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Premiere am Staatstheater: "Fliegendem Holländer" in Darmstadt: Raue Seemänner auf Brautschau

Von Dietrich W. Hilsdorfs aus Köln übernommene Inszenierung von Wagners „Fliegendem Holländer“ erweist sich in Darmstadt als sichere Bank bei der Gunst des Publikums.
Der Holländer (Krzysztof Szumanski, vorne) und Senta (Astrid Weber, rechts) lieben sich, finden aber keine Erlösung. Foto: Copyright: Wolfgang Runkel Der Holländer (Krzysztof Szumanski, vorne) und Senta (Astrid Weber, rechts) lieben sich, finden aber keine Erlösung.

Die Zunft der Schiffsbauer ist bei dieser Inszenierung um einen Großauftrag herumgekommen. Man kann in Hilsdorfs Inszenierung des „Fliegenden Holländer“ – zunächst in der Kölner Oper gezeigt und nun nach Darmstadt weitergegeben – sein schwerfälliges Gefährt nur erahnen. Eine große metallene Treppe schlägt mit lautem Knall auf der Reling auf, und der Titelheld kommt in abenteuerlich zerfranster Montur hinabgeschritten.

Eine nordisch-herbe Liebesgeschichte kann beginnen, bis Senta – von der Kugel aus Eriks Jagdgewehr getroffen – tot zusammensinkt. Erik ist im „Holländer“-Drama der Ehrliche, Treue, der selbst in größter Verzweiflung eherne Grundsätze befolgt und damit Sympathien erzielt. Dass der Schlussapplaus bei ihm mit Abstand am größten und ausdauerndsten war, mag auch daran gelegen haben. Marco Jentzsch aber dürfte ob seiner sängerischen und darstellerischen Fähigkeiten beim Publikum zu Recht einen Stein im Brett bekommen haben. Ein absolut authentischer Charakter.

Perlende Gischt

Die charakteristische Ouvertüre wurde vom Orchester in prallen Farben gemalt. Da zieht die steife Brise über die See, bildet starker Wellengang die perlende Gischt, klingt die Wehmut der Seeleute über Liebesweh und die Sorge über die Wolken an. Wagner schuf eine prachtvolle Programm-Musik, die von einem wie entfesselt aufspielenden Orchester der Staatsoper unter der Leitung von Will Humburg zu ihrer vollen Wirkung gebracht wurde. Alles klang überzeugend transparent und dicht, aber auch romantisch verklärt. Denn vor allem die in dichter Abfolge liegenden dynamischen Kontraste machen die Reize dieser Oper aus.

Marco Jentzsch als Erik wurde hier vor die Klammer gezogen – damit sollen allerdings nicht die Verdienste der übrigen Darsteller geschmälert werden. Krzysztof Szumanski hatte man die Titelrolle übertragen – ein Mann, der lieben will, aber nicht lieben kann. Der Zottelbär bringt reichlich Aufregung in die weibliche Runde, vor allem um Senta ist es geschehen. Man erlebt mit Astrid Weber eine reife, charaktervolle Darstellerin, die ein ausgesprochen kühles, nordisches Bild der Liebenden zeichnet. Sängerisch hatte sie natürlich in der berühmten Ballade des zweiten Aktes ihre besten Momente, aber auch sonst setzte die Sängerin ganz auf eine dramatische, mitreißende Darstellung.

Die engere Besetzung des „Fliegenden Holländers“ besteht aus nur sieben Partien – entsprechend heikel ist die passende Zusammenstellung, die der Darmstädter Regie aber alles in allem gut gelungen ist. Man trifft mit Seokhoon Moon einen geschäftigen, tüchtigen Daland, dessen Sorge nicht nur das Wohl seiner Tochter Senta allein ist. Beim Holländer winken Gold und Geld, das macht ihn als künftigen Schwiegersohn attraktiv. Elisabeth Hornung ist eine reife, behagliche Amme Mary, deren Rolle ebenso wichtig war wie die des Steuermannes (Michael Pegher) und Samiels (Michaela Süß).

Nun ist „Der fliegende Holländer“ eine der bedeutenden Choropern Richard Wagners. Der Darmstädter Chordirektor Thomas Eitler-de Lint hatte eine Truppe kerniger Seeleute zur Verfügung, deren Stimmbänder von der salzigen Seeluft bestens präpariert schienen. „Steuermann, lass die Wacht“, erklang so besonders authentisch, gerade am Ende des ersten Aktes beim Übergang ins surrende Treiben der Spinnstube.

Die Örtlichkeiten waren dem Zuschauer zu diesem Zeitpunkt indes bereits vertraut, denn schon während der Ouvertüre hatte Regisseur Hilsdorf dem Publikum Einblicke in das Innere von Dalands Haus ermöglicht.

Bleibt zum guten Schluss noch das Orchester zu würdigen. Man zeigte sich den großen orchestralen Herausforderungen dieser reich-nuancierten romantischen Oper in jederlei Hinsicht gewachsen. Besonders die Streicher boten einen kraftvollen Wellengang, und auch die Bläser taten das Übrige für eine maritime Atmosphäre.

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