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Filmkritik: Noch nicht zu alt für ein Wagnis

Von In der Buchverfilmung „Picknick mit Bären“ läuft Robert Redford als Reiseschriftsteller den Appalachian-Trail in Georgia entlang.
Bill Bryson (Robert Redford, links) wandert mit seinem Kumpel Stephen Katz (Nick Nolte) los. Ob sie den Appalachian Trail schaffen? Foto: Alamode Film (Alamode Film) Bill Bryson (Robert Redford, links) wandert mit seinem Kumpel Stephen Katz (Nick Nolte) los. Ob sie den Appalachian Trail schaffen?

Man muss kein Verehrer des chinesischen Weisen Konfuzius sein, um zu wissen, dass „der Weg das Ziel“ sein kann. Auch jeder deutsche Wanderer kennt die meditative Kraft des Gehens in freier Natur und kommt ins Sinnieren, wenn er auf seiner Tour den Kopf von schweren Gedanken lüftet und irgendwann jene Aussichtspunkte erreicht, die den weiten Blick über Berge und Täler erlauben sowie neue Einsichten in das menschliche Dasein als solches.

Nichts anderes als diese Erfahrung strebt der amerikanische Reiseschriftsteller Bill Bryson (Robert Redford) an, als er sich entschließt, den Appalachian-Trail entlangzulaufen. Dieser Fernwanderweg führt über 3500 Kilometer durch 14 US-Bundesstaaten, vom Springer Mountain in Georgia bis zum Mount Katahdin in Maine. Zwar findet Brysons Ehefrau (Emma Thompson in bezwingender Natürlichkeit) ihren Mann mit seinen rund 70 Jahren zu alt für dieses Wagnis. Aber sie muss ja nicht mitkommen. Bryson bringt seinen langjährigen Kumpel Steven Katz (Nick Nolte) dazu, ihn zu begleiten. Obwohl der berüchtigte Suffkopp nicht gerade bestens in Form zu sein scheint.

Von Anfang an lässt sich der amerikanische Regisseur Ken Kwapis („Der Ruf der Wale“) bei seiner Buch-Verfilmung ebenso wenig hetzen wie die beiden Männer bei ihrem Fußmarsch. Trotzdem wird es unterwegs nicht langweilig. Zwar ist der deutsche Filmtitel „Picknick mit Bären“ ungleich biedermeierlicher als der Originaltitel „A Walk in the Woods“ nach dem gleichnamigen Wanderbericht des wahren Bill Bryson. Aber die Regieführung folgt dem Grundsatz, dass man die Gemächlichkeit genießen kann, wenn man sich erst an sie gewöhnt hat. Zumal Bryson und Katz auf ihrem Wanderpfad einigen Zeitgenossen begegnen, die es wahrlich nötig haben, mal zu sich selbst zu kommen, so spinnert schreiten sie einher.

Zwar hat die Handlung durchaus Momente, in denen sie dramaturgisch ebenso riskiert, einen Abhang hinabzustürzen wie die zwei Wanderer. Aber es passiert nichts, das nicht durch einen Regieschlenker wieder gutzumachen wäre und vor Klamauk bewahren würde. Obwohl Robert Redford (79) und Nick Nolte (74) als frotzelnde Kumpels mit ihren Rucksäcken und Wanderstiefeln hier also keinen rasanten Actionfilm mehr durchlaufen wie in früheren Zeiten, so überzeugen sie doch aus sich selbst heraus und bleiben dem Grundverständnis des Filmes treu: Man ist nie zu alt, um etwas Neues zu beginnen, aber man sollte doch vernünftig genug bleiben, es rechtzeitig wieder zu beenden. Sehenswert

 

Frankfurt: Cinema, E-Kinos. Mainz: Residenz & Prinzess

 

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