus, egal wo der Tross gerade die Bühne betrat. Hätte sicherlich ewig so weitergehen können.

Doch dann, in den Achtzigern, wurde für den Hollywood-Blockbuster „8 Millionen Wege zu sterben“ ein möglichst dramatischer Soundtrack benötigt, und jemand aus der Produktionscrew kam auf die Idee, mal beim Elton-John-Keyboarder und „Toto“-Vertrauten James Newton Howard anzufragen. Der Plan der Filmcrew ging auf, und James Newton Howard hatte plötzlich eine neue Berufsbezeichnung. 30 Jahre und acht Oscar-Nominierungen ist das jetzt her. Frage an den Komponisten: Was zeichnet seine Filmmusik aus? Warum ist halb Hollywood verrückt nach seinen Sounds? Erst mal ein bisschen nachdenken. Eine kleine, zarte Wolke schiebt sich über den Garten, in der Nachbarschaft bellt ein Hund. James Newton Howard versucht sich an einer Antwort: „Ich habe sehr viel Geld für die Erstellung einer Soundbibliothek ausgegeben. Ich bin stets auf der Suche nach dem perfekten Ton. Eine Vielzahl meiner Sounds habe ich mit dem London Symphony Orchestra aufgenommen, ein einmaliger Klang. Vielleicht ist das schon die Erklärung.“

Schaurig-schön

Wenn es bloß so einfach wäre. Denn zur Wahrheit zählt auch, dass nur die wenigsten Menschen einen so schaurig-schönen Symphonie-Wahnsinn komponieren können, wie ihn „Die Tribute von Panem“ durchziehen. Doch ein allzu großes Geheimnis um seine Kompositionen will Howard nicht machen: „Es ist der Regisseur, der den Rahmen absteckt“, sagt er. „Wenn er ein bestimmtes Instrument nicht möchte, dann schränkt mich das natürlich in einem gewissen Maße ein, aber es erhöht auch die Herausforderung.“

Frage: Das heißt, ein erfolgreicher Filmkomponist kann jeder werden, der so ein bisschen mit Studiotechnik hantieren kann?

„Na ja, ein bisschen Können und Talent sind vielleicht auch dabei“, sagt er. Und das will er nun in Deutschland auf ziemlich großen Bühnen unter Beweis stellen. „Ich komme mit Orchester“, sagt er. Die Tour heißt „Das Beste aus 30 Jahren Hollywood“. Was für ein vollmundiger Titel. „Irgendwie musste ich die Tour ja nennen“, sagt er.

Die Sonne versinkt glutrot im Pazifik. Julia Roberts taucht nicht auf.

Jahrhunderthalle Frankfurt

Pfaffenwiese 301, 1. Dezember,
20 Uhr. Karten von 68,50 bis 108 Euro unter Hotline 0 18 05-3 60 12 40.
Internet www.jahrhunderthalle.de

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